Live-Ticker des Schlagabtauschs

Tübingen-OB Palmer streitet mit AfD-Mann Frohnmaier: Proteste sorgen für Unterbrechung

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Der Tübingen-OB Boris Palmer trifft auf AfD-Landeschef Markus Frohnmaier. Hier können Sie die Diskussion live im Ticker mitverfolgen.

Update, 21.28 Uhr: Zum Thema Rechtsstaat und Demokratie konfrontiert Palmer den AfD-Landeschef mit einem Zitat von Frohnmaier: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht.“ Palmer verstehe das als eine ganz klare Ansage, dass politische Andersdenkende unter einer AfD-Regierung unterdrückt und entrechtet werden. Frohnmaier erwidert, seine Aussage beziehe sich auf einen Politikstil und nicht auf Menschen. Damit ist das Streitgespräch zwischen Frohnmaier und Palmer beendet.

Update, 21.15 Uhr: Die Debatte wäre jetzt eigentlich zu Ende. Bisher wurden vier Themenblöcke abgehandelt. Aufgrund der Unterbrechung startete die Veranstaltung 45 Minuten später als eigentlich angesetzt. Die beiden letzten Themen werden jetzt im Schnelldurchgang abgehandelt.

Palmer gegen Frohnmeier: Thema Wohnungsbau und Innere Sicherheit und Migration

Update, 21.08 Uhr: Jetzt geht es um den Wohnungsbau. Palmer kritisiert, dass die AfD den Mietendeckel aufheben will. Man merkt, dass Frohnmaier oft nicht auf die Fragen von Palmer eingeht und stattdessen versucht, die Themen in seine Richtung zu lenken. Frohnmaier fordert, dass sich wieder mehr Menschen in Deutschland ein eigenes Haus leisten können müssen. Palmer plädiert für den sozialen Wohnungsbau. Als Beispiel bringt er Wien an, mit der höchsten Sozialwohnungsquote in ganz Europa. Sozialen Wohnungsbau zu streichen und durch Zuschüsse zu ersetzen, wie es die AfD fordert, habe den Effekt, die Preise in die Höhe zu treiben, erklärt Palmer.

Update, 20.54 Uhr: Als Nächstes geht es um das Thema Innere Sicherheit und Migration. Das Hauptmotiv, sich der AfD anzuschließen, sei „Kriminalitätsfurcht“. Palmer zitiert eine Kriminalitätsstatistik. Seit 2020 ist die Kriminalität in Deutschland deutlich zurückgegangen. Palmer kritisiert Frohnmaier scharf für seine Forderung nach „Remigration“. Frohnmaier versucht die Kriminalitätsstatistik zu relativieren und bedient sich am Narrativ der AfD, nicht auf die Zahlen und Fakten einzugehen, sondern appelliert an die Gefühle der Bürgerinnen und Bürger. Frohnmaier stellt Einzeltaten heraus und bringt sie als Beispiel für eine steigende Kriminalität an. Obwohl die Statistik das Gegenteil zeigt.

Thema Klimaschutz: Palmer preist Tübingen - Frohnmaier inszeniert sich als „Technologie offen“

Update, 20.35 Uhr: Boris Palmer erklärt, wie Tübingen beim Klimaschutz mit Beispiel vorangeht. Ein Fragesteller fragt: Wie wolle Tübingen das Klima retten, wenn andere Länder wie China den Klimaschutz vernachlässigen. Der zweite Fragesteller kritisiert die Klimaskepsis der AfD scharf. Die AfD arbeite aktiv gegen den Klimaschutz, obwohl sich die Wissenschaft einig, dass vom Klimawandel eine große Gefahr ausgeht. Die dritte Fragestellerin plädiert für Kernkraftwerke, „um Deutschland wieder sicher und günstig mit Strom zu versorgen.“

Frohnmaier ist an der Reihe. Laut ihm könne Deutschland den Klimawandel nicht alleine stoppen. Er spricht die abgeschalteten Kernkraftwerke an, kritisiert Robert Habecks Heizungsgesetz scharf und wirft den Grünen Ideologie im Klimaschutz vor. Sein Argument: die Klimapolitik schade der Wirtschaft. Auf die reale Gefahr des Klimawandels geht Frohnmaier nicht ein. Palmer erwidert, die Energiekosten seien nicht das Hauptproblem der Wirtschaft. Die Hauptprobleme seien vor allem die Bürokratie und der Fachkräftemangel. Solaranlagen würden deutlich günstiger Strom produzieren als AKWs, erklärt Palmer. Frohnmaier gibt sich als „Technologie offen“. Dennoch macht die AfD regelmäßig Stimmung gegen Solaranlagen und Windkraft.

Themenblock Nummer Eins: Debatte über Meinungsfreiheit zwischen Frohnmaier und Palmer

Update, 20.10 Uhr: Markus Frohnmaier äußert sich nicht direkt zu den Zitaten. Er würde AfD-Mitglieder, die sich ähnlich äußern sollten, sofort rauswerfen. Palmer sagt: „Ich habe eine große Sorge, dass diese teilweise braune Suppe, die da zum Vorschein kommt, bei ihnen geduldet wird.“ Frohnmaier greift Palmer persönlich an und geht auf seine vorherigen Kontroversen ein. Um Meinungsfreiheit geht es bei Frohnmaier eigentlich nicht mehr. Palmer erwidert, die rechte Seite versuche das unsagbare sag bar zu machen. Als nächsten Themenblock geht es um den Klimaschutz.

