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Die Ukrainer erwarten verstärkte Angriffe auf ihre kritische Infrastruktur im Winter. Kiews Streitkräfte haben sich mit einem „Drohnenjäger“ aus den USA vorbereitet.
Kiew - Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Ukraine wiederholt gewarnt: Russland werde im Winter sehr wahrscheinlich wieder die kritische Infrastruktur angreifen, um der ukrainischen Zivilbevölkerung damit zuzusetzen, so seine These.
Russische Angriffe auf Infrastruktur: Ukrainer setzen jetzt auch unbemannte Drohnenjäger ein
„Wir müssen auf die Möglichkeit vorbereitet sein, dass der Feind die Zahl der Drohnen- und Raketenangriffe auf unsere Infrastruktur erhöht. Russland bereitet sich auf den Winter vor, und unsere ganze Aufmerksamkeit in der Ukraine sollte sich auf die Verteidigung und die Reaktion auf Terroristen konzentrieren“, erklärte Selenskyj Mitte November in einer Videoansprache: „Auf alles, was die Ukraine tun kann, um unserer Bevölkerung das Überstehen dieses Winters zu erleichtern“
Ein Rückblick: Im Winter 2021/22 versuchte die russische Armee von Kreml-Autokrat Wladimir Putin ihre Angriffe auf die zivile Infrastruktur vornehmlich mit im Iran produzierten Shaded-Drohnen. Die Ukrainer setzen mittlerweile schwere Maschinengewehre auf Pickups ein, um die Kamikaze-Drohnen mit Munitionssalven vom Himmel zu holen. Auch die 49 gelieferten deutschen Flugabwehrkanonenpanzer Gepard dienen diesem Zweck. Jetzt hat die ukrainische Armee aber eine innovative Neuheit vorgestellt: „Drohnenjäger“, die selbst Drohnen sind. Wie das geht?
Mit Quadrocopter-Drohnen, die in der Luft wie beim Fischen mit Fangnetzen auf die Jagd gehen. Auf ihrem Facebook-Account haben die ukrainischen Streitkräfte die „DroneHunter F700“ vorgestellt. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Fortem Technologies aus Utah (USA) hat diesen Drohnenjäger demnach speziell für den Ukraine-Krieg entwickelt.
Drohnenjäger der Ukraine: Gegen russische Angriffe mit Kamikazedrohnen
„Völlig autonom, radargesteuert und speziell für überlegene Geschwindigkeit und Agilität entwickelt, stoppt es böswillige Drohnen Tag und Nacht, ohne dass es zu kostspieligen Kollateralschäden kommt“, erklärte der amerikanische Drohnen-Entwickler laut ukrainischem Online-Portal Defense Express. Laut Fortem Technologies kann eine „DroneHunter F700“ durch die doppelte Feuerkapazität des Anti-UAV-Systems bis zu zwei feindliche Drohnen während desselben Fluges ausschalten. Ein Vorführ-Video der ukrainischen Armee zeigt: Die „Drohnenjäger“ können aus vollem Flug heraus zwei Netze auf ein Ziel schießen. Sie werden dabei von einem Drohnenpiloten am Boden gesteuert.
Das Netz hält die feindliche Kamikaze-Drohne gefangen, ohne dass sie beim Absturz explodiert. Und so trotzdem Schaden anrichtet. So zumindest die Theorie. Ein YouTube-Video des US-Unternehmens soll den „Fang“ einer Angriffsdrohne von der Größe einer Shaded zeigen.
Drohnenjäger der Ukraine: General Saluschnyj will mehr mit Fangnetzen ausgestattete Kampfdrohnen
„Drohnen müssen Teil unserer Antwort sein. Die Ukraine muss massive Angriffe mit Täuschungs- und Angriffsdrohnen durchführen, um die russischen Luftverteidigungssysteme zu überlasten. Wir müssen russische Drohnen jagen, indem wir unsere eigenen mit Fangnetzen ausgestatteten Kampfdrohnen einsetzen“, erklärte kürzlich General Walerij Saluschnyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, in einem Gastbeitrag für The Economist.
Wir müssen russische Drohnen jagen, indem wir unsere eigenen mit Fangnetzen ausgestatteten Kampfdrohnen einsetzen.
Militär-Analyst Stefan Gady riet nach einem Frontbesuch im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) ferner zur „Massenproduktion von elektronischen Kampfmitteln, vor allem von Störsendern und Angriffsdrohnen“. Eine solche Angriffsdrohne ist im übertragenen Sinn auch die „DroneHunter F700“ - sie attackiert andere unbemannte Luftfahrzeuge. Bei Tests seien nur 15 Prozent der Zieldrohnen dem ersten Schuss entkommen, schreibt Defense Express.
„DroneHunter F700“ der Ukraine: Operationen in bis zu 4000 Metern Höhe
Es gebe etliche Vorteile: Zurück am Stützpunkt könne die Batterie der Drohne in weniger als drei Minuten wieder aufgeladen werden, heißt es in dem Bericht. Die Zeit für Luftoperationen unter hohem Druck bewege sich immerhin zwischen 20 und 40 Minuten - bei einer Flughöhe von bis zu 4000 Metern. Der 16 Kilogramm schwere (und damit vergleichsweise robuste) Quadrocopter erreicht dabei angeblich eine Höchstgeschwindigkeit von bis 65 km/h.
Ein weiterer Vorteil: „Gefangen genommene“ Drohnen können zerlegt und untersucht werden, erklärt der Hersteller. Die Ukrainer sind verschiedenen Berichten zufolge derzeit unter Hochdruck bemüht, sich im Bereich der elektronischen und digitalen Kriegsführung zu verbessern, während das Regime von Moskau-Autokrat Wladimir Putin die russischen Soldaten teils mit Uralt-Panzern auf das Schlachtfeld schickt. (pm)
Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook/Streitkräfte der Ukraine

