„Wie in einer militarisierten Zone“

Erneuter ICE-Vorfall in Minneapolis: Beamter schießt Venezolaner ins Bein

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Nach dem Tod einer Frau durch ICE-Beamte in Minneapolis dauern die Proteste an. Nun ereignete sich ein weiterer Zwischenfall mit Bundesbeamten.

Minneapolis – Im US-Bundestaat Minnesota eskaliert die Lage erneut: Rund eine Woche nach den tödlichen Schüssen auf eine Autofahrerin durch Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis hat ein Beamter der Behörde in derselben Stadt einem Venezolaner ins Bein geschossen. Die Proteste gegen die Polizeigewalt der Regierung von US-Präsident Donald Trump dürften durch den neuen Vorfall weiter angeheizt werden.

Donald Trumps ICE-Behörde geht weiter gegen Migranten vor. Jetzt gab es einen erneuten Schussvorfall in Minneapolis.

Ein Mitarbeiter der Bundesbehörde unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump gab den „defensiven“ Schuss ab, „um sein Leben zu verteidigen“, weil sich ein „illegaler Einwanderer aus Venezuela“ der Festnahme widersetzte, teilte das US-Heimatschutzministerium am Mittwoch (14. Januar) über den Onlinedienst X (ehemals Twitter) mit.

ICE-Behörde verteidigt Schüsse auf Venezolaner: Beamte wurden mit Schneeschaufel attackiert

Nach Darstellung des Ministeriums kontrollierten Bundespolizisten den „illegalen Einwanderer aus Venezuela“ in seinem Fahrzeug. Die Person flüchtete erst mit dem Auto, dann nach einem Verkehrsunfall zu Fuß weiter. Bei dem Versuch der Festnahme wehrte sich der Mann und griff den Polizisten tätlich an.

Während des Handgemenges am Boden mischten sich dem Ministerium zufolge zwei weitere Personen ein und griffen den Beamten an, wobei sie auch eine Schneeschaufel als Waffe einsetzten. Der Polizist befürchtete nach eigener Darstellung um sein Leben und sah sich durch die drei Angreifer in Lebensgefahr, was ihn dazu veranlasste, zur Selbstverteidigung zu schießen. Die Kugel traf den ursprünglich Verfolgten ins Bein.

