„Erfolg“ für Dobrindt und Merz – Zahlen zu Asyl-Anträgen: Immer weniger Menschen kommen nach Deutschland
VonGregor-José Moser
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Die Zahl der Asyl-Erstanträge in Deutschland ist deutlich gesunken. Bundesinnenminister Dobrindt sieht sich in seinem Migrationskurs bestätigt.
Berlin – Immer weniger Menschen beantragen in Deutschland Asyl. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundesinnenministeriums für die ersten sieben Monate des Jahres. Von Januar bis Juli 2025 haben die Behörden demnach 70.011 Erstanträge auf Asyl registriert. Das sind 50 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 2024 hatte es von Januar bis Juli 140.783 Anträge gegeben. „Wir haben die Zahl der Asylerstanträge im Vergleich zum Vorjahr massiv gesenkt“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt der Bild am Sonntag.
Der CSU-Politiker sprach von „deutlichen Erfolgen der Migrationswende“ und kündigte an, den bisherigen Kurs fortzusetzen. „Wir wollen Verfahren an den EU-Außengrenzen, schnellere Entscheidungen und konsequente Rückführungen“, so Dobrindt weiter. Auch gegen Schleuser werde härter vorgegangen, denn: „Der Staat muss regeln, wer in unser Land kommt, nicht die kriminellen Schleuserbanden.“
Trotz Dobrindt-Erfolg: Asylzahlen im Vergleich zum Vormonat wieder gestiegen
Im Juli gab es laut Innenministerium 8293 Erstanträge auf Asyl – ein Rückgang um 45 Prozent im Vergleich zum Juli 2024; damals waren 18.503 Erstanträge gezählt worden. Aber: Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge waren es im Juni dieses Jahres weniger als im Juli, nämlich nur 6860. Die Zahl der Erstanträge stieg zuletzt also wieder an.
Kurz nach Amtsantritt der schwarz-roten Koalition hatte Dobrindt verstärkte Kontrollen und Zurückweisungen an allen neun deutschen Grenzen eingeführt. Bis Ende Juli seien 9.506 Menschen zurückgewiesen worden, teilte die Bundespolizei mit. Polen reagierte darauf mit Kontrollen an der Grenze zu Deutschland. Diese sind seit dem 7. Juli in Kraft und werden dem polnischen Innenministerium zufolge bis zum 4. Oktober verlängert.
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Asyl- und Migrationspolitik von Merz und Dobrindt umstritten
Kritik an Dobrindts Maßnahme kam aus Nachbarstaaten, aber auch von NGOs sowie Migrationsexperten. Rechtlich gelten die Zurückweisungen mindestens als umstritten. Neben Dobrindt verteidigt auch Kanzler Friedrich Merz diese immer wieder. Dass es in diesem Jahr weniger Erstanträge auf Asyl gibt als im Vorjahr, erklärt sich vermutlich auch mit Maßnahmen der Balkanstaaten. Die Balkanroute ist eine der wichtigsten Migrationsrouten.
Auch Syrien könnte in der Entwicklung eine Rolle spielen. Jahrelang war der Staat Hauptherkunftsland von Asylsuchenden in Deutschland. Das hat sich im ersten Halbjahr 2025 geändert: Syrien liegt derzeit mit 15.127 Anträgen knapp hinter Afghanistan mit 15.181 Anträgen. Im Dezember 2024 war das Regime von Diktator Baschar al-Assad gestürzt worden. Es gibt jedoch noch immer Spannungen und Gewalt in Syrien. (grmo)