Besuch im Weißen Haus

Eklat-Diplomatie nach Trump-Art: Merz erwartet schwieriger Spagat im Oval Office

  • schließen

Trump konfrontiert Ramaphosa mit schweren Vorwürfen. Doch der bleibt ruhig und sachlich. Kann Bundeskanzler Merz von dieser Strategie lernen?

Washington, DC – Donald Trump war in Fahrt. Eins ums andere Mal nahm er seinen Gast in die Mangel und sprach von einem vermeintlichen „Völkermord“ an Weißen. Etwa 30 Jahre nach dem Ende der Apartheid forderte Trump vom südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa Erklärungen zum Schicksal der weißen Farmer in Südafrika. Der US-Präsident behauptete, die Menschen würden in ihrer Heimat „hingerichtet“ und ihr Land werde beschlagnahmt.

Trump ließ das Licht dimmen und präsentierte einen Film, der unter anderem weiße Kreuze zeigte, die laut Trump die Gräber von weißen Südafrikanern markierten. Er legte Ramaphosa auch Zeitungsartikel vor, die nach seinen Worten von „Tod, Tod, Tod“ handelten. „Menschen fliehen aus Südafrika um ihrer eigenen Sicherheit willen“, erklärte Trump. „Deren Land wird beschlagnahmt, und in vielen Fällen werden sie getötet.“

Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

Donald Trump als Moderator von The Apprentice, einer Reality-TV-Serie in den USA
Seit über 40 Jahren ist Provokation seine Spezialität: Donald Trump erregte die Gemüter, lange bevor er sich entschied, eine politische Karriere anzustreben. Ob als eiskalter Immobilienmakler in seiner Heimatstadt New York City oder wie hier als skrupelloser Chef in seiner eigenen Reality-TV-Serie „The Apprentice“ - Trump sorgte immer für Schlagzeilen. Ein Blick zurück erinnert an die größten Momente, die schließlich im Wahlsieg 2016 und dem Einzug ins Weiße Haus mündeten. © Imago
Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Donald Trump, reicher Erbe, Liebling der Klatschspalten und ab 1986 auch noch als Retter der New Yorker Eislaufbahn bekannt geworden, heiratete 1977 Ivana Trump. Das ehemalige Model schenkte Donald seine ersten drei Kinder: Donald Jr., Ivanka und Eric. Doch die Ehe sollte das glamouröse Leben der Trumps nicht überstehen und im Jahr 1990 ein Ende in Scheidung finden. © imago stock&people
Donald Trump und Marla Maples bei ihrer Hochzeit im Dezember 1993
Donald Trump ehelichte daraufhin die Frau, mit der er laut der Regenbogenpresse ohnehin schon seit längerem eine Affäre hatte: Marla Maples. Die damals 30 Jahre alte Schauspielerin gab Trump am 20. Dezember 1993 in New York das Ja-Wort. Kurz zuvor war Tiffany Trump, die gemeinsame Tochter der beiden, zur Welt gekommen. Die Ehe hielt respektable sechs Jahre. Marla Maples hätte über diese Zeit gerne ein Buch geschrieben. Das aber verhinderten laut Vanity Fair die Anwälte ihrer Stiefkinder Ivanka Trump und Donald Junior. © imago
Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
Es folgte Ehe Nummer Drei für Donald Trump, diesmal mit Melania Knauss. Das Topmodel aus Slowenien wurde als Kampagnengesicht der Zigarettenmarke Camel 1998 in den USA berühmt. Ihren späteren Ehemann lernte Melania im selben Jahr kennen. Im Jahr 2002 heiratete sie den 24 Jahre älteren Donald Trump. 2006 kam der gemeinsame Sohn des Glamour-Paares auf die Welt: Barron Trump. © Imago
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab und erklärte seine Kandidatur für die US-Wahl 2016. Kaum jemand nahm die politischen Ambitionen des Fernsehstars zu diesem Zeitpunkt ernst. © Andrea Hanks/imago
Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush
In den Vorwahlen der Republikaner trat Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush (im Bild) an. Bei den TV-Debatten der Kandidaten machte er erstmals auf sich aufmerksam – indem er die alteingesessenen Politiker derbe attackierte. Trump sicherte sich so die Nominierung der Partei für die US-Wahl 2016. © imago
Donald Trump und Hillary Clinton beim Wahlkampf 2016
Dort traf Donald Trump auf Hillary Clinton. Die Kandidatin der Demokraten galt als Favoritin - vor allem, nachdem ein Tonband aufgetaucht war, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft sexuell belästigen zu können. Doch es geschah, was kaum jemand für möglich hielt: Trump setzte sich durch und wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. © imago
Barack Obama empfängt nach dessen Amtseinführung seinen Nachfolger Donald Trump im Weißen Haus in Washington DC, USA
Barack Obama hatte sich bei der Wahl für Hillary Clinton, seine langjährige Außenministerin, eingesetzt und vor Trump gewarnt. Genutzt hatte es nichts. Wie üblich besuchte Obama zunächst die feierliche Amtseinführung und empfing anschließend seinen Nachfolger im Weißen Haus – eine Ehre, die Trump vier Jahre später Joe Biden verweigern sollte. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron schütteln Hände
Kaum in Amt und Würden, schlidderte Donald Trump von einer Peinlichkeit zum nächsten Affront. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron lieferte sich Trump auf Staatsbesuch in Frankreich einen Wettbewerb im Händedrücken, den am Ende Macron gewann. Das zumindest ließen die deutlichen Spuren vermuten, die die Finger des Franzosen auf der Hand des US-Präsidenten hinterlassen hatten. © Peter Dejone/dpa
US-Präsident Donald Trump auf Staatsbesuch in Schanghai, China.
Doch Donald Trump polarisiert nicht nur mit seinen Taten, auch Spekulationen rund um sein Aussehen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Warum ist seine Haut orange, was schmiert er sich ins Gesicht, kann sich ein Milliardär kein besseres Toupet leisten? Das verweigert nämlich regelmäßig, ordentlich auf dem Kopf liegen zu blieben – wie hier zum Beispiel auf dem Flughafen in Schanghai zu sehen. © Jim Watson/imago
Angela Merkel, Emannuel Macron, Shinzo Abe und Donald Trump auf dem G7-Gipfel in Kanada
Vor allem die Verbündeten brachte Donald Trump mit seinem Wankelmut auf die Palme. Die schwierige Beziehung zwischen den USA unter seiner Regentschaft und dem Rest der westlichen Welt wird durch dieses Foto zusammengefasst, das auf dem G7-Gipfel in Kanada im Jahr 2018 entstand. Angela Merkel, damals noch Bundeskanzlerin, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Japans Premierminister Shinzo Abe reden auf Trump ein. Der sitzt da, mit trotzigem Gesichtsausdruck und verschränkten Armen. Vor allem Merkel ist die Frustration über einen derartigen Verhandlungspartner deutlich anzusehen. © Jesco Denzel/dpa
US-Präsident Donald Trump und Erotikdarstellerin Stormy Daniels
Wer glaubte, dass Donald Trump als Präsident zumindest nur noch politische Skandale produziert, wurde bald eines Besseren belehrt. Erotikdarstellerin Stormy Daniels machte ihre Affäre mit dem US-Präsidenten öffentlich. Beide trafen sich, während Trump schon mit Melania verheiratet war. Pikant: Melania war wohl damals gerade mit dem gemeinsamen Kind schwanger. Trump befahl seinem damaligen Anwalt Michael Cohen, Stormy Daniels Schweigegeld zu zahlen, damit alles geheim bleibe. Doch weil das Geld angeblich nie bei ihr ankam, schrieb Daniels ein Buch. Nun wissen wir alle, ob wir wollen oder nicht, wie Trumps Penis aussieht. © Mandel Ngan/afp
Donald Trumps legendärer Tweet mit Covfefe in einer Kunstausstellung in New York
Doch weder mit Bettgeschichten noch mit politischen Skandalen erzeugte Donald Trump derart viel Aufmerksamkeit wie mit seinem Twitter-Kanal. Als @realdonaldtrump twitterte Donald, bis sich die Balken bogen: mitten in der Nacht, voll Rechtschreibfehler und am liebsten in Großbuchstaben. Legendär ist sein „Covfefe“-Tweet vom 31. Mai 2017 (im Bild). Zeitweise folgten ihm fast 89 Millionen Accounts. Doch im Januar 2021 war auf einmal Schluss. Im Zuge der Attacke auf das Kapitol sperrte Twitter den Account des damals noch amtierenden US-Präsidenten. Grund: Er habe den Mob zur Gewalt ermutigt. © Christina Horsten/dpa