Die 16 absurdesten Donald-Trump-Momente 2025

Trumps Gaza Video auf Großleinwänden bei einem Konzert der Band „Massive Attack“ auf dem Unaltrofestival in Italien
Im Februar postete Donald Trump ein KI-generiertes Video, das seine Zukunftsvision für den Gaza-Streifen zeigte. Darin zu sehen waren goldene Trump-Statuen und riesige Hoteltürme. Nach eigener Aussage wollte er das Gebiet zur „Riviera des Nahen Ostens“ machen. Auch eine Vertreibung der lokalen Bevölkerung stand im Raum. Im Hintergrund lief ein KI-generierter Song mit dem Text „Trump-Gaza, Number one“. Auf dem Foto sieht man ein Konzert der Trump-kritischen Band „Massive Attack“, die das Video im Bühnenbild nutzte. © IMAGO / Alessandro Bremec
Flagge Grönlands im Wind
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit sprach Donald Trump immer wieder davon, Grönland zu US-Staatsgebiet zu machen. Im März sagte er über Dänemark: „Sie sagen, sie hätten Anrechte [auf Grönland]. Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Aber ich denke nicht.“ Dass Grönland völkerrechtlich tatsächlich zu Dänemark gehört, schien dem US-Präsidenten egal zu sein. © IMAGO / Kristian Tuxen Ladegaard Berg
US-Präsident Trump sitzt an seinem Schreibtisch im Oval Office, neben ihm steht der 4-jährige Sohn von Elon Musk
Während einer Pressekonferenz im Oval Office flüsterte Elon Musks Sohn X Æ A-Xii dem US-Präsidenten Beleidigungen zu. In den Aufnahmen zu hören sind Sätze wie „Du bist nicht der Präsident. Du musst weggehen.“ oder „Ich möchte, dass du den Mund hältst.“ © IMAGO / CNP / AdMedia
Demonstrantin hält ein gelbes Schild mit einem Pinguin und dem Schriftzug „Don‘t tariff on me“
Am 02.04.2025 veröffentlichte Donald Trump seine Zollliste, die die Weltwirtschaft ins Chaos stürzte. Auf der Liste der sanktionierten Länder standen auch die Heard- und McDonald-Inseln. Erstens gehören sie zu Australien, bräuchten also gar keine eigene Zollregelung und zweitens leben auf ihnen quasi ausschließlich Pinguine. Daraufhin kam die Vermutung auf, Trump habe die Liste von ChatGPT erstellen lassen. Online machten Witze über sanktionierte Pinguine die Runde. © IMAGO / Carl Seibert
McMahon im Weißen Haus
So sehr Trump KI, bzw. AI auch liebt, so wenig Ahnung scheint seine Bildungsministerin Linda McMahon von der Technologie zu haben. Im April freute sie sich darüber, dass Kinder in der Schule zukünftig den Umgang mit „A.1.“ lernen sollen. Die Abkürzung AI schien ihr fremd zu sein. Vor ihrer Politik-Karriere managte McMahon bis 2009 zusammen mit ihrem Ehemann die Show-Wrestling-Liga WWE. © IMAGO / Bonnie Cash - Pool via CNP
Zwei Soldaten winken bei Trumps Militärparade aus einem Panzer, darüber ein gigantischer Monitor mit dem Logo der UFC
Zum 250-jährigen Bestehen der US Army ließ Trump eine Militärparade veranstalten. Zufälligerweise fiel sie exakt auf seinen Geburtstag am 14. Juni. Über den Panzern thronten riesige Werbeanzeigen der Hauptsponsoren – darunter die Kampfsport-Liga UFC und Coinbase, eine Handelsplattform für Kryptowährungen. © IMAGO / Tom Williams
US-Präsident Trump auf dem Dach des West Wings des Weißen Hauses
Große Verwirrung herrschte im August, als Trump einen Spaziergang auf dem Dach des Weißen Hauses machte. Mit Reportern unterhielt er sich über seine Pläne, das Gebäude umzubauen. Auf die Frage, was er noch alles bauen wolle, antwortete er scherzhaft „Atomraketen“. © IMAGO / Pool / ABACA
Hufeisenmagnet zieht mehrere Metallkugeln an, 3D-Illustration
In mehreren Reden stellte Donald Trump absurde Thesen über Magnete auf. Glaubt man dem US-Präsidenten, wisse niemand, was Magnete überhaupt seien. Außerdem würden sie ihre Funktion verlieren, wenn man Wasser auf sie schüttet. © IMAGO / Zoonar.com / Cigdem Simsek
Logo des neuen „Department of War“
