Fabrik geplant

„Gamechanger“ im Ukraine-Krieg: Russland baut angeblich iranische Kamikaze-Drohnen nach

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Drohnen stehen für eine neue Art der Kriegsführung. Im Krieg gegen die Ukraine setzt Russland jetzt wohl auf eine eigene Version der iranischen „Shahed“.

Moskau – In zwei über der Ukraine abgeschossenen Drohnen wollen Experten viele Bauteile internationalen Ursprungs gefunden haben. Sie schließen daraus, dass Russland für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine jetzt eigene Drohnen baut. Bisher hatten die Russen Drohnen iranischer Herkunft genutzt. Trümmer von zwei sogenannten „Kamikaze-Drohnen“, also mit Sprengstoff gefüllten, unbemannten Flugkörpern, bestanden nun in erheblichem Umfang aus anderen als den originalen Bauteilen – sie gelten damit als Modifikationen der ursprünglichen iranischen Shahed-136-Drohnen.

„Gamechanger“ Kamikaze-Drohne im Ukraine-Krieg: Günstig, wendig, tödlich

Die Experten des britischen Konfliktforschungsinstituts Conflict Armament Research (CAR) sehen darin eine neue Dimension des Krieges: dass sich die Russen unabhängig machen von Waffenkäufen aus dem Ausland und sich mit Nachschub aus eigenen Mitteln versorgen.

Seit rund einem Jahr setzen die Russen in dem inzwischen festgefahrenen militärischen Konflikt gegen die Ukraine auf Drohnen – sie galten seit Anbeginn an als „Gamechanger“: Die von Russland eingesetzten Drohnen sind rund drei mal drei Meter große unbemannte Flugobjekte, die bis zu 60 Kilo Sprengstoff bis zu 3.000 Kilometer weit tragen können. Sie fliegen ferngesteuert meist in Schwärmen ihr Ziel an, wobei sie von der Flugabwehr allein schon schwer geortet und aufgrund der Menge, der schlecht vorhersehbaren Flugbahn und der geringen Größe auch schlecht bekämpft werden können.

Nachgebaut: Russland modifiziert iranische Kamikaze-Drohnen mit internationalen Teilen. (Symbolbild)

Da sie zudem mit rund 20.000 US-Dollar relativ billig sind, kann ein einzelnes Flugabwehrgeschoss schon um einiges teurer sein. Die bisher im Ukraine-Krieg eingesetzten Drohnen hatte Russland aus dem Iran gekauft.

Viele Indizien für eine russische Do-It-Yourself-Drohne

Seit einigen Wochen kursieren nun Gerüchte, nach denen Russland mit Unterstützung des Iran nahe Moskau eine eigene Fabrik für Drohnen baut; amerikanische Sicherheits-Behörden stützen sich dabei auf Satelliten-Bilder. Die jetzt gefundenen Trümmern bestätigen diesen Verdacht, denn die CAR-Experten können einzelne nicht-iranischen Komponenten in verschiedene Ursprungsländer zurückverfolgen.

Die Teile stammen vermutlich aus sieben verschiedenen Ländern und von mehr als 20 unterschiedlichen Unternehmen, dabei solche mit Sitz in China, der Schweiz und den USA. Die Experten haben zudem herausgefunden, dass mindestens ein Dutzend Komponenten erst nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Anfang 2022 hergestellt worden sind.

Rubriklistenbild: © Sobhan Farajvan/imago

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