VonFelix Busjaegerschließen
Wenige Tage vor der Bundestagswahl freut sich die Linke über stabile Umfragewerte und einen Mitgliederboom. Die Partei-Chefin nennt dafür einen Grund.
Berlin – Im Wahlkampf vor der Bundestagswahl verbleiben nur noch wenige Tage, bis die Wählerinnen und Wähler an der Wahlurne über die neue Bundesregierung entscheiden können. Die aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl sehen gegenwärtig einen klaren Favoriten: Mit großem Abstand liegt die Union aus CDU und CSU auf Platz eins, gefolgt von der AfD. Die SPD und die Grünen folgen auf den weiteren Plätzen. Doch abseits des Rennes der „großen“ Parteien, schiebt sich im unteren Feld die Linke immer weiter nach oben. Die Partei liegt in Umfragen aktuell bei sechs Prozent und kann sich über einen Mitgliederboom freuen.
Linke auf Erfolgskurs vor Bundestagswahl: Umfragen zeigen Partei über Fünf-Prozent-Hürde
Linken-Chefin Ines Schwerdtner führt den jüngsten Aufschwung in den Umfragen für ihre Partei auf das Spitzenduo und die Themensetzung für die Bundestagswahl zurück. Die Spitzenkandidaten Heidi Reichinnek und Jan van Aken seien sehr glaubwürdig und die Linke agiere „wieder geschlossen als Team“, sagte Schwerdtner am Mittwoch den Sendern RTL und ntv. „Ich glaube, das ist auch das, was die Leute merken.“ Derweil fand im Bundestag die letzte Debatte vor der Wahl statt. Unter anderem gab es Tumulte beim Weidel-Auftritt.
Nach der Abspaltung von Sahra Wagenknecht und der Gründung des BSW hatte die Linke im vergangenen Jahr zunehmend mit ihren Umfragewerten zu kämpfen. Zwischenzeitlich lag die Partei deutlich unterhalb der Fünf-Prozent-Schwelle und es war unklar, ob die Partei den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen wird. Zuletzt gab es aber für die Linke wieder Rückenwind. Die Parteiführung wirke wieder „fröhlich und nach außen gewandt“, sagte die Parteichefin im Zusammenhang mit dem jüngsten Erfolg. Außerdem hätten die Linken auf die richtigen Themen gesetzt.
An 400.000 Haustüren geklingelt: Linke setzen vor Bundestagswahl auf bestimmte Wahlkampfthemen
Wie die Politikerin weiter ausführt, hätten die Parteimitglieder an 400.000 Haustüren geklingelt und die Bürgerinnen und Bürger nach deren Problemen gefragt. „Dann haben sie uns gesagt, die hohen Mieten, die steigenden Preise. Und daran haben wir uns orientiert.“ Das sei das Programm der Linken und das habe offensichtlich funktioniert. Um den Wiedereinzug ins Parlament zu sichern, setzt die Linke allerdings nicht nur auf das Überschreiten der Fünf-Prozent-Hürde. Zusätzlich versucht sie, genügend Direktmandate zu gewinnen, um auf jeden Fall in den Bundestag einziehen zu können.
Diese Promis sind Parteimitglieder: Schlager-Stars bei SPD und Freien Wählern, eine Musik-Legende beim BSW




Die jüngste Strategie der Linken vor der Bundestagswahl scheint derweil aufzugehen – und einen erfreulichen Nebeneffekt zu haben. Nach der Migrationsdebatte der vergangenen Wochen verzeichnet die Partei einen Mitgliederrekord. Zuletzt registriere die Partei 81.210 Mitglieder, allein seit Jahresbeginn traten 23.473 Menschen der Partei bei, wie ein Sprecher am Dienstag mitgeteilt hatte. Schwerdtner sagte weiter, Deutschland müsse „ein modernes Einwanderungsland werden“, in dem die Menschen ab dem ersten Tag die Möglichkeit hätten, zu arbeiten. Deutschland habe einen Fachkräftemangel und benötige Arbeitskräfte. „Das heißt, wir sollten doch eher eine Willkommenskultur herstellen, in der Menschen das Gefühl haben, wir können hier in Sicherheit leben, alle miteinander.“
Umfragen vor Bundestagswahl: Linke oberhalb der Fünf-Prozent-Grenze
Wenige Tage vor der Bundestagswahl ringen derweil die Parteien in Deutschland um jeden Prozentpunkt. In einer neuen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov geben wie in der Vorwoche 29 Prozent der Befragten an, CDU/CSU wählen zu wollen – die SPD bekäme derzeit mit 16 Prozent zwei Prozentpunkte weniger. Die AfD käme zurzeit auf 21 Prozent, ein Prozentpunkt weniger. Die Grünen verharren bei 12 Prozent. Die Linke kann ihre sechs Prozent aus der Vorwoche halten. Das BSW landet auf wackligen fünf Prozent, die FDP verbleibt bei vier Prozent und würde somit den Einzug in den Bundestag verpassen. (fbu/afp)
