VonGiorgia Grimaldischließen
Menschen gehen nicht mehr arbeiten, sondern beantragen lieber Bürgergeld – befürchten zumindest einige. Doch was ist dran?
Seit Januar 2023 ersetzt das Bürgergeld Hartz IV (Arbeitslosengeld II). Die Nachricht sorgte für Kritik, obwohl diese Reaktionen zeigen, wie wichtig die Veränderungen waren. Das Bürgergeld sorgt elf Monate später noch immer für Streit. So auch am 14. November, als Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in der WDR-Talkshow „hart aber fair“ für die Erhöhung des Bürgergelds um zwölf Prozent ab 2024 kritisiert wurde. Kritiker:innen befürchten, dass diese Anhebung für viele Arbeit unattraktiv machen könnte. Doch Heil ließ dieses Argument nicht gelten.
Heil stellte klar, dass das Bürgergeld kein bedingungsloses Grundeinkommen sei, sondern eine Sozialleistung für Bedürftige und betonte: Dass das Bürgergeld zum 1. Januar steigt, sei keine politische Idee, sondern ein Mechanismus, der mit der hohen Inflation dieses Jahres, die aktuell wieder zurückgeht, zu tun habe.
Mehr dazu: Du hast keine Ahnung von Bürgergeld? Dann sind hier 7 schnelle Fakten, die du wissen solltest
Was lohnt sich mehr: Bürgergeld oder arbeiten mit Mindestlohn?
Dennoch stellen wir uns die Frage: Was ist dran an dem Vorwurf? Lohnt es mehr, einen Job mit Mindestlohn auszuüben oder Bürgergeld beziehen? BuzzFeed News Deutschland rechnet für dich.
Beispielrechnung: Bürgergeld versus Mindestlohn
Ein kinderloser 32-jähriger Single, nennen wir ihn Max, der in Düsseldorf 40 Stunden pro Woche zum Mindestlohn von zwölf Euro arbeitet, verdient in einem Monat in etwa 2078 Euro brutto. Nach Abzügen der Lohnsteuer und Sozialabgaben bleiben in etwa 1500 Euro monatlicher Nettolohn übrig.
Laut Statistischen Bundesamt geben Deutsche im Durchschnitt 27,8 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für Mietkosten aus. Somit belaufen sich Max Mietkosten in dieser Beispielrechnung auf 417 Euro. Dazu kommen noch im Schnitt 97 Euro Nebenkosten (Heizung, Warmwasser und so weiter). Somit hat Max 989 Euro für Ernährung, Kleidung, Körperpflege und Freizeit übrig.
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Wie sieht es beim Bürgergeld aus?
Ein kinderloser Single, der in Deutschland Bürgergeld bezieht, nennen wir in Moritz, hat dafür nur 502 Euro pro Monat zur Verfügung. So hoch ist 2023 der Regelsatz. Zusätzlich übernimmt der Staat die tatsächlichen Kosten für Unterkunft und Heizung, soweit sie angemessen sind. Die Leistungen orientieren sich am Niveau der Mieten auf dem örtlichen Wohnungsmarkt.
Ob der Mietbetrag angemessen ist, entscheidet das jeweils zuständige Jobcenter. Moritz würde in Düsseldorf laut örtlichem Jobcenter einen Maximalbetrag für Mietausgaben in Höhe von 528 Euro erhalten. Somit hat Moritz in dieser Beispierechnung etwa 1030 Euro monatlich zur Verfügung.
502 € (Bürgergeld Single-Satz) + 528 € (Mietkosten) = 1030 €
Auch mit der kommenden Erhöhung des Bürgergelds um zwölf Prozent, was einem Single-Regelsatz von 563 Euro entspricht, haben Arbeitnehmer:innen immer noch 409 Euro mehr zur Verfügung. Auch der Mindestlohn soll zum 1. Januar 2024 auf 12,41 Euro pro Stunde steigen.
Mit Bürgergeld ab 2024: 563 € (Neuer Single-Satz) + 528 € (Mietkosten) = 1091 €
Mit Job auf Mindestlohnbasis 2024: 2153 Euro brutto. etwa 1500 € (Netto-Einkommen)
Differenz: 1536 € - 1091 € = 445 €
Max hat nicht nur mehr Geld zur Verfügung als Moritz, sondern auch einen Vorteil bei der Rente. Während Moritz Bürgergeld erhält, führt das Jobcenter keine Beiträge an die Rentenversicherung für ihn ab. Auf diese Weise entsteht eine Lücke in Moritz Rentenversicherung.
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