Neonazis marschieren durch Charlottesville (USA)
In welche Richtung Donald Trump innenpolitisch steuerte, wurde spätestens 2017 klar. Eine Horde Neonazis marschierte damals mit Fackeln durch die Stadt Charlottesville. Uniformierte Männer brüllten im Chor: „Juden werden uns nicht ersetzen.“ Ein Mann raste mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten, eine 30 Jahre alte Frau starb infolgedessen. Die ganzen USA waren schockiert. Doch das Staatsoberhaupt weigerte sich, den Neonazi-Aufmarsch zu verurteilen. Stattdessen sprach Donald Trump von „sehr guten Leuten auf beiden Seiten“. © Zach D Roberts/imago
Donald Trump besucht Puerto Rico
Als der Hurrikan „Florence“ im September 2018 die Insel Puerto Rico verwüstete, interessierte das Donald Trump zunächst wenig. Nach politischem Druck schickte er jedoch Hilfe und reiste sogar selbst auf die Insel, die zu den USA gehört, aber kein offizieller Bundesstaat ist. Dort angekommen bewarf Trump die Menschen mit Klopapierrollen. Die Tragweite der Katastrophe schien ihm zu keinem Zeitpunkt bewusst. Star-Koch José Andrés, selbst aus Puerto Rico und bei besagter Situation anwesend, sagte einige Zeit später zur Washington Post: „Es war ein Beweis für seine Unfähigkeit zur Empathie.“ © Evan Vucci/dpa
Donald Trump und das Sharpie Gate
Was nicht passt, wird manipuliert. Kein Moment charakterisiert dieses Credo von Donald Trump so eindrücklich wie das „Sharpie-Gate“. Als der Hurrikan Dorian die USA bedrohte, twitterte Trump, man müsse sich in den Bundesstaaten Florida, Georgia und Alabama in Acht nehmen. Das Problem: laut der offiziellen Karte des nationalen Wetterdienstes war Alabama nicht betroffen. Statt zuzugeben, dass er sich geirrt hatte, schmierte Trump mit einem Sharpie-Filzstift (das amerikanische Pendant zum Edding) einfach auf der Karte rum, erweiterte so das Gefahrengebiet und schwupps: schon war auch Alabama betroffen - zumindest in der Welt von Donald Trump, in der Fakten beliebig austauschbar sind. © JIM WATSON/afp
Trump-Anhänger stürmern das Kapitol in Washington DC
Wie sie begann, so endete Donald Trumps Zeit als Präsident: mit einem Skandal. Wochenlang schürte Trump mit seinen Behauptungen vom Wahlbetrug („The Big Lie“) die Aggressionen seiner Anhänger. Am 6. Januar 2021, der Tag, an dem Joe Biden offiziell zum Präsidenten ernannt werden sollte, entlud sich die Wut. Nachdem Trump seine Anhänger aufforderte, zum Kapitol zu marschieren, eskaliert dort die Situation. Der Mob überwindet die Absperrungen der völlig überforderten und unterbesetzten Polizei und dringt in das Parlamentsgebäude ein. Fünf Menschen sterben infolge des Aufruhrs. Für Donald Trump ändert das kaum etwas. Bis heute hat er seine Niederlage öffentlich nicht eingestanden. © Lev Radin/imago
2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) ein Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann.
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl nicht 2020 eingestanden. Skandale produzierte er aber auch nach seiner Amtszeit weiter. So im Jahr 2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) einen Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann. Ein New Yorker Gericht sprach Caroll Schadensersatz in Höhe von 84 Millionen Dollar zu.  © IMAGO/Mary Crane
Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba
Noch heftiger fiel das Urteil in einem anderen Prozess gegen Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba aus. Ebenfalls in New York wurde der Ex-Präsident wegen Verschleierung von Schweigegeldzahlungen an die Erotikdarstellerin Stormy Daniels schuldig gesprochen - in insgesamt 34 Fällen.  © imago
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl 2020 nicht eingestanden.
Trotz aller Skandale tritt Donald Trump auch 2024 erneut zur US-Wahl an. Seine Kandidatur verkündete er in seinem neuen Wohnsitz, dem Luxus-Ressort Mar-a-Lago. © IMAGO/C-Span
Donald Trump und Kamala Harris
Nach dem Rückzug der Kandidatur Joe Bidens hatte Donald Trump im Wahlkampf für die US-Wahl 2024 eine neue Gegnerin: Vizepräsidentin Kamala Harris. Im ersten und einzigen TV-Duell produzierte Trump dann auch den nächsten Eklat. „Sie essen Katzen und Hunde“, sagte der Kandidat der Republikaner über Einwanderer aus Haiti, die sich im Bundesstaat Ohio angeblich über Haustiere der US-Bürgerinnen und Bürger hermachen würden. © SAUL LOEB/AFP
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024 und zog mit seinem neuen Vizepräsident JD Vance ins Weiße Haus ein. Am Tag der Amtseinführung unterzeichnete Trump in der Mehrzweckhalle Capital One Arena in Washington DC unter dem Applaus seiner Anhängerschaft dutzende präsidentielle Dekrete. © JIM WATSON/AFP
Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
Kaum angekommen im Oval Office sorgte Donald Trump für den nächsten Eklat. Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um. Weil die Nachrichtenagentur AP diese Umbenennung nicht mitmachen wollte, verbannte die Trump-Administration ihre Vertreterinnen und Vertreter von den Pressekonferenzen des Weißen Hauses. © imago
Donald Trump beim Interview im Oval Office
Ebenfalls im Oval Office kam es zu einem weiteren Eklat, an dem Donald Trump maßgeblich beteiligt war. Während eines Fernsehinterviews behauptete der US-Präsident, man habe die Tättowierung „MS13“ auf den Knöcheln eines abgeschobenen Südamerikaners gefunden, was wiederum dessen Mitgliedschaft in der gleichnamigen Kriminellen-Gang beweisen würde. Mehrfach wies der Reporter Trump daraufhin, dass es sich bei seinem angeblichen Beweisfoto um eine mit Photoshop bearbeitete Aufnahme handle. Trump wiederum ließ sich davon aber nicht stören. © IMAGO/White House
Trump auf der Beerdigung des Papstes in Rom
Doch nicht nur in Washington DC sorgte Donald Trump nach Amtsübernahme für Eklats und Kopfschütteln. Das gelang dem neuen Präsidenten auch in Rom. Bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan brach Trump mit seiner Anzugfarbe das Protokoll. Statt in Schwarz erschien der US-Präsident in Begleitung von First Lady Melania Trump in blauem Anzug. © ISABELLA BONOTTO/AFP

