Was will Volt wirklich? Partei hofft bei Europawahl auf den großen Coup
VonLaura May
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Die paneuropäische Volt-Partei will vor allem eines: mehr Europa. Doch an der EU in ihrer heutigen Form will sie einiges verändern.
Brüssel – Eine gute Zukunft für Deutschland kann nur europäisch sein, findet Damian Boeselager. Deshalb gründete der Frankfurter Unternehmensberater 2017 gemeinsam mit dem Italiener Andrea Venzon und der Französin Colombe Cahen-Salvador die paneuropäische Bürger- und Bürgerinnenbewegung Volt. Als wählbare Partei existiert Volt in 21 europäischen Ländern. Bei der anstehenden Europawahl steht sie in 14 Ländern auf dem Wahlzettel.
In Deutschland gibt es die Volt-Partei seit 2018. Bei der Europawahl 2019 gewann Boeselager ein Mandat und sitzt seitdem für Volt in der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament. EU-weit erhielt die Partei damals etwa 450.000 Stimmen, in Deutschland erreichte sie 0,7 Prozent und eine Viertelmillion Stimmen.
Die Partei bezeichnet sich selbst als paneuropäisch, pragmatisch und progressiv. Sie vertritt progressive, sozialliberale und vor allem pro-europäische Ideen – und lehnt dabei eine Positionierung im politischen links-rechts Spektrum ab. Ihr Wahlkampf-Slogan ist: „Trau dich Europa“. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte des Volt-Wahlprogramms.
Volt will nach der Europawahl vieles an der EU verändern
Gründungsgrund und Herzensthema von Volt ist die Stärkung Europas. Europa ist „das erfolgreichste Friedensprojekt der Welt“, heißt es im aktuellen Volt-Wahlprogramm. Doch die Partei will vieles an der EU verändern. „Wir müssen Menschen wieder mehr Macht darüber geben, in welche Richtung Europa geht“, sagt Boeselager im Gespräch mit der FAZ.
Volt will ein vereintes Europa mit einer föderalen Demokratie. Dafür fordert die junge Partei eine transparentere und demokratischere EU, die eine vom Parlament gewählte Regierung hat. Außerdem will Volt eine EU-Verfassung mit einem Verfassungsgericht, eigene EU Finanz- und Außenminister sowie eine europäische Armee.
Durch diese Maßnahmen erhofft sich Volt eine Stärkung der demokratischen Legitimität der EU. „Die Überbrückung der Kluft zwischen den Gesellschaften und den Institutionen wird das Vertrauen in die Union verstärken, eine echte repräsentative europäische Demokratie schaffen sowie schädlichen Desillusionierungen im politischen System entgegenwirken“, heißt es im Wahlprogramm.
Weitere Pläne von Volt nach der Europawahl
Volt will klimaschädlichen Konsum ebenso wie große Vermögen stärker besteuern, da die Partei Klimaschutz im Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit betrachtet. Klimaneutralität habe höchste Priorität. Volt will, dass alle Mitgliedstaaten der EU bis 2040 ihre Nettoemissionen von Treibhausgasen auf null senken.
Die tendenziell liberale Partei vertraut dabei nicht auf Konzernwillen und Marktlogik. Im Programm steht: „Um Klimaneutralität zu erreichen, setzen wir nicht nur auf Eigenverantwortung, sondern aktivieren die großen Hebel. Denn die Verantwortung liegt bei den Verursachern der Klimakrise, die jahrelang von klima- und umweltschädlichen Produktionen profitiert haben.“
Was Volt bei der EU-Bildungspolitik vorhat
Bei der EU-Bildungspolitik setzt Volt auf einen progressiven Ansatz aus Technikförderung und Sozialpolitik. Förderung von MINT-Fächern, Inklusion und eine flächendeckende Digitalisierung sollen allen Menschen Zugang zu guter Bildung ermöglichen. Durch gut ausgebildete Bürger und Bürgerinnen soll auch die Wirtschaft profitieren
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
„Das Bildungssystem soll uns in eine Zukunft führen, in der Grund-, Sekundar- sowie Hochschulbildung keine Luxusgüter, sondern eine Möglichkeit für alle sind. Finanzielle Mittel müssen diesem Anspruch gerecht werden und einer Gesellschaft den Weg ebnen, die auf inklusiven Werten beruht“, erklärt Volt im Wahlprogramm.
Arbeitsmarkt soll in Europa laut Volt insgesamt flexibler werden
Einer der wichtigsten Gründungsgedanken von Volt war der Zusammenhalt. Die Partei positioniert sich dezidiert gegen Ausgrenzung, Spaltung und Populismus. „Respekt und Würde sind die Grundpfeiler unserer Sozialpolitik“, steht im Wahlprogramm. Volt fordert eine menschenwürdige Asylpolitik und kritisiert Verstöße europäischer Grenzschutzbehörden gegen EU-Recht und begrenzte Such und Rettungseinsätze sowie „fragwürdigen Abkommen der EU-Mitgliedstaaten mit autokratischen Regimen an ihren Grenzen“.
Der Arbeitsmarkt soll laut Volt insgesamt flexibler werden. Durch Abbau von Bürokratie erhofft sich die Partei mehr Gerechtigkeit bei der Jobsuche. Insgesamt würde eine solidarische Gemeinschaft soziale Mobilität und Wohlstand fördern. (Laura May)