Ökonomen skeptisch

Durchbruch bei neuer Renten-Idee? CDU und SPD nähern sich an

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Die Zukunft der Rente steht auf dem Prüfstand, doch die SPD-Idee spaltet die Meinungen in Politik und Wirtschaft. Kanzler Merz gefällt die Idee.

Berlin – In einer überraschenden Wendung zeigt sich die Union offen für einen Vorschlag der SPD zur grundlegenden Reform der Rente. Der Vorstoß, das Renteneintrittsalter an die Zahl der Beitragsjahre statt an ein festes Lebensalter zu koppeln, findet bei CDU und CSU Anklang, stößt jedoch bei Arbeitgebern und Ökonomen auf Kritik.

Die Renten-Debatte dürfte Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seiner schwarz-roten Koalition noch einiges an Arbeit abverlangen. (Archivfoto)

Kanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete den Renten-Vorschlag am Montagabend (8. Dezember) in der ARD-„Arena“ als „durchaus erwägenswert“. Er wolle aber der geplanten „Gesamtreform nicht vorgreifen“ und über einzelne Punkte diskutieren. CSU-Chef Markus Söder äußerte sich ebenfalls positiv und fand die Idee „sympathischer“ als eine strikte Kopplung der Rente an das Lebensalter. Die ungewohnt schnelle Annäherung innerhalb der schwarz-roten Koalition könnte den Weg für eine umfassende Rentenreform ebnen.

Kritik aus der Wirtschaft an Renten-Vorschlag: „Bleibt falsch“

Ursprünglich stammt der Renten-Vorschlag von Wirtschaftsprofessor Jens Südekum, der auch Finanzminister Lars Klingbeil berät. Die Idee wurde kurz darauf von SPD-Arbeitsminister Bärbel Bas aufgegriffen, die ihn als „grundsätzlich ganz gut“ bewertete. Der Vorschlag zielt darauf ab, das chronisch unterfinanzierte Rentensystem zu stabilisieren und flexibler zu gestalten. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann äußerte sich offen. Er betonte die Notwendigkeit, ohne Denkverbote an die Rentenreform heranzugehen.

Trotz bisheriger Einigkeit aus der Politik gibt es auch kritische Stimmen. So lehnt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) den Vorschlag entschieden ab. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter warnte gegenüber der dpa: „Der von Bas unterstützte Vorschlag eines einzelnen Beraters ist eine Neuauflage der Rente mit 63 unter einer neuen Überschrift. Dieses war falsch, bleibt falsch – und wird auch zukünftig unter einer neuen Überschrift falsch sein.“ Ähnlich äußerte man sich auch bei der Linken. Die vermeintliche Renten-Reform wäre „nichts anderes als eine massive Rentenkürzung durch die Hintertür“, so die Linken-Fraktionsvize Nicole Gohlke am Montag (8. Dezember).

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Auch Ökonomen sehen den Renten-Vorschlag kritisch. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), befürchtet negative Folgen. „Der Vorschlag wird die Altersarmut nicht reduzieren, sondern Ungleichheiten verstärken“, so Fratzscher im Gespräch mit der Rheinischen Post. Er warnt insbesondere vor Nachteilen für Frauen und Menschen mit ehrenamtlichem Engagement. Auch eine Ökonomin Silke Übelmesser von der Universität Jena äußerte sich gegenüber dem Münchner Merkur kritisch zu dem Vorschlag.

Rentenkommission soll noch vor Weihnachten eingesetzt werden – Söder warnt

Um die komplexen Fragen der Rentenreform anzugehen, soll noch vor Weihnachten eine neue Rentenkommission eingesetzt werden. Diese soll bis Mitte 2026 Vorschläge erarbeiten, die dann in ein Gesetzgebungsverfahren münden sollen. Die Kommission soll sich aus Wissenschaftlern, Politikern und explizit auch Vertretern der jungen Generation zusammensetzen.

Markus Söder (CSU) mahnte bereits zur Vorsicht bei der Ausweitung des Kreises der Einzahlenden. „Ich weise da darauf hin, dass wir sehr zurückhaltend sind, Beamte damit einzubeziehen, Selbstständige, Sozialabgaben zu verlangen auf Dividenden.“ Er warnte vor einer möglichen „Enteignung der Mittelschicht“. Man wolle „nicht, dass die Rentenkommission ein Instrument des Klassenkampfes wird“, so Bayerns Ministerpräsident.

Weiter rief Söder Bas dazu auf, bei der Rentenreform auch wieder auf die Arbeitgeber zuzugehen. Es sei „zwingend, dass sich das entkrampft und man miteinander arbeiten kann.“

Mammutaufgabe für Schwarz-Rot: Wohin geht es mit der Rente?

Die Debatte um die Rentenreform wirft wichtige Fragen auf und stellt die schwarz-rote Koalition vor eine Mammutaufgabe. Wie kann ein gerechtes und finanziell tragfähiges Rentensystem gestaltet werden? Welche Auswirkungen hätte eine Koppelung an die Renten-Beitragsjahre auf verschiedene Berufsgruppen und Lebensmodelle? Und wie lässt sich die Balance zwischen Generationengerechtigkeit und sozialer Sicherheit wahren?

Die Arbeit der Rentenkommission und die anschließenden politischen Verhandlungen werden entscheidend dafür sein, wie die Altersvorsorge in Deutschland künftig gestaltet wird. Kanzler Merz sagte am Montag, die Koalition wolle „eine Reform aus einem Guss machen“. Wie das klappt, dürften die kommenden Monate zeigen. (Quellen: dpa, Rheinische Post, Spiegel, ARD) (nak)

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