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AfD-Programm zur Europawahl 2024: Das will die Partei umsetzen

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Grenzschutz, Abtreibung als Ausnahme und EU-Kritik: Europa wählt – und auch die AfD hat in ihrem Wahlprogramm viele Forderungen. Doch was genau steht drin?

Update vom 9. Juni, 21.11 Uhr: Nach aktuellen Hochrechnungen zur EU-Wahl 2024 hat die AfD 16 Prozent der Stimmen in Deutschland erhalten. Damit ist die rechtspopulistische Partei zweitstärkste Kraft bei der Wahl des Europäischen Parlaments. Die AfD hat damit 5 Prozentpunkte mehr erreicht, als noch bei der Europawahl im Jahr 2019 und würde somit 16 Sitze im EU-Parlament erhalten.

Die Ergebnisse der Europawahl in Deutschland werden voraussichtlich erst in der Nacht auf Montag veröffentlicht. Die Parteispitze verspricht sich schon jetzt von den Ergebnissen „Rückenwind“ für die Fraktionsverhandlungen im EU-Parlament und die Landtagswahlen im Osten, erklärte AfD-Chef Tino Chrupalla. Die aktuellen Entwicklungen rund um die AfD-Wahlergebnisse bei der EU-Wahl 2024 und den erwarteten Rechtsruck in der EU finden Sie hier.

EU-Wahl 2024: AfD will EU auflösen und plant „Bund europäischer Nationen“

Erstmeldung: Brüssel – „Europa neu denken“ – so lautet die Überschrift der Präambel des AfD-Wahlprogramms für die Europawahl 2024 im Juni. „Neu denken“ heißt für die AfD nichts anderes als auflösen, wie sich im Laufe des Wahlprogramms zeigt. Die Partei wirbt darin also nicht nur für die Alternative für Deutschland, sondern auch für eine Alternative für die Europäische Union. Anstelle des Staatenverbundes EU soll nach Auffassung der AfD ein „Bund europäischer Nationen“ treten.

Das Parlament, für dessen Wahl das Programm geschrieben ist und für das sie kandidiert, will die AfD auflösen und schreibt, „die EU ist ein undemokratisches und reformunfähiges Konstrukt“. Bei dem neuen Bund, welcher der AfD anstelle der EU vorschwebt, heißt es Germany First: „Das Wohl Deutschlands und seiner Bürger steht für uns dabei an erster Stelle.“ Auf 51 Seiten beschreibt die Partei ihre Pläne und Forderungen für die Europäische Union.

AfD-Spitzenkandidat Maximilian Krah. (Archivbild)

Vor der Europawahl 2024: AfD wirft EU „vollständiges Versagen in allen Bereichen“ vor

Die Kritik der AfD an der EU reicht vom Vorwurf der „kontinuierlichen Aushöhlung der Souveränität der Nationalstaaten“ über das angebliche Scheitern der „Idee einer Einheitswährung“ bis hin zur „Selbstaufgabe eines großen europäischen Staates“ durch die deutsche Bundesregierung. Zusammengefasst: „Das vollständige Versagen der EU in allen Bereichen, die Europa existenziell betreffen.“ Der neue Bund, den die AfD anstrebt, solle durch eine Volksabstimmung in Deutschland entschieden werden, schreibt die Partei im Wahlprogramm.

AfD im Wahlprogramm über Migration: „Festung Europa“

Nach einer vierseitigen Ausführung darüber, was in der Europäischen Union nach Ansicht der AfD nicht funktioniere und „reformunfähig“ sei, befasst sich die Partei mit einem ihrer Kernthemen: Migration. Auf sechs Seiten schreibt die AfD über ihre Pläne, die Zuwanderung in Länder der EU „strikten Regeln zu unterwerfen und massiv zu beschränken“.

Die Forderung der AfD lautet, „eine Migrationspolitik, die eine Trendwende herbeiführt“. Zusammenfassend lässt sich diese Trendwende als „Festung Europa“ beschreiben, wie es die AfD in ihrem Wahlprogramm fordert. Durch Außengrenzschutz sowohl durch die Nationalstaaten, als auch durch die EU, nationale Souveränität in der Asyl- und Zuwanderungspolitik und einer Änderung des Schengener Abkommens wolle die AfD „die unreflektierte und uneingeschränkte deutsche ‚Willkommenskultur‘ beenden“.

