Neue Probleme für Putin

Explosionsserie im Ukraine-Krieg: Russlands Schießpulverfabriken fangen Feuer – gezielte Sabotage?

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Zwischenfälle in Russland könnten Putins Nachschub im Ukraine-Krieg gefährden. Die Verluste im Krieg sind gegenwärtig hoch, Brände könnten derweil die Spitze des Widerstands sein.

Moskau – Jeden Tag werden im Ukraine-Krieg unzählige Geschosse in Richtung des Feindes geschickt und Wladimir Putin steht wegen der Kriegskosten zunehmend unter Druck. Zwar vermeidet Russlands Präsident Wladimir Putin wegen der Verluste im Krieg in der Ukraine eine weitere Mobilmachung, allerdings werden im Staatshaushalt immer weitere Summen für Panzer und weiteres Kriegsgerät reserviert. Da sich der Ukraine-Krieg nach knapp 20 Monaten zunehmend zu einem Stellungskrieg entwickelt, ist gegenwärtig eine große Menge an Munition und eine zuverlässige Versorgung mit Nachschub erforderlich. Doch genau da gibt es wohl Probleme – und zwar der explosiven Art.

Putins Probleme im Ukraine-Krieg häufen sich: Schießpulverfabrik geht in Flammen auf

Wie die Nachrichtenseite Newsweek in einem Beitrag berichtet, soll es in Zentralrussland, in der Stadt Kotowsk, knapp 500 Kilometer südlich von Moskau, zu einem Zwischenfall in einer Schießpulverfabrik gekommen sein. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist dies wohl kein Einzelfall. Immer wieder werden Putins Einrichtungen durch Brände oder Explosionen lahmlegt. Ortsansässige Blogger, die in dem Beitrag zitiert werden, machten zuerst auf den jüngsten Vorfall am Freitagabend, dem 10. November, aufmerksam.

Russische Soldaten an der Front des Ukraine-Kriegs. Für Putins Armee könnte wegen Zwischenfällen in Russland der Nachschub gefährdet sein. (Archivbild)

Was in den öffentlichen Medien des Landes immer wieder als technische Zwischenfälle klassifiziert wird, könnte in Wahrheit auch andere Ursachen haben. Die unabhängige russischsprachige Nachrichtenagentur Werstka machte bereits im Dezember 2022 auf eine Häufung von Vorfällen aufmerksam, die insgesamt 72 Militäreinrichtungen Russland betroffen hat. In zahlreichen Stützpunkten, Lagerhäusern und Rekrutierungsbüros waren damals Brände ausgebrochen. Laut Werstka konnte auf Basis von Open-Source-Daten Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

Zerstörte Panzer im Ukraine-Krieg: Putin muss Verluste ausgleichen und Nachschub garantieren

Ein auffälliges Muster bei den Vorfällen in Russland: Die Anzahl der Brände in militärnahen Einrichtungen nahmen zu, nachdem Putin im September 2022 eine Teilmobilmachung angekündigt hatte. Schon damals waren die Verluste im Ukraine-Krieg groß: Die ukrainischen Verteidiger schalteten regelmäßig Putins Panzer aus und konnten den Aggressor zunehmend zurückdrängen. Der russische Präsident steckte in einem Dilemma. Einerseits brauchte er Nachschub für die Kämpfe in der Ukraine, andererseits blieb der schnelle Erfolg für die russische Armee aus.

Wer für die Brände in Russlands Militäreinrichtungen verantwortlich ist, bleibt indes ungewiss. Vermutungen deuten darauf hin, dass der Widerstand in Russland eine Rolle bei den Vorfällen spielen könnte. So verkündete ein kremlkritischer Telegram-Kanal am Samstag nach dem Brand in der Schießpulverfabrik, dass „Russlands militärisch-industrieller Komplex ein legitimes Ziel“ für entsprechende Gruppierungen sei. Welche Relevanz der Widerstand gegen Putin in Russland aktuell tatsächlich einnimmt, lässt sich gegenwärtig nicht unabhängig überprüfen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Unmut wegen des Ukraine-Kriegs wächst.

Sabotage in Russland wegen Ukraine-Krieg? Putin beschuldigt regelmäßig Kiew

Russland selbst hat der Ukraine in der Vergangenheit häufig vorgeworfen, seine Einrichtungen gezielt mit Kommandoaktionen anzugreifen, allerdings dementiert Kiew in der Regel Verstrickungen in entsprechende Vorfälle. Während weitere Vorfälle in Russland auf lange Sicht den Nachschub für den Ukraine-Krieg und die Lage gefährden könnten, gab sich die russische Führung in dem Konflikt weiter siegesgewiss. Zuletzt hatte Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, davor gewarnt, dass sich Putins Armee auf den Winter vorbereiten würde.

In den kommenden Monaten könnte Russland versuchen, gezielt die Infrastruktur der Ukraine mit Drohnen- und Raketenangriffen zu eliminieren. Zur kritischen Infrastruktur gehören etwa Heizkraftwerke und die Stromversorgung, deren Ausfall insbesondere während der kalten Monate weitreichende Folgen haben kann. Zuletzt soll es bei Putins Armee zudem einen Strategiewechsel gegeben haben: Russland setzt wohl wieder verstärkt auf Infanterieeinheiten. (fbu/mit dpa)

Rubriklistenbild: © Alexei Konovalov/Tass/IMAGO

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