Eskalation in US-Städten: Trump setzt Nationalgarde ein – Bundesstaaten wehren sich
VonJekaterina Jalunina
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Nach der Entsendung der Nationalgarde in US-Städte hat Donald Trump den möglichen Einsatz des Insurrection Act ins Spiel gebracht.
Washington, D.C. – In den USA verschärft sich der Streit um den Einsatz der Nationalgarde auf Geheiß von Präsident Donald Trump – und damit um die Grenzen seiner Macht. Der Republikaner will die militärische Reserveeinheit in mehreren demokratisch regierten Städten einsetzen oder hat es bereits getan – mit der Begründung, angeblich ausufernde Kriminalität einzudämmen und Proteste gegen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE unter Kontrolle zu bringen.
Mehrere Städte und Bundesstaaten wehren sich gegen das Vorgehen und ziehen juristische Schritte in Betracht. Sie sehen ihre Autonomie bedroht und warnen vor einem gefährlichen Präzedenzfall für den Einsatz militärischer Mittel innerhalb der USA. Besonders Illinois und Chicago versuchen, den Einsatz per einstweiliger Verfügung zu stoppen, bislang ohne Erfolg: Eine Entscheidung der zuständigen Richterin wird erst frühestens am Donnerstag erwartet.
US-Regierung mobilisiert Nationalgarde – Texas-Soldaten auf dem Weg nach Chicago
Die Trump-Regierung hatte angeordnet, rund 300 Nationalgardisten aus Illinois unter Bundeskontrolle zu stellen, um dort Bundesbeamte und Bundeseigentum zu schützen. In Portland im Bundesstaat Oregon wurde ein ähnlicher Einsatz auf Geheiß eines Gerichts vorläufig gestoppt – Ausgang unklar.
Der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, erklärte in der Nacht zum Montag, Präsident Trump habe zusätzlich 400 Nationalgardisten aus dem republikanisch regierten Bundesstaat Texas einberufen, um sie in Illinois, Oregon und weiteren Teilen der USA einzusetzen. Die New York Times berichtete unter Berufung auf Militärkreise, dass rund 200 dieser texanischen Soldaten bereits am Montag nach Chicago fliegen sollten, um dort im Laufe der Woche ihren Einsatz zu beginnen. Am späten Abend veröffentlichte Texas’ Gouverneur Greg Abbott auf X ein Foto von Soldaten der texanischen Nationalgarde, die in ein Flugzeug steigen – versehen mit den Worten: „Jederzeit bereit. Jetzt im Einsatz.“
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Militäreinsatz in den USA möglich: Trump verweist auf Insurrection Act von 1807
Vor dem Hintergrund von der US-Regierung veranlasster Entsendungen der Nationalgarde in von den Demokraten regierte Städte hat Trump den Einsatz des sogenannten Insurrection Act ins Spiel gebracht. „Wir haben einen Insurrection Act nicht ohne Grund. Falls ich ihn einsetzen müsste, würde ich das tun“, sagte Trump am Montag vor der Presse im Oval Office. Dieses „Aufstandsgesetz“ von 1807 befugt den Präsidenten, das Militär im Inland einzusetzen, um „bewaffnete Rebellion“ oder „innere Gewalt“ zu unterdrücken.
Er wäre bereit, das Gesetz einzusetzen, „falls Menschen getötet würden und Gerichte oder Gouverneure und Bürgermeister uns aufhalten würden“, sagte der US-Präsident. Am Sonntag hatte eine Bundesrichterin zum zweiten Mal die Stationierung von Soldaten in Portland im US-Bundesstaat Oregon untersagt. Der US-Bundesstaat Illinois klagte am Montag gegen die angekündigte Entsendung der Nationalgarde nach Chicago.
Trump setzt Nationalgarde ein: Insurrection Act ermöglicht Militäreinsatz im Inland
Auch Trump greift auf den Insurrection Act zurück: Er hatte die Nationalgarde bereits in von Demokraten regierten Städten wie Los Angeles, Washington und Memphis eingesetzt. Als Begründung nennt er Proteste gegen die Ausländerpolizei ICE, bei denen es in den vergangenen Wochen vereinzelt zu Zusammenstößen gekommen sei, sowie angeblich stark steigende Kriminalitätsraten.
Insurrection Act
Der Insurrection Act erlaubt es dem US-Präsidenten, im Inland das Militär für Strafverfolgungsaufgaben wie Durchsuchungen oder Verhaftungen einzusetzen. Zuletzt griff Präsident George Bush Sr. 1992 auf das Gesetz zurück, nachdem ihn der Gouverneur von Kalifornien darum gebeten hatte. Ziel war es, die Unruhen in Los Angeles zu beenden, die nach dem Freispruch von Polizisten ausgebrochen waren, die den Afroamerikaner Rodney King brutal zusammengeschlagen hatten. Bereits 1968 nutzte Präsident Lyndon B. Johnson den Insurrection Act, um die Unruhen nach der Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. zu unterdrücken.
US-Präsident droht mit Militäreinsatz in Chicago – Gouverneur kritisiert Eskalation
Gouverneur Pritzker beschuldigte die Trump-Regierung, einem regelrechten „Drehbuch“ zu folgen: Sie schüre Angst und lasse weitgehend friedliche Demonstranten als Bedrohung erscheinen. Er warf Trump vor, gezielt eine Eskalation herbeizuführen, um sich eben auf den sogenannten Insurrection Act berufen zu können.
Trump verglich Chicago mit einem „Kriegsgebiet“. Die Bundesbehörden hätten gar keine andere Wahl, als hart durchzugreifen, erklärte er im Weißen Haus. Man werde sich „Stadt für Stadt“ vorknöpfen müssen. (Quellen: dpa, Newsmax, Daily Beast, X, New York Times) (jal)