Umfragehoch der AfD

Merz schimpft auf Gender-Sprache: „Hunderte Stimmen mehr für die AfD“ – Welle der Kritik folgt

Die rechtspopulistische AfD erzielte in Umfragen zuletzt Höchstwerte. Laut CDU-Chef Friedrich Merz ist das Gendern schuld.

Berlin – Die AfD befindet sich in einem Umfragehoch. In der Befragung des Instituts Insa für Bild am Sonntag kam die Partei auf den Höchstwert von 19 Prozent und lag damit gleichauf mit der SPD. Ein Schuldiger ist zumindest aus Sicht des CDU-Chefs Friedrich Merz schnell gefunden: die Gendersprache. In einem Twitter-Beitrag führt er seine Gedanken genauer aus und bekommt über zehntausend „Likes“, aber auch viel Gegenwind.

Friedrich Merz (CDU) am 26. Mai 2023 im Deutschen Bundestag (Archivbild).

Das Umfrageergebnis von 19 Prozent war der höchste Wert, den ein Meinungsforschungsinstitut bislang für die AfD gemessen hat. Der Gebrauch der geschlechterneutralen Sprache ist laut Merz einer der Gründe für das Erstarken der Rechtspopulisten in Meinungsumfragen. „Mit jeder gegenderten Nachrichtensendung gehen ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD“, schrieb er am Samstag in seinem wöchentlichen Newsletter „MerzMail“. Einen entsprechenden Auszug postete der CDU-Chef auch auf Twitter. „Gegenderte Sprache und identitäre Ideologie werden von einer großen Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr nur im Stillen abgelehnt“, so Merz weiter. Sie würden als „übrgriffig empfunden.“

Reaktionen auf Merz: „Die Situation ist ernst und er geistert nur hetzend durch die Gegend!“

„Mit jedem solcher Tweets gehen ebenfalls ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD“, schrieb ein Twitter-Nutzer ironisch unter den Beitrag des CDU-Chefs. Doch Merz bekam nicht nur Gegenwind. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich am Wochenende ähnlich. „In der Ukraine herrscht Krieg, und wir kümmern uns um Nebensächlichkeiten wie gendergerechte Sprache. Das ist doch absurd“, so der CDU-Politiker. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte indes die Äußerungen des CDU-Chefs Merz als „blanken Populismus“.

„Die Situation ist ernst und er geistert nur hetzend durch die Gegend“, schrieb die Grünen-Politikerin Renate Künast auf Twitter. „Wie wärs mal mit Konzepten?“, fragte Künast weiter und warf Merz vor, der AfD „durch Hetze Stimmen zuzutreiben“. Neben der Gendersprache machte Merz in seinem Newsletter auch eine „schwache und beständig streitende Regierung“ als Grund für das Erstarken der AfD aus. „Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen und monokausalen Schuldzuweisungen sollten alle demokratischen Parteien auch gemeinsam überlegen, wie wirksame Strategien gegen die AfD aussehen“, kommentierte Grünen-Chefin Ricarda Lang auf Twitter. Jeder trage ein Stück Verantwortung, schrieb Lang weiter.

Umfragehoch für rechtspopulistische Partei: Diese Gründe nennen AfD-Wähler für ihre Tendenz

Das starke Umfrageergebnis der AfD war offenbar kein Ausrutscher, auch im am Donnerstag veröffentlichten Deutschlandtrend kam die AfD auf 18 Prozent. Eigenen Angaben zufolge entschieden sich die AfD-Wähler wegen des Themas Zuwanderung und Migrationspolitik für diese Partei (65 Prozent), wobei Mehrfachnennungen möglich waren. 47 Prozent nannten Energiepolitik, Umwelt und Klimapolitik als Grund, 43 Prozent Wirtschaft und 29 Prozent Soziales als Gründe für ihre Entscheidung. Diskussionen um Gleichstellung spielten nur für zehn Prozent eine Rolle und die Opposition zur Bundesregierung waren für fünf Prozent ein Grund, wie aus der Deutschlandtrend-Umfrage hervorging.

Besonders stark schnitt die AfD in den ostdeutschen Bundesländern inklusive Berlin ab. Dort kam sie laut Insa-Umfrage auf 30 Prozent, im Westen liegt sie bei 16 Prozent. Im Osten liegt die AfD damit deutlich vor der Union, die bei 25 Prozent notiert. In Erklärungsversuchen zum starken Abschneiden der Partei gelten Unzufriedenheit mit der Ampel, das neue Heizgesetz und die Enttäuschung von „der Politik“ neben Migrationspolitik, Inflation und dem Ukraine-Krieg als naheliegendste Gründe. 67 Prozent der Wähler gaben im Deutschlandtrend an, die AfD aus Enttäuschung über andere Parteien wählen zu wollen. Obwohl sich die Ampel-Koalition in einem Umfragetief befindet, würden sich laut Insa-Umfrage aktuell 25 Prozent für Olaf Scholz (SPD) als Kanzler entscheiden, doch nur 20 Prozent für CDU-Chef Friedrich Merz. (Bettina Menzel)

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