Rente an Beitragsjahre koppeln: Welche drei Gruppen bei der Regelung in die Röhre schauen
VonAlina Schröder
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Robin Dittrich
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Das Rentenpaket der Merz-Regierung ist beschlossene Sache, schon branden weitere Ideen auf. Dem Alter als entscheidenden Faktor soll es an den Kragen gehen.
Frankfurt – Wirtschaftsfachleute, Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien laufen Sturm gegen den Vorschlag, das Renteneintrittsalter an die Beitragsjahre statt an ein festes Alter zu koppeln. Die Idee des Wirtschaftsprofessors Jens Südekum stößt trotz politischer Unterstützung aus der SPD auf massive Kritik – und das quer durch alle Lager.
Das Rentenpaket der Merz-Regierung ist beschlossene Sache, schon branden weitere Ideen auf. Dem Alter als entscheidenden Faktor soll es an den Kragen gehen. (Symbolbild)
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), warnte in der Rheinischen Post vor negativen Folgen: „Der Vorschlag wird die Altersarmut nicht reduzieren, sondern Ungleichheiten verstärken.“
Drei Gruppen schauen bei der Renten-Regelung in die Röhre
Vor allem drei Gruppen würden benachteiligt, so die Befürchtung von Fratzscher. Besonders hart dürfte es Frauen treffen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während Männer laut der deutschen Rentenversicherung im Schnitt auf 40,9 Versicherungsjahre kommen, sind es bei Frauen oft nur 30 (Stand: 2024). Sie arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Berufstätigkeit für Kinderbetreuung oder pflegen Angehörige. Das Ergebnis: weniger Beitragsjahre, später in Rente.
Auch Hochschulabsolventinnen und -absolventen schauen bei dem Vorschlag in die Röhre. Wer studiert, steigt später ins Berufsleben ein – oft erst ab Mitte 20. Bei einer Kopplung an Beitragsjahre müssten sie entsprechend länger arbeiten als jemand, der mit 16 eine Ausbildung beginnt.
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Die dritte benachteiligte Gruppe: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren oder unbezahlte Familienarbeit leisten. Ob Vereinsvorstand, Feuerwehrmann oder pflegende Angehörige – diese gesellschaftlich wertvollen Tätigkeiten bringen keine Rentenpunkte. Denn oft reduzieren diese Menschen ihre Arbeitszeit für ihr Engagement – und hätten bei der neuen Regelung das Nachsehen.
Die geplante Rentenkommission soll Vorschläge bis zum Sommer machen
Angesichts dieser Benachteiligungen bei der Rente wird scharfe Kritik laut. Insbesondere aus den Reihen der Linken kommt Widerstand. Die Linke-Fraktionsvize Nicole Gohlke bezeichnet den Vorschlag als „vergiftetes Angebot“. Trotz allem findet der Vorschlag aber auch politische Unterstützung. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) signalisierte ihre Zustimmung: „Ich finde die Idee grundsätzlich ganz gut.“
Auch SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigt sich offen für diese Alternative. „Ich finde erst mal, dass es eine Idee ist, die deutlich besser geeignet ist, darüber zu diskutieren als eine schnöde Anhebung des Renteneintrittsalters“, erklärte er im „Frühstart“ von RTL/ntv. Selbst aus der Union kommt verhaltene Zustimmung. CSU-Chef Markus Söder, der nach einer Vorstandssitzung seiner Partei in München Stellung bezog, findet diesen Ansatz „sympathischer“ als die reine Altersanbindung, sieht jedoch noch Klärungsbedarf bei Details wie der Berücksichtigung von Teilzeitarbeit.
Die für Dezember geplante Rentenkommission soll bis zum Sommer konkrete Vorschläge zur langfristigen Sicherung der Alterseinkommen vorlegen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann fordert in den Zeitungen der Funke Mediengruppe einen offenen Diskussionsprozess: „Die Rentenkommission muss jetzt ohne Denkverbote und Vorfestlegungen arbeiten, ansonsten macht es keinen Sinn, sie einzurichten.“ Ausdrücklich schloss er den umstrittenen Vorschlag zur Kopplung des Renteneintrittsalters an die Beitragsjahre in die zu prüfenden Optionen ein. Auch ein anderer Renten-Vorschlag wird aktuell diskutiert. (Quelle: dpa, Rheinische Post, Deutsche Rentenversicherung, rtl/ntv Frühstart) (rd)