Geld- und Währungspolitik der AfD: „Zurück zu Recht, Wohlstand und sozialem Frieden in Europa“

Den Euro erklärt die AfD in ihrem Wahlprogramm für „gescheitert“ und fordert: „Zurück zu Recht, Wohlstand und sozialem Frieden in Europa durch Wiedereinführung nationaler Währungen“. Deutschland müsse „zurück zu einer sozialen Marktwirtschaft“, schreibt die Partei. Wie sie das aktuelle Wirtschaftssystem der Bundesrepublik beschreiben würden, das demzufolge keine soziale Marktwirtschaft sein kann, wird nicht weiter definiert. Der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission wirft die AfD „vertragswidrige und planwirtschaftliche Politik“ vor.

Für die Nationalstaaten sieht das Wahlprogramm wirtschafts- und sozialpolitische Souveränität vor und fordert weniger Sozialleistungen für EU-Ausländer. „Bevor EU-Ausländer im Sozialrecht mit Deutschen gleichgestellt werden, soll bei Bedürftigkeit der jeweilige Herkunftsstaat zuständig bleiben“, steht im Wahlprogramm der AfD.

Menschen aus anderen EU Staaten sollen demnach erst dann Sozialleistungen in Deutschland erhalten, „wenn sie zehn Jahre im Inland Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt haben und in dieser Zeit ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe bestritten haben“.

Außenpolitische Pläne für Europawahl: AfD will Annäherung zu Russland und Distanz zu den USA

Außenpolitisch fordert die AfD die Wiederannäherung an Russland und Beendigung der Wirtschaftssanktionen, die im Zuge des Ukraine-Kriegs für den russischen Aggressor verhängt wurden. Im Gegensatz zu gewünschter Annäherung an Russland fordert die AfD mehr Unabhängigkeit von den USA.

„Die geopolitischen und ökonomischen Interessen der USA unterscheiden sich in zunehmendem Maße von denen Deutschlands und anderer europäischer Staaten“, schreibt die AfD. Deutschland dürfe sich nicht durch „Entscheidungen der USA gegenüber anderen Mächten in Konflikte hineinziehen lassen“, steht im Wahlprogramm.

AfD kritisiert „Klimawahn“ und fordert „Abschaffung aller Klimaschutzgesetze“

Dem Thema Klimawandel nähert sich die AfD in der Präambel bereits mittels Kritik an der Klima- und Energiepolitik der EU. „Das Dogma des menschengemachten Klimawandels dient der EU als Vorwand, um in alle Lebensbereiche reglementierend einzugreifen“, lautet der Vorwurf. Im Wahlprogramm der AfD ist die Rede von der „angeblichen Klimakrise“.

In dem Abschnitt, in dem sich die AfD in ihrem Europawahlprogramm dem Thema Klimawandel und dem, wie sie es nennen „Klimawahn“, widmet, werden die Forderungen der AfD konkret. Die „Abschaffung aller Klimaschutzgesetze auf nationaler und europäischer Ebene“ und des EU-Emissionshandels fordert die AfD darin. Energiepolitik solle zurück in die Hände der Nationalstaaten fallen und „Deutschland und Europa müssen wieder zu den führenden Anbietern im Bereich der Kernenergie werden“, lauten weitere Forderungen.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Das Klima in Europa wechsle seit der letzten Eiszeit immer wieder und auch die jetzigen klimatischen Veränderungen ordnen sich, nach Ansicht der AfD in ihrem Wahlprogramm, „vollkommen normal in diese Wechsel ein.“ Das Paket an Richtlinien und Verordnungen der EU-Kommission zur Klimapolitik der EU nennt die AfD die „Dystopie eines ökosozialistischen Brüsseler Haftungs- und Umverteilungsstaats“.

