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Seit dem 01. September gilt das 9-Euro-Ticket nicht mehr, obwohl es ein voller Erfolg war. Das wollen Befürworter nicht so stehen lassen – sie haben eine Idee.
Berlin – Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn ist Geschichte, denn zum ersten September ist die Maßnahme aus dem Entlastungspaket 2022 ausgelaufen. Schon lange hatte sich abgezeichnet, dass das Ticket als voller Erfolg zu verbuchen ist, der Verbrauchern und Verbraucherinnen tatsächlich Entlastung bringen konnte. Ebenso schon länger abgezeichnet hat sich indes, dass es keine schnelle Anschlusslösung geben würde, eine Verlängerung des Angebots konnte in der Ampel keine Mehrheit finden. Das lässt Befürworter jetzt kreativ werden: Sie verlängern das Ticket auf eigene Faust.
9-Euro-Ticket bleibt: Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket? Befürworter gründen Fonds und „verlängern“ Angebot
Das 9-Euro-Ticket bleibt: Diese Schlagzeile haben sich Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland in den vergangenen Wochen immer wieder gewünscht – erfolglos. Auf die Frage „Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket“ haben Befürworter des vergünstigten Monatstickets dennoch eine eigene Antwort gefunden, sie lautet: weiterhin. Eine Kampagne hat jetzt den „9-Euro-Fonds“ gegründet, auf der Website heißt es „Der 9-Euro-Fonds, ein Ticket für alle.“ Die Idee dahinter scheint clever, bringt jedoch auch strafrechtliche Risiken mit sich, die nicht für alle gleichermaßen zum Verhängnis werden können.
Verbraucherinnen und Verbraucher sollen weiterhin neun Euro zahlen, nur jetzt eben an einen Fonds. Aus den Erlösen sollen dann die Strafen für alle Einzahler beglichen werden, die beim Schwarzfahren erwischt werden. Der Fonds funktioniert gewissermaßen wie eine Versicherung. Ausnahmen gelten in Regionalzügen der DB, da dort so gut wie immer kontrolliert wird, im Nahverkehr gilt das Angebot dafür bundesweit. Aus der Kampagne heißt es laut taz: „Schon jetzt ist die Nachfrage groß.“ Die Urheber sehen in ihrem Fonds eine Übergangslösung. Auch sie befinden, „es braucht eine politische Lösung“.
Wichtig zu erwähnen: Wer sich auf das Modell der Kampagne verlässt, begeht als Schwarzfahrer wissentlich eine Straftat. Bahn- und Busfahrer sollten also vor Antritt der Fahrt genau überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen wollen, das nicht für alle gleich groß ist: Eine möglicherweise resultierende Anzeige kann etwa für alle, die keine deutschen Papiere haben, deutlich folgenschwerer sein als für andere – auch das muss bedacht werden.
9-Euro-Ticket Nachfolger: Lindner gibt grünes Licht – Kampagne übt Kritik an FDP
Für einen 9-Euro-Ticket Nachfolger hat auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) zuletzt grünes Licht gegeben. Klar ist: Er wird teurer. Lindner gilt eigentlich als Kritiker des 9-Euro-Tickets. Der Minister hatte zuletzt in der Debatte um das 9-Euro-Ticket für breites Entsetzen gesorgt, als er erklärte, er sorge sich besonders vor „Gratismentalität“. Insbesondere Krisenzeiten, in denen viele Haushalte vor allem in Anbetracht steigender Energiepreise Existenzängste quälen, verschaffte ihm das zumeist mehr als nur skeptische Blicke.
Skeptisch mit dem Finanzminister sind auch die Initiatoren des Fonds. Auf ihrer Seite heißt es: „Das 9-Euro-Ticket beenden? Nee, nee, nee – eher geht die FDP.“ Die Urheber der Kampagne führen ihre Kritik aus: „Die Mehrheit der Bevölkerung und Verkehrsverbünde sprechen sich klar für das 9-Euro-Ticket aus. Denn immer mehr Menschen wollen saubere und nachhaltige Mobilität, keine umweltschädlichen Autos. Doch statt auf die Bevölkerung zu hören, macht die Ampel und insbesondere die FDP weiter Politik für die Autolobby. Wir fordern: Busse und Bahnen müssen zukunftsfähig gemacht und das 9-Euro-Ticket muss sofort wieder eingeführt werden.“ Mit dieser Forderung sind sie keineswegs allein.
Nach 9-Euro-Ticket kommt 9-Euro-Ticket: Prominente fordern in offenem Brief Verlängerung des Angebots
Insbesondere die letzte Forderung erhebt derzeit auch eine Reihe Prominenter in einem offenen Brief an Kanzler Olaf Scholz (SPD). Auch aus ihrer Sicht sollte nach 9-Euro-Ticket das 9-Euro-Ticket kommen. An dem Aufruf beteiligt ist eine breite Gruppe an Persönlichkeiten, insgesamt gehören rund 50 Aktivistinnen und Aktivisten, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Kulturschaffende zu den Unterzeichnenden. In dem Brief heißt es laut Spiegel unter anderem „Das 9-Euro-Ticket darf kein Sommermärchen bleiben.“
Fortsetzung vom 9-Euro-Ticket: Initiative mit klarer Forderung
Unter den Trägern des Aufrufs sind Namen wie Anke Engelke, Torsten Sträter, Luisa Neubauer oder Eckart von Hirschhausen. Sie formulieren klare Forderungen: „Nutzen Sie die Chance, geben Sie sich einen Ruck und Deutschland das 9-Euro-Ticket.“ Die Unterzeichnenden befinden, das Angebot sei ein „wichtiger erster Schritt in eine bessere, gerechtere und klimaneutrale Zukunft“ – eine Auffassung, die sie mit den Urhebern von 9eurofonds.de teilen.
Eins wird überdeutlich: Der Bedarf an einem bezahlbaren Angebot für den ÖPNV ist groß, das haben die vergangenen Monate eindrücklich gezeigt. Die Ampel hadert noch, was es für ein Nachfolgeangebot es werden könnte – doch die Menschen warten und die Preise steigen. Viele von ihnen finden: Die Neuauflage des 9-Euro-Tickets wäre der richtige Schritt.
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