Von einigen wird Trump als Friedenspräsident gefeiert. Immerhin habe er in der ersten Amtszeit keinen neuen Krieg angefangen. Doch ein Dekret des Präsidenten vom 5. September will nicht so recht in dieses Bild passen. Trump benannte das „Department of Defense“ (Verteidigungsministerium) kurzerhand in „Department of War“ (Kriegsministerium) um. Damit ist der ehemalige Fox News-Moderator Pete Hegseth nun offiziell „Kriegsminister“. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump spricht vor Kameras
Am 10. September wurde der Rechtsextreme und Trump-Vertraute Charlie Kirk ermordet. Donald Trump drückte sein Entsetzen aus, doch als er nur drei Tage nach dem Vorfall gefragt wurde, wie er mit dem Verlust umgehe, war von Trauer oder Empathie wenig zu spüren. Der US-Präsident beteuerte, dass es ihm „sehr gut“ gehe. Statt über Kirk zu sprechen, wechselte er abrupt das Thema und redete lieber darüber, wie großartig sein neuer Ballsaal werden würde. © IMAGO / ZUMA Press Wire
Armenische und albanische Flagge im Wind, Illustration
Bei einer Pressekonferenz im September redete Trump davon, zwischen „Aberbaidschan“ und Albanien vermittelt zu haben. Eigentlich meinte er Aserbaidschan und Armenien. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Fehler passierte. Insgesamt gibt es mindestens drei dokumentierte Fälle. Beim Gipfel der „Europäischen Politischen Gemeinschaft“ machte Albaniens Premier Edi Rama daraufhin Witze über die großartige Streitschlichtung zwischen seinem Land und Aserbaidschan. © iunewind / IMAGO
Bild eines weitgehend zerstörten Teils des East Wings am Weißen Haus während der Abrissarbeiten
Im Oktober rollten Bagger an und zerstörten den historischen East Wing des Weißen Hauses vollständig. Hier soll Trumps neuer Ballsaal entstehen. Weder wurde die Öffentlichkeit im Vorhinein über den Abriss informiert, noch gibt es für das Projekt eine Genehmigung der zuständigen Planungskommission. Finanziert wird es durch private Spenden, unter anderem von Amazon, Apple, Microsoft, Google und Meta. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump
Ebenfalls im Oktober präsentierte Trump im Weißen Haus Modelle eines Triumphbogens für Washington. Er soll zum 250-jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit errichtet werden. Das größte Exemplar gefalle ihm natürlich am besten. Schnell gaben Internet und Presse dem Projekt den Namen „Arc de Trump“. Kritiker sehen Parallelen zu den Machtbauten historischer Diktatoren, beispielsweise zu Napoleon oder zu Plänen für Hitlers „Welthauptstadt Germania“. So bezeichnet etwa „Der Standard“ Trump als „Möchtegern-Cäsar“. © Jim Lo Scalzo/Imago
Bild einer auf Papier gezeichneten Uhr
Donald Trump prahlte mit seinem guten Abschneiden bei einem IQ-Test. Der sei teilweise „wirklich schwierig“ gewesen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelte es sich jedoch um den Montreal-Cognitive-Assessment-Test – ein Demenztest, der im Rahmen einer Routineuntersuchung durchgeführt wurde. Aufgaben bestehen unter anderem darin, eine bestimmte Uhrzeit mit gezeichneten Uhrzeigern darzustellen oder ein Nashorn zu erkennen. © AndreyPopov / IMAGO
Links: Musiker Kenny Loggins während eines Auftritts. Rechts: US-Präsident Donald Trump inszeniert sich in einem KI generierten Video als Kampfjet-Pilot, der eine Krone trägt.
Als Reaktion auf die „No Kings“-Proteste postete Donald Trump ein KI-generiertes Video (rechts), das ihn mit einer Königskrone zeigt. In einem Kampfjet fliegt das KI-Abbild des Präsidenten über die Protestierenden und wirft Fäkalien auf diese ab. Im Hintergrund läuft der Song „Danger Zone“, den man aus dem Film „Top Gun“ kennt. Sänger Kenny Loggins (links) protestierte gegen die Nutzung seines Liedes. © Dave Alloca/imago/Truth Social (Screenshot)
US-Präsident Trump in Japan
Bei einem Besuch in Japan wirkte Donald Trump verwirrt. Geistesabwesend läuft er am Begrüßungskomitee vorbei. Premierministerin Sanae Takaichi muss den US-Präsidenten immer wieder auf den richtigen Weg führen. Am Ende kommen beide wieder bei ihrem Startpunkt an  © Mark Schiefelbein/dpa