Familienpolitische Forderungen der AfD: „Andere Formen des Zusammenlebens mit der Ehe von Frau und Mann nicht gleichzustellen“

Beim Thema Familie setzt die AfD auf klassische Rollenbilder. „Die AfD bekennt sich in ihrer Familienpolitik zum klassischen Leitbild der Familie, in der Vater und Mutter in dauerhafter gemeinsamer Verantwortung für ihre Kinder sorgen“, erklärt die Partei im Wahlprogramm. Andere Formen des Zusammenlebens als die Ehe zwischen Mann und Frau seien zwar zu respektieren, „damit aber nicht gleichzustellen“. Die AfD wolle die „einzigartige und privilegierte Position von Vater und Mutter im Hinblick auf den Schutz des Kindeswohls“ erhalten, schreibt sie in ihrem Programm.

AfD-Prgroamm zur Europawahl 2024 über sogenannte „Gender-Ideologie“ und das Recht auf Abtreibung

Über geschlechtliche Identitäten außerhalb des Frau-Mann-Spektrums schreibt die AfD, es gebe nur zwei Geschlechter und Geschlecht sei eine „biologische Tatsache und kein soziales Konstrukt“. Von der EU fordert die Partei, sie müsse „jede Förderung dieser skandalösen Ideologie sofort beenden“.

Eine weitere Forderung der AfD im Wahlprogramm für die Europawahl zielt auf das Recht auf Abtreibung ab. In einer Überschrift schreibt die AfD darin: „Abtreibungen müssen zur Ausnahme werden.“ Das Recht auf Abtreibung zu einem Menschenrecht zu erklären, nennt die AfD eine „groteske Bagatellisierung und Verharmlosung der Kindstötung“ und wolle dem im Europaparlament entschieden entgegentreten.

AfD auf Tiktok: Partei verbreitet Inhalte des Programms zur Europawahl im Internet

Als Spitzenkandidat für die AfD tritt bei der Europawahl Maximilian Krah an. Obwohl Krahs Reichweite auf der Plattform TikTok gedrosselt wurde, weil dieser gegen die Richtlinien verstoßen habe, macht der AfD-Politiker auf TikTok reichlich Werbung für die Inhalte der AfD und deren Forderungen.

In seinen Videos kritisiert Krah in populistischem Ton die Politik der EU und der Bundesregierung. Die Themen aus dem AfD-Wahlprogramm finden sich auch auf Krahs Kanal unter Titeln wie, „Masseneinwanderung“, „Deutschland geht pleite“ oder „Deitsch un frei woll mer sei“ wieder. In einem Video über die Klimapolitik der Europäischen Union sagt Krah beispielsweise, die EU sorge mit ihrem „Klimavoodoo dafür, dass für dich der Wohlstand deiner Vorfahren für immer unerreichbar bleibt“.

AfD-Wahlprogramm mit Fokus auf „Nationalstaat“ und Ideologie-Vorwürfe

Bereits in der Präambel schreibt die AfD von „Eliten“, welche die EU angeblich tragen. Die Begriffe „Ideologie“ oder „ideologisch“ fallen insgesamt 42 Mal in dem Wahlprogramm der AfD – meist als Vorwurf an die Politik der EU oder der deutschen Bundesregierung. Im Vergleich: Grüne, CDU und SPD verwenden die Begriffe kein einziges Mal in ihren Wahlprogrammen, nur bei der FDP kommt der Begriff „ideologisch“ zweimal vor. Und auch ein Fokus auf den Nationalstaat und die nationale Souveränität zeigt sich in dem Wahlprogramm der AfD.

AfD in Umfragen zu Europawahl im Kampf um Platz zwei

Am 9. Juni findet in Deutschland die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Bei der Europawahl 2019 erhielt die AfD 11 der 96 deutschen Sitze im EU-Parlament. In aktuellen Umfragen zur Europawahl kämpft die AfD zurzeit um Platz zwei mit der SPD hinter der Union. Zurzeit wird vielerorts in der EU ein Rechtsruck bei der Wahl des Europäischen Parlaments erwartet. (pav)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/Imago Images

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