Trump provoziert Eklat im Weißen Haus – doch Ramaphosa vermeidet Selenskyj-Falle

Der Vorfall erinnerte an den Empfang von Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus Ende Februar. Damals eskalierte das Treffen, als Trump und sein Vizepräsident JD Vance dem ukrainischen Präsidenten mangelnden Respekt und fehlende Dankbarkeit vorwarfen, was schließlich zum Rauswurf Selenskyjs führte.

Ramaphosa jedoch vermied die Fehler Selenskyjs. „Lassen Sie mich das richtig stellen“, unterbrach er Trump immer wieder ruhig und sachlich. Er bewahrte seine Fassung und schlug vor, „in aller Ruhe darüber zu reden“. Südafrika habe von Nelson Mandela gelernt, „dass sich Menschen immer dann, wenn es Probleme gibt, an einen Tisch setzen und darüber sprechen müssen“, betonte er.

Vorwurf des Genozids an Weißen in Südafrika

Donald Trumps Anschuldigungen stützen sich auf einen Verschwörungsmythos, der in rechtsextremen Kreisen der USA weit verbreitet ist: den sogenannten „weiße Genozid“. In Südafrika herrscht tatsächlich eine erschreckend hohe Gewaltkriminalität. Eine Datenerhebung aus dem Jahr 2023 zeigt, dass die Mordrate bei 45 pro 100.000 Einwohner liegt. Hinweise darauf, dass diese Morde rassistisch motiviert sind, fehlen jedoch. Ramaphosa gestand während seines Treffens mit Trump die hohe Kriminalitätsrate ein, betonte jedoch, dass die Mehrheit der Opfer Schwarze seien.

