VonJana Stäbenerschließen
Um im Alter mal genug Geld zu haben, braucht es schon jetzt einen Sparplan. Eine Finanzapp-Gründerin weiß, wie der aussehen kann.
Viele – auch junge Menschen – fragen sich, wann sie in Rente gehen können. Viel wichtiger ist allerdings die Frage, wie hoch unsere Rente irgendwann einmal ausfällt. Das findet zumindest die Finanzexpertin und Fabit-Gründerin Susanne Krehl im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. Sie plädiert dafür, immer genau zu tracken, was wir wann ausgeben. So können wir mit Finanz-Apps unsere Rente verbessern.
„Wenn wir im Alter nicht arm sein wollen, dann müssen wir im Hier und Jetzt unsere Finanzen kontrollieren. Uns muss klar sein: Was will ich? Haus, Reisen, Kinder, Hobbys? Und dann müssen wir Prioritäten setzen“, sagt die 37-Jährige. Am Ende sei egal, ob man das mit einem schriftlichen Haushaltsbuch mache oder eben per App. „Viele haben keinen Spaß daran, aber wenn man sich proaktiv ein bis zwei Stunden die Woche mit seinen Finanzen beschäftigt, ist das langfristig ganz entspannt.“
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Rente: Wie viel müssen wir zurücklegen?
Doch wie viel müssen wir für unsere Rente zurücklegen? Dafür müssen wir erst einmal unsere Rentenlücke berechnen, indem wir uns unsere Renteninformation anschauen. „Wir gewöhnen uns an unsere Lebensstandards. Wer sein Leben in Rente genauso wie vorher weiterleben möchte, muss mit einer Rente von 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens rechnen. Das deckt die gesetzliche Rente nicht ab. Das, was fehlt, bezeichnet man als Rentenlücke“, erklärt Krehl.
Um diese Rentenlücke zu schließen, gebe es eine Faustregel namens 50:30:20. „Die Hälfte deines Einkommens geht für Grundbedürfnisse wie Wohnen und Essen raus. 30 Prozent sind für Wünsche und persönliche Bedürfnisse und 20 Prozent für Ersparnisse.“ Verdient eine Person netto 2000 Euro, so bedeutet das: 1000 Euro können für Miete und Lebensmittel ausgegeben werden, 600 Euro für Klamotten, Unterhaltung und Co. und etwa 400 Euro müssen zurückgelegt werden. Sie können dabei in folgende Dinge fließen:
- Private Rentenversicherungen
- Festgeld-Konten
- Staatsanleihen
- ETFs
- Einzel-Aktien
- Kryptowährungen
„Ganz wichtig: Nur Geld, das man verlieren kann, sollte man in risikoreiche Investments stecken“, warnt die Finanzexpertin jedoch. Gerade Business-Angel-Investments (also die Investition in Start-ups) oder sehr risikoreiche Aktien solle man für die Altersvorsorge lieber meiden. Besser seien da ETFs als eine risikoarme Anlagenklasse. Aber auch sie seien Schwankungen ausgesetzt. „Momentan gibt es bei vielen Banken auch wieder Zinsen auf Festgeld, aber da sollte einem bewusst sein: Das ist am Ende nur ein Inflationsausgleich.“
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Welche Anlage für die Rente ist die beste für mich?
Krehl warnt davor, vor lauter Geld anlegen, den Alltag zu vergessen. Gerade bei Festgeldkonten mit langer Laufzeit (die momentan wieder um die zwei bis vier Prozent Zinsen geben) sollte man aufpassen. „Ein Polster von etwa drei Monatsgehältern sollte immer auf dem Tagesgeldkonto sein. Psychologisch getrennt, damit es nicht in die monatliche Budgetplanung rutscht.“
Wer in Aktien investieren wolle, müsse sich bewusst sein, dass der Kurs stark schwanke. „Man darf bei Aktien gerade nicht verkaufen, wenn es nach unten geht und muss die Angst vor Verlusten aushalten.“ Wer das nicht könne, für den seien Aktien wohl eher nichts, sondern eher private Rentenversicherungen oder Staatsanleihen (liegen momentan für Deutschland auch bei etwa drei Prozent).
Eigentlich sei egal, was man mache und wie viel Geld man im Monat verdiene. Für die Rente zurücklegen könne jede:r. Und müsse auch jede:r. „Wir können darauf hoffen, dass es politische Lösungen gibt, wie die Aktienrente. Oder wir ergreifen eben selbst die Initiative“, sagt Krehl. „Worst-Case-Szenario ist, dass wir im Alter mehr Geld haben, als notwendig. Davon können wir dann reisen gehen oder andere schöne Dinge tun.“
Besser jedenfalls, als im Alter in eine Armutsfalle zu tappen, so wie junge Menschen, die sich nicht mit ihrer Rente beschäftigen.
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