Fake News zur Bundestagswahl: Wie Russland Deutschland beeinflusst
VonLaura May
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Eine russische Desinformationskampagne stört den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025. Etwa mit Falschmeldungen zu Annalena Baerbock oder Migration.
Berlin – Skurrile Nachrichten zur Bundestagswahl machen die Runde. Annalena Baerbock soll angeblich einen Gigolo getroffen haben, Robert Habeck wird beschuldigt, eine Frau missbraucht zu haben, und 500.000 Bundeswehrsoldaten seien angeblich für einen Einsatz in Osteuropa mobilisiert worden. Zudem wird behauptet, Kenia bringe 1,9 Millionen Migranten nach Deutschland, und FDP-Politiker Marcus Faber sei ein russischer Spion.
Diese Meldungen haben eines gemeinsam: Sie sind Teil einer russischen Desinformationskampagne mit dem Codenamen „Storm-1516“, die seit drei Monaten den Wahlkampf zur Bundestagswahl beeinflusst. Die Falschmeldungen werden mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und sogenannten Deepfakes erstellt und über gefälschte Nachrichtenseiten sowie rechte Influencer verbreitet.
Russischer Einfluss auf die Bundestagswahl 2025 wird von Militärgeheimdienst gestützt
Recherchen von Correctiv zeigen, dass hinter „Storm-1516“ ein ehemaliger US-Polizist, die frühere russische Trollfabrik Internet Research Agency (IRA) und der russische Militärgeheimdienst GRU stecken. In Zusammenarbeit mit Newsguard und dem Online-Rechercheprojekt Gnida wurden über hundert deutschsprachige Webseiten mit Falschmeldungen enttarnt.
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Seit Sommer 2024 produziert „Storm 1516“ bereits Falschnachrichten für Deutschland. „So zum Beispiel im Juli 2024 die Behauptung, in eine Berliner Moschee sei ein Schweinekopf in einer Palästina-Flagge mit der Aufschrift ‚Ukraine steht für Israel‘ geworfen worden“, berichtet Correctiv. Der Fokus liegt aktuell auf der Beeinflussung der Bundestagswahlen 2025.
Stimmung zu Bundestagswahl wird mit Fake-News zu Massenmigration aus Kenia aufgeheizt
Diese Fake-Nachrichten erscheinen auf erfundenen Plattformen wie „Berliner Wochenzeitung“, „Scheinwerfer“ oder „Unabhängiger Nachrichtendienst“. Seit dem 19. November haben die Verantwortlichen laut der Recherche mindestens 99 weitere solcher Domains in drei Wellen eingerichtet. Unabhängig wirkende Influencer verbreiten die Meldungen dann auf X oder Telegram.
Ein weiteres Beispiel für eine Falschmeldung: Am 19. Dezember 2024 erschien auf der Webseite „Presseneu“ eine besondere Falschinformation. Sie behauptet, ein Migrationsabkommen zwischen Deutschland und Kenia bringe knapp zwei Millionen Migranten nach Deutschland. Solche Nachrichten sollen die Stimmung vor der Bundestagswahl anheizen.
Manipulationskampagne gründet auf Trollfabrik von Jewgenij Prigoschin
Die meisten Seiten der Manipulationskampagne seien derzeit noch inaktiv im Netz und warten wie Schläferzellen auf ihren Einsatz. Solche Angriffe könnten erheblichen Einfluss auf die Bundestagswahl haben. Auch wenn Meldungen später als Fakes entlarvt werden, verbreiten sie sich bereits im Internet.
Laut Correctiv steckt hinter „Storm 1516“ unter anderem die von Jewgeni Prigoschin gegründete Trollfabrik Internet Research Agency (IRA). Nach Prigoschins Tod im Juni 2023 soll ein Teil dieses Apparats in die Kampagne „Storm-1516“ übergegangen sein. Das Threat Analysis Center von Microsoft kommt laut der New York Times zu diesem Schluss. Die Kampagne wird angeblich vom russischen Militärgeheimdienst GRU gesteuert.
Erst US-Wahl 2024, jetzt Bundestagswahl 2025: Russische Fake-News manipulieren weltweit
„Storm-1516“ habe bereits Einfluss auf die US-Wahl 2024 genommen, etwa durch ein Video über eine Frau, die angeblich 2011 von der demokratischen Kandidatin Kamala Harris bei einem Autounfall mit Fahrerflucht verletzt worden sein soll und seitdem im Rollstuhl sitze.
Correctiv und Newsguard legen nahe, dass dasselbe Netzwerk wie in den USA auch hinter den deutschsprachigen Webseiten steckt. Diese Recherchen bestätigen die bestehende Angst vor politischem Einfluss aus Russland. Im November warnte das Bundesamt für Verfassungsschutz vor möglichen Versuchen der Einflussnahme durch fremde Staaten auf die Bundestagswahl 2025. (lm)