Trump will Ramaphosa im Weißen Haus in die Enge treiben – südafrikanischer Präsident reagiert gelassen

Ramaphosa war gut vorbereitet. Er bedankte sich bei Trump für die Lieferung von Beatmungsgeräten während der Corona-Pandemie, überreichte ihm ein schweres Buch mit Bildern südafrikanischer Golfplätze und brachte die Golfprofis Ernie Els und Retief Goosen mit ins Weiße Haus. Auch der Milliardär Johann Rupert, ebenfalls ein Weißer, war dabei. Ramaphosa argumentierte, dass, wenn es einen Völkermord gäbe, „wären diese drei Herren sicher nicht hier“.

Ernie Els unterstützte Ramaphosa entscheidend. Als der Golfprofi sprach, entspannte sich Trumps Miene. Els freute sich über das Treffen mit Trump und baute Ramaphosa eine Brücke. Südafrika benötige die Unterstützung der US-Politik, um die Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die Kriminalität zu bekämpfen, die sowohl Weiße als auch noch mehr Schwarze das Leben koste. Trump, der selbst viel Zeit auf Golfplätzen verbringt, war beeindruckt: „Nun, das haben Sie wirklich gut gemacht.“

Die südafrikanische Delegation hatte sich offensichtlich gründlich auf das Treffen vorbereitet. Es ist möglich, dass Ramaphosa und seine Begleiter das Szenario im Vorfeld geprobt hatten. Nach dem Eklat beim Selenskyj-Besuch war den Gästen des Weißen Hauses klar, was sie im Oval Office erwarten könnte.

Diplomatie nach Trump-Art: Merz erwartet Spagat im Oval Office

Für Ramaphosa und seine Delegation funktionierte die Strategie. Ob dies auch den zukünftigen Gästen Trumps gelingen wird, bleibt abzuwarten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird bald zu einem Antrittsbesuch in die USA reisen. Bisher gab es nur telefonischen Kontakt zwischen Merz und Trump.

Merz glaubt, den ersten Trump-Test bestanden zu haben. Nach seinem ersten Telefonat mit Trump am 8. Mai erklärte er, es bestehe Einigkeit, „die Handelsstreitigkeiten rasch beilegen zu wollen“ und einen dauerhaften Frieden in der Ukraine anzustreben. Ob Trump diese Einschätzung teilt, ist unklar, da das Weiße Haus sich nicht dazu äußerte.

Friedrich Merz will beim noch nicht terminierten Besuch im Weißen Haus selbstbewusst auftreten.

Merz besteht wohl seinen ersten Trump-Test: Kanzler sieht Weg mit US-Präsident geebnet

Jackson Janes vom German Marshall Fund zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP optimistisch, dass Merz die Möglichkeit habe, „das wichtige Verhältnis neu auszuformen und zu definieren“. Der Kanzler habe „eine ganze Menge Business-Erfahrung“, unter anderem durch seine frühere Tätigkeit bei der US-Investmentgesellschaft Blackrock. Zudem könne er auf gemeinsame politische Ziele mit Trump verweisen, etwa bei der Grenzkontrolle und der Einwanderung.

In Deutschland wird Merz oft mangelnde Regierungserfahrung vorgeworfen. Janes sieht darin jedoch einen Vorteil, da Merz „unbelastet durch eine politische Vergangenheit“ sei. Dies könnte Trump gefallen, der sich selbst als nicht Teil des politischen „Sumpfes in Washington“ betrachtet.

Wird Friedrich Merz seinen ersten Besuch bei Donald Trump vorher proben?

Wie Merz sei Trump „kein großer Fan von Angela Merkel“, so Janes weiter. Daher sei es glaubwürdig, wenn Merz sage, er komme „mit einem neuen Besen“, um die transatlantischen Beziehungen zu verbessern – soweit dies in einer deutschen Koalitionsregierung möglich sei.

Rachel Tausendfreund von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sieht jedoch Unsicherheiten bei Merz: „Ich bin nicht so sicher, ob Merz willens ist, Trump zu schmeicheln und seine Spielchen zu spielen“, sagte sie der AFP.

Letztlich wird erst das erste Treffen im Weißen Haus zeigen, wie Trump mit Merz umgehen wird. Der Auftritt der südafrikanischen Delegation um Cyril Ramaphosa könnte als Beispiel dienen, damit Merz im Oval Office nicht in die Selenskyj-Falle tappt (cs mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Kommentare