Tübingen-OB Palmer streitet mit AfD-Mann Frohnmaier: Proteste sorgen für Unterbrechung
VonSimon Schröder
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Der Tübingen-OB Boris Palmer trifft auf AfD-Landeschef Markus Frohnmaier. Hier können Sie die Diskussion live im Ticker mitverfolgen.
Update, 21.28 Uhr: Zum Thema Rechtsstaat und Demokratie konfrontiert Palmer den AfD-Landeschef mit einem Zitat von Frohnmaier: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht.“ Palmer verstehe das als eine ganz klare Ansage, dass politische Andersdenkende unter einer AfD-Regierung unterdrückt und entrechtet werden. Frohnmaier erwidert, seine Aussage beziehe sich auf einen Politikstil und nicht auf Menschen. Damit ist das Streitgespräch zwischen Frohnmaier und Palmer beendet.
Update, 21.15 Uhr: Die Debatte wäre jetzt eigentlich zu Ende. Bisher wurden vier Themenblöcke abgehandelt. Aufgrund der Unterbrechung startete die Veranstaltung 45 Minuten später als eigentlich angesetzt. Die beiden letzten Themen werden jetzt im Schnelldurchgang abgehandelt.
Palmer gegen Frohnmeier: Thema Wohnungsbau und Innere Sicherheit und Migration
Update, 21.08 Uhr: Jetzt geht es um den Wohnungsbau. Palmer kritisiert, dass die AfD den Mietendeckel aufheben will. Man merkt, dass Frohnmaier oft nicht auf die Fragen von Palmer eingeht und stattdessen versucht, die Themen in seine Richtung zu lenken. Frohnmaier fordert, dass sich wieder mehr Menschen in Deutschland ein eigenes Haus leisten können müssen. Palmer plädiert für den sozialen Wohnungsbau. Als Beispiel bringt er Wien an, mit der höchsten Sozialwohnungsquote in ganz Europa. Sozialen Wohnungsbau zu streichen und durch Zuschüsse zu ersetzen, wie es die AfD fordert, habe den Effekt, die Preise in die Höhe zu treiben, erklärt Palmer.
Update, 20.54 Uhr: Als Nächstes geht es um das Thema Innere Sicherheit und Migration. Das Hauptmotiv, sich der AfD anzuschließen, sei „Kriminalitätsfurcht“. Palmer zitiert eine Kriminalitätsstatistik. Seit 2020 ist die Kriminalität in Deutschland deutlich zurückgegangen. Palmer kritisiert Frohnmaier scharf für seine Forderung nach „Remigration“. Frohnmaier versucht die Kriminalitätsstatistik zu relativieren und bedient sich am Narrativ der AfD, nicht auf die Zahlen und Fakten einzugehen, sondern appelliert an die Gefühle der Bürgerinnen und Bürger. Frohnmaier stellt Einzeltaten heraus und bringt sie als Beispiel für eine steigende Kriminalität an. Obwohl die Statistik das Gegenteil zeigt.
Thema Klimaschutz: Palmer preist Tübingen - Frohnmaier inszeniert sich als „Technologie offen“
Update, 20.35 Uhr: Boris Palmer erklärt, wie Tübingen beim Klimaschutz mit Beispiel vorangeht. Ein Fragesteller fragt: Wie wolle Tübingen das Klima retten, wenn andere Länder wie China den Klimaschutz vernachlässigen. Der zweite Fragesteller kritisiert die Klimaskepsis der AfD scharf. Die AfD arbeite aktiv gegen den Klimaschutz, obwohl sich die Wissenschaft einig, dass vom Klimawandel eine große Gefahr ausgeht. Die dritte Fragestellerin plädiert für Kernkraftwerke, „um Deutschland wieder sicher und günstig mit Strom zu versorgen.“
Frohnmaier ist an der Reihe. Laut ihm könne Deutschland den Klimawandel nicht alleine stoppen. Er spricht die abgeschalteten Kernkraftwerke an, kritisiert Robert Habecks Heizungsgesetz scharf und wirft den Grünen Ideologie im Klimaschutz vor. Sein Argument: die Klimapolitik schade der Wirtschaft. Auf die reale Gefahr des Klimawandels geht Frohnmaier nicht ein. Palmer erwidert, die Energiekosten seien nicht das Hauptproblem der Wirtschaft. Die Hauptprobleme seien vor allem die Bürokratie und der Fachkräftemangel. Solaranlagen würden deutlich günstiger Strom produzieren als AKWs, erklärt Palmer. Frohnmaier gibt sich als „Technologie offen“. Dennoch macht die AfD regelmäßig Stimmung gegen Solaranlagen und Windkraft.