Nach zweitem ICE-Schuss: Stadtregierung von Minneapolis appelliert an Bürger

Ebenfalls musste der Polizeibeamte medizinisch versorgt werden. Die zwei weiteren Beteiligten wurden verhaftet. Nähere Angaben zur Person des Polizisten machte das Ministerium für Innere Sicherheit nicht. Stadtoberhaupt Jacob Frey von den Demokraten bezeichnete den Vorfall bei einer Pressekonferenz als zweites „ICE-Shooting“ binnen sieben Tagen – einen Schusswaffengebrauch durch die Behörde ICE. In seinem Beitrag auf X erwähnte er einen ICE-Mitarbeiter.

Die Stadtregierung von Minneapolis im demokratisch geführten Bundesstaat Minnesota appellierte an die Bürger, Ruhe zu bewahren. „Wir verstehen, dass es Wut gibt“, schrieben die Verantwortlichen auf dem Onlinedienst X. „Die Stadt Minneapolis fordert erneut, dass ICE die Stadt und den Bundesstaat sofort verlässt“, ergänzten die Stadtvertreter.

Augenzeugen berichten über Alltag in Minneapolis: Leben wie in einer „militarisierten Zone“

Rund 3000 ICE-Beamte sollen in dem Bundesstaat gezielt auf die Suche nach illegalen Migranten gehen. Für die Menschen vor Ort ist der Alltag seither wie ein Ausnahmezustand: „Es fühlt sich an, als würde man in einer militarisierten Zone leben. Überall kreisen Hubschrauber. In der Stadt kann man kaum noch in ein Restaurant, eine Buchhandlung oder eine Tankstelle gehen, ohne ICE-Agenten zu sehen“, berichtet der Direktor des Council on American-Islamic Relations Minnesota, Suleiman Adan, dem Tagesspiegel.

Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie sich Bürger den Razzien entgegensetzen. Ihren Unmut über die tödlichen Schüsse in Minneapolis und das Vorgehen der auch für Abschiebungen zuständigen Behörde unter Trump drückten am Wochenende Tausende Demonstranten in den USA aus. Allein in Minneapolis, demonstrierten am Samstagabend Tausende gegen die Behörde, wie örtliche Medien berichteten.  

Zeitlinie: Trumps harte Migrationspolitik

20. Januar 2025Trumos Amtseinführung startet mit zehn Migrationsdekrete und dem Notstand an mexikanischer Grenze
29. Januar 2025Laken Riley Act unterzeichnet - Haft bei geringfügigen Vergehen
2025 (Gesamtjahr)622.000 Abschiebungen, ICE-Haftplätze von 107 auf 212 Einrichtungen
8. Januar 2026Tödliche Schüsse in Minneapolis lösen neue Proteste aus
14. Januar 2026Visa-Stopp für 75 Länder (u.a. Iran, Russland, Somalia, Brasilien)

Trumps Feldzug gegen Einwanderer: ICE-Behörde greift in Minnesota mit Waffengewalt durch

Vor einer Woche am Mittwoch (7. Januar) hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE die Mutter von drei Kindern, Renee Nicole Good, in ihrem Wagen mit drei Kugeln tödlich getroffen. Das Ereignis führte landesweit zu Demonstrationen, wobei in Minneapolis allein mehrere tausend Personen protestierten. Als Reaktion schickte Heimatschutzministerin Kristi Noem hunderte weitere Bundesbeamte in die Stadt. Noem warf vor, dass demokratische Politiker die Demonstranten zu Gewalt gegen die Einwanderungspolizei aufgehetzt hätten.

Minnesota ging juristisch gegen die Trump-Administration vor. Das aggressive Vorgehen der ICE-Beamten habe den demokratisch geführten Bundesstaat „weniger sicher gemacht“, so die örtliche Generalstaatsanwaltschaft. Illinois, das gleichfalls unter demokratischer Führung steht, klagte ebenfalls gegen Washington. In Illinois waren die ICE-Aktivitäten ebenfalls intensiviert worden. (Quellen: dpa, Tagesspiegel, AFP) (bg)

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