Regierungspartei vor Abstimmung

Erstmals eine Frau – oder jüngster Premier aller Zeiten: Japan bekommt neuen Regierungschef

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Japan steckt in einer schweren politischen Krise. Jetzt wählt die Regierungspartei wählt einen neuen Vorsitzenden, der bald auch Premier werden soll.

Wenn es eines gibt, das man Shigeru Ishiba nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelndes Durchhaltevermögen. Viermal hatte Ishiba vergeblich versucht, Chef von Japans langjähriger liberaldemokratischer Regierungspartei LDP zu werden, erst nach einem fünften Anlauf war er vor gut einem Jahr am Ziel. Weil die LDP die Parlamentsmehrheit stellte, wurde Ishiba wenig später auch zum Premierminister seines Landes ernannt. Im Alter von 67 Jahren war der unscheinbare Politiker ganz oben angekommen. Doch es sollte eine glücklose Amtszeit werden.

Shinjiro Koizumi und Sanae Takaichi haben beide gute Chancen, Japans Premierminister Shigeru Ishiba zu beerben.

Schon bald nämlich musste Ishiba einen ersten Rückschlag einstecken: Mit einer Unterhauswahl wollte er sich die Rückendeckung der Japaner holen, seine Koalition aus LDP und der kleinen Partei Komeito verlor allerdings ihre Mehrheit. Im Juli wiederholte sich das Debakel bei einer Oberhauswahl – das hatte es seit Gründung der LDP im Jahr 1955 nicht gegeben. Ishiba war ab sofort auf die Zusammenarbeit mit der Opposition angewiesen, er selbst ein angezählter Premierminister.

Japan in der Krise: viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ohne stabile Führung

Und doch schien es zunächst so, als denke Ishiba nicht an Rücktritt. Wochenlang klebte er an seinem Amt, er wollte, sagte er, zunächst noch einen Handelsdeal mit den USA erzielen. Erst als das geschafft war, kündigte er Anfang September seinen Rückzug an. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten“, sagte Ishiba damals.

Seitdem ist Japan ein Land ohne stabile Führung, steckt die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt in einer schweren politischen Krise. Man muss sagen: wieder einmal. Denn auch Ishibas Vorgänger, Fumio Kishida, hatte sich nur knapp drei Jahre im Amt halten können, bevor er über eine Spendenaffäre stolperte, die die LDP viel Vertrauen gekostet hatte: Ende 2023 gerieten Dutzende LDP-Abgeordnete ins Visier der Staatsanwaltschaft. Ihnen wurde vorgeworfen, Spendengelder in schwarze Kassen umgeleitet zu haben. Kishida musste gehen.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Shigeru Ishiba war mit dem Versprechen angetreten, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Doch dann kam heraus, dass die LDP mehrere Kandidaten für die Parlamentswahl finanziell unterstützt hatte, die in den Skandal verwickelt waren.

Auch in seiner eigenen Partei war er umstritten, eigentlich schon von Beginn an, vor seiner Wahl im vergangenen Jahr galt er als Außenseiter. Ishiba, ein eher moderater Politiker, musste auf konservative Kräfte innerhalb der LDP zugehen. Das machte etwa seine Versuche, sich China und Südkorea anzunähern, schwierig. Dass er nun geht, dürfte manch einer in der LDP mit Erleichterung aufnehmen. Obwohl die LDP beschädigt ist wie lange nicht mehr.

Am 3. Oktober wählt die Partei nun einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Er oder sie dürfte Ishiba wenig später ins Amt des Premierministers nachfolgen. Dass die LDP und ihr kleiner Koalitionspartner Komeito derzeit keine Parlamentsmehrheit haben, dürfte daran nichts ändern. Denn das Oppositionslager ist zersplittert, dass die Parteien sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen werden, gilt als unwahrscheinlich. Ein möglicher Ishiba-Nachfolger könnte also einer Minderheitsregierung vorstehen oder sich einen weiteren Koalitionspartner an Bord holen. Seit 1955 hatte die LDP fast immer den Premierminister gestellt, nur für etwa sechs Jahre ging das Amt an Kandidaten anderer Parteien.

Japans Regierungschef Shigeru Ishiba kündigte im September nach nur knapp einem Jahr im Amt seinen Rücktritt an.

Vier Männer und eine Frau bewerben sich um den Chefposten der LDP, aktuelle Umfragen sehen zwei von ihnen vorne: Landwirtschaftsminister Shinjiro Koizumi und Sanae Takaichi, eine frühere Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit. Koizumi ist der Sohn eines ehemaligen Premierministers und Bruder eines Filmstars, er gilt als moderat. Als Landwirtschaftsminister sorgte er zuletzt dafür, die stark gestiegenen Reispreise zu senken, was ihm viel Lob einbrachte. Er verspricht, die hohen Lebenshaltungskosten in Japan weiter zu senken. Sollte Koizumi zum LDP-Chef gewählt werden, wäre er mit seinen 44 Jahren Japans bislang jüngster Premier – zu jung und zu unerfahren, wie viele Japaner befürchten.

Nationalistische Politikerin will japanische Premierministerin werden

Sanae Takaichi, 64, wiederum wäre Japans erste Premierministerin. Im vergangenen Jahr hatte sie bei der Wahl zum LDP-Vorsitz noch gegen Shigeru Ishiba verloren, nun sehen sie einige Umfragen ganz vorne. Aufgrund ihrer sehr nationalistischen Ansichten ist sie nicht unumstritten. Mehrfach besuchte Takaichi den Yasukuni-Schrein in Tokio, in dem auch japanische Kriegsverbrecher geehrt werden. Takaichi gilt als politisches Ziehkind von Shinzo Abe, Japans langjährigem, konservativen Premierminister, der vor drei Jahren ermordet wurde. Sie tritt für eine stärkere Aufrüstung ein und einen Ausbau der Atomkraft. Vielleicht ist es aber gerade diese stramm rechte Ausrichtung, die sie im eher konservativen Japan auch für Männer wählbar macht.

Zwei Probleme dürften Ishibas Nachfolger oder seine Nachfolgerin besonders beschäftigen: zum einen der Handelsstreit mit den USA, der zwar vorübergehend gelöst wurde, vor allem aber die japanische Autoindustrie massiv belastet. Zudem erwächst der LDP seit der Oberhauswahl zunehmend Konkurrenz von ganz rechts außen. Die rechtspopulistische Partei Sanseito konnte nach einem ausländerfeindlichen Wahlkampf ihre Sitze in der Parlamentskammer von einem auf 15 steigern. Die Partei kleinzuhalten und gleichzeitig die LDP zu alter Größe zu führen, das dürfte eine der schwierigsten Aufgaben für Japans neuen Premierminister werden – oder für die erste Premierministerin des Landes. (Quellen: Eigene Recherche, The Japan Times, Asahi Shimbun, Center for Stategic and International Studies, Reuters)

Rubriklistenbild: © Ken Asakura/Imago

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