Themenblock Nummer Eins: Debatte über Meinungsfreiheit zwischen Frohnmaier und Palmer
Update, 20.10 Uhr: Markus Frohnmaier äußert sich nicht direkt zu den Zitaten. Er würde AfD-Mitglieder, die sich ähnlich äußern sollten, sofort rauswerfen. Palmer sagt: „Ich habe eine große Sorge, dass diese teilweise braune Suppe, die da zum Vorschein kommt, bei ihnen geduldet wird.“ Frohnmaier greift Palmer persönlich an und geht auf seine vorherigen Kontroversen ein. Um Meinungsfreiheit geht es bei Frohnmaier eigentlich nicht mehr. Palmer erwidert, die rechte Seite versuche das unsagbare sag bar zu machen. Als nächsten Themenblock geht es um den Klimaschutz.
Update, 20.04 Uhr: Boris Palmer beginnt und legt dem AfD-Landeschef Zitate der AfD vor. „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ Ein Zitat von AfD-Politiker Marcel Grauf. Sei das Meinungsfreiheit fragt Palmer Frohnmaier. Palmer liest weitere Zitate der AfD vor. „Wir sollten eine SA-Gründen und aufräumen. Ist das die Drohung der Wiederkehr rechtsradikaler Schlägertruppen auf unseren Straßen oder Meinungsfreiheit?“ Könne sich Frohnmaier wenigstens von einem dieser Zitate glasklar distanzieren?
Veranstaltung unterbrochen: Debatte zwischen Frohnmaier und Palmer verzögert sich
Update, 19.50 Uhr: Versuch Nummer Zwei. Frohnmaier beginnt seine Ansprache erneut. Um die Meinungsfreiheit sei es in Deutschland nicht gut bestimmt. Der erste Fragesteller kritisiert die Veranstaltung scharf und bezeichnet AfD-Mann Frohnmaier als „AfD-Sau“. Der Schlagabtausch legitimiere die AfD im politischen Diskurs. Die nächste Frage: „Herr Palmer: Sie betonen oft die Bedeutung öffentlicher Debatten, wie bewerten Sie heute die Lage der Meinungsfreiheit in Deutschland (...)?“ Der dritte Fragesteller fragt Palmer welchen Einfluss der OB auf juristische Verfahren habe, etwa wenn Hausdurchsuchungen aufgrund von Social-Media-Beiträgen stattfänden.
Update, 19.47 Uhr: Jetzt ergreift Boris Palmer das Mikrofon. Er dankt der Polizei für ihren Einsatz, und den Protestierenden vor dem Veranstaltungsort. In der Demokratie müsse man miteinander reden. Er habe die Demonstranten im Saal angewiesen, das Gebäude zu verlassen. Sollte es erneut zu einer Störaktion kommen, werde man das Gespräch in einen Ersatzraum verlagern. Dann könnten allerdings die Bürgerinnen und Bürger keine Fragen mehr an Palmer und Frohnmaier stellen.
Update, 19.37 Uhr: Das Gespräch ist vorerst unterbrochen.
Update, 19.35 Uhr: Markus Frohnmaier hat das Wort. Er befürworte Palmers Entscheidung, sich auf eine Diskussion mit ihm einzulassen. Frohnmaier kritisiert, dass man in Deutschland seine Meinung nicht mehr sagen dürfe, ein populistisches Narrativ, dessen sich die AfD immer wieder bedient. Während seiner Ansprache werden die Proteste in der Halle immer lauter. Da die Kamera auf das Podium gerichtet ist, ist nicht erkennbar, was sich im Hintergrund abspielt. Einige Menschen stehen nun vor der Kamera und filmen das Geschehen im Hintergrund. Die Parole „Nazis raus“ wird skandiert.
Palmer-Frohnmaier-Streitgespräch: Chaos im Saal – Protestierende stören die Debatte
Update, 19.24 Uhr: Jetzt geht das Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier offiziell los. Das erste Thema, um das es geht, ist die Meinungsfreiheit. Die Anwesenden vor Ort dürfen den beiden Kontrahenten ihre Fragen stellen.
Update, 19.20 Uhr: Moderator Knape versucht einleitend noch ein paar Worte zu sagen und erinnert an die Weimarer Republik und das Dritte Reich. Erneut wird es laut im Saal, erneut werden Parolen gegen AfD-Mann Frohnmaier skandiert.
Update, 19.13 Uhr: Als AfD-Landeschef Markus Frohnmaier vom Moderator vorgestellt wird, wird es laut im Saal. Buhrufe und der Slogan „Raus aus Tübingen, Nazis raus“ wird skandiert.
