VonJana Stäbenerschließen
Eine 35-Jährige probiert es aus: drei Monate von nur 502 Euro im Monat leben. Wie gut kommt sie damit zurecht?
Zum 1. Januar 2024 erhöhte der Staat die Regelsätze für das Bürgergeld. Berechtigte bekommen ab sofort etwa 60 Euro mehr im Monat. Ein kinderloser Single bekommt nun 563 Euro Bürgergeld. Grund dafür sei die Inflation in den vergangenen zwei Jahren, kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Anpassungen im vergangenen Jahr an.
Die Inflation (mit all ihren gruseligen Seiten) spürte auch Kathrin deutlich. Sie macht momentan ein Bürgergeld-Experiment, probiert also, wie es sich mit den 502 Euro im Monat als Single-Haushalt so lebt. BuzzFeed News Deutschland hat mit der 35-Jährigen gesprochen.
TikTokerin testet, mit Bürgergeld zu leben: Was ist ihr Fazit?
Von der Union (CDU/CSU) heißt es, Arbeiten lohne sich mit dieser Bürgergeld-Erhöhung nicht mehr (ob das stimmt, zeigt dir diese Rechnung). In der ARD-Sendung „hart, aber fair“ unterstreicht Heil, Arbeit müsse sich lohnen. Deshalb müsse auch der Mindestlohn steigen und die Tarifbindung erhöht werden.
Da würde Kathrin, die auf TikTok als @frugal_ist zeigt, wie man früh in Rente geht, zustimmen. Die Marketing-Projektmanagerin wagte bereits 2021, als es noch Hartz4 gab, ein mehrmonatiges Experiment. „Es hat mich einfach interessiert, ob ich damit klarkommen würde“, sagt sie junge Frau BuzzFeed News Deutschland.
Ihre Lebenssituation als kinderloser Single in einer kleinen Wohnung biete sich gut zum Vergleich an. Was ist ihr Fazit? „Für mich war es ausreichend, es erlaubt aber definitiv keine großen Sprünge.“ Was sie störe, sei, dass viele Menschen in schlecht bezahlten Berufen am Ende nicht viel mehr übrig haben. „Das darf nicht sein.“
@frugal_ist Es geht wieder los #bürgergeldexperiment #frugal_ist #sparen #frugalismus #finanziellefreiheit #hartz4 ♬ Originalton - frugal_ist
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Bürgergeld-Experiment: „Merke enormen Unterschied zu Hartz4“
Kathrin sagt im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland mehrmals, dass sie mit dem Experiment nicht den Zeigefinger heben wolle. „Mir ist wichtig zu sagen, dass ich die Höhe des Bürgergelds mit meinem Experiment nicht bewerten will. Die Situation ist von Mensch zu Mensch sehr individuell und nur weil ich mit dem Geld gut klargekommen bin, muss das nicht für alle gelten“, so die 35-Jährige.
Viel mehr wolle sie zeigen, wo sie auch bei diesem kleinen Einkommen Sparpotenzial sehe und was für sie als „Normalo“ besonders hart sei. Im TikTok (siehe unten) zeigt sie sich entsetzt über 1,80 Euro, die Bürgergeld-Empfänger:innen im Monat für Bildung bekommen. Mit ihrem Experiment teste sie auch, ob sie es sogar schaffe, etwas zu sparen. Denn das ist – wie du spätestens nach unserem Spar-Quiz weißt – super wichtig für deine Rente.
Beim Bürgergeld-Experiment merke sie einen enormen Unterschied zum Hartz4-Experiment. Da habe sie es teilweise sogar geschafft, 100 Euro im Monat zu sparen. „Aber das war auch während Corona, also in einer Zeit, in der man nicht viel unternommen hat“, sagt sie. „Jetzt ist nicht nur die Pandemie vorbei, auch die Lebensmittelpreise sind gestiegen. Im ersten Monat meines Bürgergeld-Experiments hatte ich am Ende nur etwa 40,30 Euro übrig.“
@frugal_ist Tag 1 des #Bürgergeldexperiments #frugalismus #finanziellefreiheit #hartz4 #sparen ♬ Originalton - frugal_ist
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Bürgergeld-Experiment soll mindestens bis Weihnachten weitergehen
Auf das Hartz4-Experiment habe sie viele Reaktionen bekommen, erzählt Kathrin. Die seien sehr gemischt gewesen, sagt sie. Von Jobcenter-Mitarbeitenden, die ihr Tipps gaben, wofür sie zusätzlich Geld beantragen könne, bis hin zu einigen traurigen Geschichten von armutsbetroffenen Familien, die mit Hartz4 überhaupt nicht über die Runden kommen, sei alles dabei gewesen.
Einige Hartz4-Empfänger:innen reagierten jedoch positiv auf ihr Experiment. Und nicht nur sie. Auch Normalverdiener:innen habe Kathrins Umgang mit Geld beeinflusst. „Eine Familie hat mir geschrieben, dass sie dank meiner Tipps 4000 Euro in einem Jahr einsparen konnte“, erzählt Kathrin. Dass sie Leute dazu inspirieren könne, weniger zu konsumieren, freue sie enorm.
Mindestens noch bis Dezember will Kathrin ihr Bürgergeld-Experiment gerne weitermachen. „Es wäre cool, mal einen Weihnachtsmonat dabei zu haben, denn Geschenke sind ja nicht gerade billig“, sagt sie zu BuzzFeed News Deutschland. Da sei es gut, dass sich ihre Familie da nicht so viel schenke.
Warum wir uns an Weihnachten überhaupt etwas schenken und wie viel für Kinder gut ist, erfährst du übrigens hier.
(Mit Material der dpa)
Rubriklistenbild: © Screenshot TikTok @frugal_ist

