Klimawandel

Energiekrise: Putin beschleunigt den Windkraft-Ausbau – aber reicht das?

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Mehr Tempo dank Putin: Die Energiekrise beschleunigt den Ausbau der Erneuerbaren – weltweit. Doch reicht das? In Deutschland wäre bei der Windkraft mehr drin.

Berlin – Ob Öl, Gas oder Kohle – die fossilen Energieträger verlieren kräftig an Bedeutung. Erstmals seit Beginn des industriellen Zeitalters scheint eine Stagnation und ein Rückgang beim Verbrauch in Sicht. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor, der am Donnerstag (27. Oktober 2022) veröffentlicht worden ist. Treiber dieser Entwicklung ist dabei vor allem einer: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Durch die von ihm entfachte Energiekrise 2022 streben nun sämtliche Staaten weltweit auf Unabhängigkeit von einzelnen Exportländern und suchen ihre Zukunft im Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Tempo, Tempo, Tempo: Die Energiekrise befeuert den Ausbau der Windkraft in Deutschland.

„Die russische Invasion der Ukraine verändert die Energiemärkte nicht nur vorübergehend, sondern für Dekaden“, sagte IEA-Chef Fatih Birol laut der Welt. „Die politischen Entscheidungen, die wir weltweit registrieren, sprechen für eine dramatische Transformation der Energiewelt direkt vor unseren Augen.“

Energiekrise: Russland beschleunigt mit dem Ukraine-Krieg den Ausbau der Erneuerbaren Energien

Für den „World Energy Outlook“ hat die Internationale Energieagentur weltweit die offiziellen Regierungsbeschlüsse zum Energiewandel untersucht. Laut der Analyse sinkt im globalen Energiemix der Anteil fossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2050 von 80 Prozent auf 60 Prozent. Auch der weltweite CO2-Ausstoß werde zurückgehen, hieß es. Zwar verlieren fossile Energieträger wie Öl, Gas oder Kohle nicht komplett an Bedeutung. Angetrieben von Russlands provozierter Energiekrise wird aber dennoch die Kehrtwende eingeleitet. Denn seit dem 18. Jahrhundert war der Verbrauch der fossilen Brennstoffe bislang immer gestiegen.

Laut dem von der IEA gezeichneten Szenario wird mit einem Rückgang der Kohlenutzung in den nächsten Jahren gerechnet, die Erdgasnachfrage erreicht bis zum Ende des Jahrzehnts ein Plateau. Die Erdölnachfrage flacht bis Mitte der 2030er Jahre ab und geht dann bis Mitte des Jahrhunderts leicht zurück – auch dank des Vormarsches der Elektroautos.

Energiekrise 2022: In Deutschland treibt die Ampel-Koalition das Tempo beim Ausbau der Windenergie voran

Die Entwicklung deckt sich weitgehend mit den Zielen der Bundesregierung. In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) einen Ausbaupfad für die Erneuerbare Energie beschrieben. In einem Osterpaket hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bereits die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung vorgelegt.

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Jedoch torpediert der Ukraine-Krieg und die damit losgetretene Energiekrise 2022 kurzfristig einige Vorhaben. Um die ausgefallenen Gaslieferungen aus Russland zu ersetzen, muss die Regierung einen Kompromiss beim Kohleausstieg eingehen und länger als gedacht auf die Atomkraft setzen. Dennoch betont Habeck stets, dass man den Ausstieg aus der fossilen Energie mittel- und langfristig nicht aus dem Blick verlieren werde. Klimaaktivisten greifen zu immer radikaleren Mitteln, um ihn an dieses Versprechen zu erinnern.

Ausbau der Windkraft: Niedersachsen liegt weit vorn – Bayern hinkt hinterher

Dennoch ist noch viel Luft nach oben. Allein beim Ausbau der Windkraft hinkt die Politik den eigenen Zielen hinterher. Bis 2030 soll der Stromverbrauch zu 80 Prozent aus den Erneuerbaren gedeckt werden, bislang liegt man aber nur bei 50 Prozent. Das geht aus dem Bericht eines Bund-Länder-Kooperationsausschusses hervor. Während vor allem der Ausbau in den Flächenländern Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein angetrieben wird, kommt in Bayern und in Baden-Württemberg nur wenig voran.

Doch das Tempo muss weiter erhöht werden. Zu diesem Schluss kommt auch die IEA. Denn trotz der eingeleiteten Kehrtwende wird sich die Erderwärmung noch nicht aufhalten lassen. Bis zum Jahr 2100 sei mit einem Anstieg um 2,5 Grad zu rechnen, prognostizieren die Experten. Vom angepeilten 1,5-Grad-Ziel sei man weiterhin weit entfernt.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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