VonJakob Kochschließen
Zuvor war eine Annäherung des neuen Bundeskanzlers an US-Präsident Trump erkennbar. Nach dem Gespräch zwischen Putin und Trump macht Friedrich Merz seinen Standpunkt klar.
Update vom 22. Mai, 9.40 Uhr: Die Bild-Zeitung liefert nun weitere Details aus dem Telefonat von Trump mit den europäischen Staats- und Regierungschefs – basierend auf Aussagen von Teilnehmern. Demnach habe Trump sinngemäß erklärt, Russland und die Ukraine müssten direkt miteinander verhandeln, und die USA seien „raus“. Als diese Worte fielen, „hielten alle den Atem an“. Offenbar traute sich niemand, nachzufragen, was Trump genau damit meinte, aus Sorge, er könnte ankündigen, die USA würden ihre Unterstützung für die Ukraine vollständig einstellen.
Bundeskanzler Friedrich Merz soll in dem Gespräch vorgeschlagen haben, ein „technical meeting“ abzuhalten – ein Treffen auf Unterhändler-Ebene, um die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine vorzubereiten. Berichten zufolge stimmte Trump diesem Vorschlag zu, was die europäischen Teilnehmer des Gesprächs etwas beruhigt haben soll.
Ende des Ukraine-Kriegs: Merz weicht nach Telefonat von Trump ab – Spott für Deutschland
Update 21.55 Uhr: Mittlerweile werden die diplomatischen Bemühungen von Kanzler Friedrich Merz im Ukraine-Krieg in Teilen der Opposition als gescheitert angesehen: „Merz wird im Kreml auf Monate niemand ernst nehmen“ – Deutschland erntet Spott für seine Rolle im Ukraine-Krieg.
Update vom 20. Mai, 9.40 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz und die europäischen Partner gehen nach dem Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin den Weg der Sanktionen. Das kündigte der CDU-Chef in einem Beitrag auf X an. Unterstützung für seine Position erhält der Kanzler dabei auch von den Grünen. Man sehe jetzt „in aller Deutlichkeit“, dass Putin kein Interesse an Frieden habe, sagte der Osteuropa-Beauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion, Robin Wagener, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Der Grünen-Politiker forderte im Nachgang des Telefonats auch neue militärische Unterstützung für die Ukraine, darunter auch Lieferungen von Taurus-Marschflugkörpern. Merz hatte zuletzt betont, man wolle die Debatte über die Lieferung einzelner Waffensystem aus der Öffentlichkeit heraushalten.
Nach Telefonat zwischen Trump und Putin: Merz will durch Sanktionen Druck auf Russland erhöhen
Erstmeldung vom 19. Mai: Washington/Berlin – Nach dem viel beachteten Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigen sich deutliche Unterschiede in der Herangehensweise zwischen Washington und Berlin. Während Trump auf Verhandlungen zu Ende des Ukraine-Kriegs und wirtschaftliche Anreize setzt, betont die Merz-geführte Bundesregierung die Notwendigkeit weiterer Sanktionen gegen Russland. Kriselt es vor dem baldigen Merz-Besuch bei Trump schon?
Ukraine-Krieg: Nach Trump-Putin-Telefonat kündigt Merz „Druck durch Sanktionen an“
Das zweistündige Telefonat zwischen Trump und Putin am Montag war bereits das dritte Gespräch der beiden Staatschefs seit Trumps Amtsantritt im Januar. Nach dem Gespräch informierte der US-Präsident die europäischen Partner, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, über die Ergebnisse. Laut einer Mitteilung des Sprechers der Bundesregierung haben sich die Teilnehmer „über die nächsten Schritte verständigt“ und wollen den Verhandlungsprozess eng koordinieren.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern




Doch während Trump in seinem Gespräch mit Putin vor allem die wirtschaftlichen Möglichkeiten betonte, die sich nach einem Kriegsende bieten würden, kündigten die europäischen Partner an, „den Druck auf die russische Seite durch Sanktionen zu erhöhen.“ Das verkündete Merz ebenfalls auf seinem X-Account.
Europa und Amerika sind hier sehr geschlossen: Wir werden die Ukraine auf dem Weg hin zu einem Waffenstillstand eng begleiten. Europa wird den Druck auf Moskau durch Sanktionen erhöhen. Darauf haben wir uns mit @POTUS nach seinem Gespräch mit Putin verständigt.
— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) May 19, 2025
Merz hatte sich in seinen ersten Tagen als Bundeskanzler dem US-Präsidenten angenähert. Ein erstes Merz-Trump-Telefonat zu Ukraine und Zöllen verlief konstruktiv. Bei einem Wirtschaftsgipfel in Berlin verriet Merz kürzlich, dass er Trump nach Kallstadt, dem Heimatort von dessen Großvater, eingeladen habe: „Ich habe ihn eingeladen, nach Deutschland zu kommen, uns zu besuchen in seiner Heimatstadt Bad Dürkheim. Und ich werde mit ihm zusammen da hinfahren.“ Ob Trump diese Einladung annimmt, ist unklar – doch im Kanzleramt wird Trumps Bekenntnis zu seinen deutschen Wurzeln als Chance für einen besseren Ton gewertet. Doch nun könnte die Sanktions-Keule aus Europa das Verhältnis belasten.
Im Gegensatz zu Merz: Trump sieht Russland als wichtigen Handelspartner
Nach Angaben eines Kreml-Insiders favorisiert Trump ein Abkommen mit Russland statt der von Merz geforderten neuen Sanktionen. Zwar würden im US-Kongress neue Maßnahmen gegen Russland vorbereitet, aber Trump wolle lieber einen Dialog mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, sagte die russische Quelle der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Der US-Präsident habe im Telefonat betont, dass er Russland als „einen der wichtigsten Handels- und Wirtschaftspartner“ der USA sehe.
Beide Staatschefs hätten sich zu einem persönlichen Treffen bereit erklärt, ein Ort dafür sei jedoch noch nicht festgelegt. Putin zeigte sich nach dem Gespräch zufrieden und bezeichnete es als „sehr nützlich und gehaltvoll“.
Frieden im Ukraine-Krieg: Vatikan als möglicher Verhandlungsort
Trump stellte in Aussicht, dass Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine im Vatikan stattfinden könnten. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb er, dass die Gespräche „unverzüglich aufgenommen“ werden sollten und der Papst den Vatikan als Verhandlungsort angeboten habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der ebenfalls von Trump über das Telefonat informiert wurde, befürwortet Verhandlungen, besteht aber auf Sicherheitsgarantien für sein Land.
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