VonStefan Brändleschließen
Präsident Macron lädt zu geheimen Geiselverhandlungen nach Paris ein. Die Unterhändler scheinen „vorsichtig optimistisch“, was einen Geisel-Deal zwischen Israel und der Hamas angeht.
Paris – Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versucht offenbar mit Erfolg, die festgefahrenen Verhandlungen über den Gazastreifen mit einer Gesprächsrunde in Paris neu zu lancieren. Wie und wo genau, bleibt vertraulich. Gesichert scheint nur, dass der CIA-Chef William Burns seinen Geheimdienstkollegen aus Ägypten sowie Katars Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, trifft. Letzterer vertritt auch die Standpunkte der Hamas, deren Anführer in Paris nicht zugegen sind. Nur so zeigten sich die Israelis bereit, die Spitzen ihrer Geheimdienste Mossad und Schin Bet nach Paris zu entsenden.
Laut Eingeweihten soll ein Entwurf für einen Deal vorliegen. Der sehe eine Waffenruhe über zwei Monate vor. Israel solle dafür 100 Geiseln aus den Händen der Hamas freibekommen. Im ersten Monat sollten Verletzte, Alte und Frauen freikommen, im zweiten dann auch Männer und Militärs. Die Unterhändler seien „vorsichtig optimistisch“, heißt es.
Vieles hängt von den Verhandlungen ab – auch die Macht von Benjamin Netanjahu
Dieses Abkommen würde das Geiseldrama aber auch nicht endgültig lösen: Laut der Israelis befinden sich noch 132 ihrer Landsleute in den Händen der Hamas. 28 sollen umgekommen sein. In diplomatischen Kreisen besteht die Hoffnung, dass diese zwei Monate Pause wenigstens lang genug sein sollten, um dann eine Wiederaufnahme der Kämpfe zu verhindern.
Die Hamas hatte bislang immer viel weitergehende Konzessionen der Gegenseite verlangt, so vor allem eine unbefristete Feuerpause. Deshalb gilt als entscheidend für die Pariser Gespräche, wie weit Ägypten und Katar in Absprache mit der Hamas zu gehen gewillt sind. Um Druck zu machen, hat die islamistische Palästinensermiliz im Vorfeld des Pariser Treffens ein neues Video mit drei israelischen Soldatengeiseln veröffentlicht.
Unter Druck steht allerdings nicht nur die Hamas, sondern auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Am Samstagabend forderten in Tel Aviv wieder Tausende den Rücktritt des Regierungschefs. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen und Festnahmen. (Stefan Brändle)
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