Erdogan droht mit Invasion: Israel reagiert mit Nato-Forderung – jetzt mischt sich auch Russland ein
VonBabett Gumbrecht
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Erdogan bringt den Einsatz türkischer Kräfte in Israel ins Spiel. Israels Außenminister warnt und verweist auf Saddan Hussein.
Update vom 29. Juli, 16.20 Uhr: Nach der Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegenüber Israel, hat sich auch das türkische Außenministerium geäußert. Das Ministerium unterstellt Israels Ministerpräsident Netanjahu in einer Mitteilung in der Nacht auf Montag, für einen Völkermord verantwortlich zu sein.
Das türkische Ministerium zog laut dpa außerdem einen Vergleich zum Nationalsozialismus. „Das Ende des Völkermörders Netanjahu wird so sein, wie das Ende des Völkermörders Hitler. So wie die völkermordenden Nazis zur Rechenschaft gezogen wurden, werden auch diejenigen, die versuchen, die Palästinenser zu vernichten, zur Rechenschaft gezogen werden“, schrieb das Außenministerium.
Russland reagiert auf Katz‘ Vergleich zwischen Erdogan und Hussein
Update vom 29. Juli, 12.09 Uhr: Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa hat scharf auf Katz‘ Vergleich zwischen Erdogan und Saddam Hussein reagiert. Sacharowa unterstellte, die USA hätten einst aus „Scheingründen“ gemeinsam mit anderen Nato-Staaten den souveränen Staat Irak „überfallen“. Ob Israels Minister nun ausdrücken wolle, dass er „solche internationalen Vorgänge“ befürworte, fragte sie rhetorisch in einem längeren Eintrag auf Telegram. Im Jahr 2003 waren US-Truppen in den Irak einmarschiert. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein. Drei Jahre später wurde Hussein wegen Massakern an Kurden und Schiiten hingerichtet.
Israels Oppositionschef reagiert auf Erdogans Drohungen im Gaza-Krieg
Update vom 29. Juli, 9.40 Uhr: Auch der israelische Oppositionschef Yair Lapid reagierte auf die Worte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über eine militärische Intervention gegen Israel. „Präsident Erdogan schimpft und tobt wieder. Er ist eine Gefahr für den Nahen Osten“, schrieb Lapid im Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter).
Die Welt und insbesondere die NATO-Mitglieder müssten seine Drohungen „aufs Schärfste verurteilen und ihn dazu zwingen, seine Unterstützung für die Hamas einzustellen“, hieß es weiter von Lapid, der zudem ergänzte: „Wir akzeptieren keine Drohungen eines Möchtegern-Diktators.“
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Update vom 29. Juli, 9.20 Uhr: Nach der Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, militärisch in den Nahostkonflikt eingreifen zu können, gibt es erste Reaktionen. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders schrieb bei X (ehemals Twitter): „Der Islamfaschist Erdogan droht mit einer Invasion Israels. Der Typ ist völlig verrückt. Die Türkei sollte aus der NATO geworfen werden“.
Erstmeldung: Istanbul/ Tel Aviv– Die Beziehungen zwischen Istanbul und Tel Aviv haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Israel mit militärischer Intervention im Nahen Osten gedroht. „So wie wir in Berg-Karabach reingegangen sind, so wie wir in Libyen reingegangen sind, werden wir mit ihnen dasselbe tun“, äußerte Erdogan während einer Veranstaltung seiner Regierungspartei AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) in Rize am Schwarzen Meer, mit Blick auf Israel.
Erdogan bezog sich auf den Konflikt in Berg-Karabach, wo er die Konfliktpartei Aserbaidschan unter anderem mit Drohnen unterstützte. In Libyen unterstützt Ankara die international anerkannte Regierung mit militärischer Ausrüstung und Personal. Erdogan lobte die Fortschritte in der türkischen Verteidigungsindustrie und betonte: „Es gibt nichts, was wir nicht tun können. Wir müssen nur stark sein.“
Der israelische Außenminister Israel Katz reagierte prompt auf Erdogans Drohung. „Erdogan tritt in die Fußstapfen von Saddam Hussein und droht mit einem Angriff auf Israel. Er soll sich nur daran erinnern, was dort geschah und wie es endete“, schrieb Katz am späten Sonntagabend (28. Juli) auf der Plattform X und postete dazu Bilder von Erdogan und Hussein.
Im Jahr 2003 marschierten US-Truppen in den Irak ein. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein. Drei Jahre später wurde Hussein wegen Massakern an Kurden und Schiiten hingerichtet.
Erdogan hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach mit scharfen Worten gegen Israel gewandt, insbesondere in Bezug auf die Situation im südlichen Gazastreifen. Ende Mai forderte Erdogan die muslimischen Staaten zum gemeinsamen Handeln auf: „Worauf wartet ihr noch, um eine gemeinsame Entscheidung zu treffen? Gott wird euch und uns zur Rechenschaft ziehen“, sagte Erdogan in Ankara vor den Parlamentsabgeordneten seiner Partei AKP, an die „islamische Welt“ gerichtet.
Erdogan betonte weiterhin, dass Israel „nicht nur eine Bedrohung für Gaza (…), sondern für die gesamte Menschheit“ sei. Er fügte hinzu: „Kein Staat ist sicher, solange Israel sich nicht dem Völkerrecht unterwirft und sich nicht an das Völkerrecht gebunden fühlt. Und das betrifft auch die Türkei.“
Erdogan gegen weitere Nato-Kooperation mit Israel
Mit Blick auf die humanitäre Situation im Gazastreifen sprach Erdogan von einem „Völkermord“. Israel und seine Unterstützer hofften, „dass der Völkermord vergessen wird. Dieser Völkermord wird nicht vergessen.“ Erdogan behauptete, dass der „Geist der Vereinten Nationen“ im Gazastreifen gestorben sei und dass die UN „nicht einmal in der Lage, ihr eigenes Personal oder humanitäres Personal“ zu schützen seien.
Aus diesem Grund erklärte Erdogan Mitte Juli, dass die Türkei zukünftig die Zusammenarbeit zwischen der Nato und Israel nicht mehr unterstützen werde, bis in den palästinensischen Gebieten ein nachhaltiger Frieden erreicht sei.
Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen ist Erdogan einer der schärfsten Kritiker Israels. Er betrachtet die islamistische Palästinenserorganisation Hamas, deren beispielloser Angriff auf Israel am 7. Oktober den Krieg ausgelöst hatte, als eine „Befreiungsorganisation“ und verglich Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler. Im April begrüßte Erdogan den Chef der Hamas, Ismail Hanija, sogar in Istanbul. (bg/dpa)