Update, 19.09 Uhr: Jetzt geht es los. Boris Palmer sitzt rechts, sein Kontrahent Markus Frohnmaier links vom Moderator.
Update, 19.07 Uhr: Gleich dürfte es losgehen. Der Livestream läuft, doch wie es scheint, gibt es noch ein paar Probleme mit der Technik. Moderator Joachim Knape erklärt, dass es in zwei bis drei Minuten losgehen werde.
Proteste vor der Veranstaltung: Palmer-Frohnmaier-Debatte polarisiert Tübingen
Update, 18.57 Uhr: Nahe dem Veranstaltungsort haben sich zahlreiche Protestierende eingefunden, die gegen das Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier demonstrieren. Laut dem SWR werden bis zu 1500 Teilnehmende erwartet. Die Polizei und zusätzliche Ordner sollen das Gebäude sichern. Gegenüber Bild sagte ein Polizeisprecher: „So einen Einsatz hatten wir hier noch nicht – dass eine Podiumsdiskussion zwischen Politikern stattfindet, mit so einer Gegendemonstration. Aber wir sind gewappnet und mit genügend Kräften vor Ort.“
Update, 18.45 Uhr: Bald dürfte das Streitgespräch zwischen Boris Palmer und Markus Frohnmaier losgehen. Auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Stadt Tübingen kann man die Debatte verfolgen – oder hier live im Ticker.
Erstmeldung: Tübingen – Eine mit Spannung erwartete öffentliche Diskussionsrunde zwischen dem parteilosen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) und dem AfD-Landeschef Markus Frohnmaier sorgt für Aufsehen in der Universitätsstadt. Die Veranstaltung am kommenden Freitagabend hat nicht nur das Interesse der Bürger geweckt, sondern auch die Polizei auf den Plan gerufen.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Die Wurzeln dieser ungewöhnlichen Debatte reichen zurück bis in den Juli dieses Jahres. Damals hatte die AfD eine Demonstration in der Tübinger Innenstadt geplant, was bei lokalen Einzelhändlern Befürchtungen über mögliche Umsatzeinbußen auslöste. Die AfD bot an, auf die geplante Demonstration zu verzichten – unter der Bedingung, dass Palmer sich zu einer öffentlichen Diskussion mit AfD-Abgeordneten bereit erkläre. Der Oberbürgermeister nahm dieses Angebot an.
Boris Palmer, seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen, ist bekannt für seine streitbare Art und pointierten Äußerungen. Der 53-Jährige verließ 2023 nach mehreren Kontroversen die Grünen. Ihm gegenüber steht Markus Frohnmaier, seit 2017 Bundestagsabgeordneter der AfD und seit 2022 Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbands seiner Partei ist. Frohnmaier, der als enger Vertrauter von AfD-Parteichefin Alice Weidel gilt, wird dem rechten Flügel der AfD zugerechnet. Bei der kommenden Landtagswahl am 8. März 2026 tritt er als Ministerpräsidentenkandidat an.
Ereignis
Öffentliches Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier
Datum
Freitag, 5. September 2025
Uhrzeit
19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Ort
Hermann-Hepper-Halle (Tübingen)
Teilnehmer
Boris Palmer, Markus Frohnmaier
Moderation
Joachim Knape
Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr beginnt und ist auf gut zwei Stunden angesetzt. In dieser Zeit werden sich Palmer und Frohnmaier sechs verschiedenen Themenblöcken widmen: Meinungsfreiheit, Klimaschutz, Innere Sicherheit und Migration, Wohnungsbau und Soziales, Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg sowie Demokratie und Rechtsstaat. Die Redezeit der Diskutanten wird genau überwacht. Die Moderation liegt in den Händen von Joachim Knape, Professor für Rhetorik an der Universität Tübingen.
Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (parteilos) tritt gegen den AfD-Landeschef von Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier in einem Streitgespräch an.
Das öffentliche Interesse an der Diskussion ist groß. Die Veranstaltung, die vor rund 700 Menschen in einer Halle stattfindet, ist bereits restlos ausverkauft. Auch dem Publikum soll die Möglichkeit gegeben werden, sich in die Debatte einzubringen. Darüber hinaus wird das Event live im Stream übertragen.
Die Ankündigung der Veranstaltung hat in Tübingen nicht nur Interesse, sondern auch Kontroversen ausgelöst. Die Polizei bereitet sich auf mehrere Gegendemonstrationen vor. Unabhängig vom Ausgang der Debatte dürfte die Veranstaltung noch lange für Gesprächsstoff in Tübingen und darüber hinaus sorgen. (sischr/dpa)