Update, 20.04 Uhr: Boris Palmer beginnt und legt dem AfD-Landeschef Zitate der AfD vor. „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ Ein Zitat von AfD-Politiker Marcel Grauf. Sei das Meinungsfreiheit fragt Palmer Frohnmaier. Palmer liest weitere Zitate der AfD vor. „Wir sollten eine SA-Gründen und aufräumen. Ist das die Drohung der Wiederkehr rechtsradikaler Schlägertruppen auf unseren Straßen oder Meinungsfreiheit?“ Könne sich Frohnmaier wenigstens von einem dieser Zitate glasklar distanzieren?

Veranstaltung unterbrochen: Debatte zwischen Frohnmaier und Palmer verzögert sich

Update, 19.50 Uhr: Versuch Nummer Zwei. Frohnmaier beginnt seine Ansprache erneut. Um die Meinungsfreiheit sei es in Deutschland nicht gut bestimmt. Der erste Fragesteller kritisiert die Veranstaltung scharf und bezeichnet AfD-Mann Frohnmaier als „AfD-Sau“. Der Schlagabtausch legitimiere die AfD im politischen Diskurs. Die nächste Frage: „Herr Palmer: Sie betonen oft die Bedeutung öffentlicher Debatten, wie bewerten Sie heute die Lage der Meinungsfreiheit in Deutschland (...)?“ Der dritte Fragesteller fragt Palmer welchen Einfluss der OB auf juristische Verfahren habe, etwa wenn Hausdurchsuchungen aufgrund von Social-Media-Beiträgen stattfänden.

Update, 19.47 Uhr: Jetzt ergreift Boris Palmer das Mikrofon. Er dankt der Polizei für ihren Einsatz, und den Protestierenden vor dem Veranstaltungsort. In der Demokratie müsse man miteinander reden. Er habe die Demonstranten im Saal angewiesen, das Gebäude zu verlassen. Sollte es erneut zu einer Störaktion kommen, werde man das Gespräch in einen Ersatzraum verlagern. Dann könnten allerdings die Bürgerinnen und Bürger keine Fragen mehr an Palmer und Frohnmaier stellen.

Update, 19.37 Uhr: Das Gespräch ist vorerst unterbrochen.

Update, 19.35 Uhr: Markus Frohnmaier hat das Wort. Er befürworte Palmers Entscheidung, sich auf eine Diskussion mit ihm einzulassen. Frohnmaier kritisiert, dass man in Deutschland seine Meinung nicht mehr sagen dürfe, ein populistisches Narrativ, dessen sich die AfD immer wieder bedient. Während seiner Ansprache werden die Proteste in der Halle immer lauter. Da die Kamera auf das Podium gerichtet ist, ist nicht erkennbar, was sich im Hintergrund abspielt. Einige Menschen stehen nun vor der Kamera und filmen das Geschehen im Hintergrund. Die Parole „Nazis raus“ wird skandiert.

Palmer-Frohnmaier-Streitgespräch: Chaos im Saal – Protestierende stören die Debatte

Update, 19.24 Uhr: Jetzt geht das Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier offiziell los. Das erste Thema, um das es geht, ist die Meinungsfreiheit. Die Anwesenden vor Ort dürfen den beiden Kontrahenten ihre Fragen stellen.

Update, 19.20 Uhr: Moderator Knape versucht einleitend noch ein paar Worte zu sagen und erinnert an die Weimarer Republik und das Dritte Reich. Erneut wird es laut im Saal, erneut werden Parolen gegen AfD-Mann Frohnmaier skandiert.

Update, 19.13 Uhr: Als AfD-Landeschef Markus Frohnmaier vom Moderator vorgestellt wird, wird es laut im Saal. Buhrufe und der Slogan „Raus aus Tübingen, Nazis raus“ wird skandiert.

Update, 19.09 Uhr: Jetzt geht es los. Boris Palmer sitzt rechts, sein Kontrahent Markus Frohnmaier links vom Moderator.

Update, 19.07 Uhr: Gleich dürfte es losgehen. Der Livestream läuft, doch wie es scheint, gibt es noch ein paar Probleme mit der Technik. Moderator Joachim Knape erklärt, dass es in zwei bis drei Minuten losgehen werde.

Proteste vor der Veranstaltung: Palmer-Frohnmaier-Debatte polarisiert Tübingen

Update, 18.57 Uhr: Nahe dem Veranstaltungsort haben sich zahlreiche Protestierende eingefunden, die gegen das Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier demonstrieren. Laut dem SWR werden bis zu 1500 Teilnehmende erwartet. Die Polizei und zusätzliche Ordner sollen das Gebäude sichern. Gegenüber Bild sagte ein Polizeisprecher: „So einen Einsatz hatten wir hier noch nicht – dass eine Podiumsdiskussion zwischen Politikern stattfindet, mit so einer Gegendemonstration. Aber wir sind gewappnet und mit genügend Kräften vor Ort.“

Update, 18.45 Uhr: Bald dürfte das Streitgespräch zwischen Boris Palmer und Markus Frohnmaier losgehen. Auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Stadt Tübingen kann man die Debatte verfolgen – oder hier live im Ticker.

Erstmeldung: Tübingen – Eine mit Spannung erwartete öffentliche Diskussionsrunde zwischen dem parteilosen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) und dem AfD-Landeschef Markus Frohnmaier sorgt für Aufsehen in der Universitätsstadt. Die Veranstaltung am kommenden Freitagabend hat nicht nur das Interesse der Bürger geweckt, sondern auch die Polizei auf den Plan gerufen.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Die Wurzeln dieser ungewöhnlichen Debatte reichen zurück bis in den Juli dieses Jahres. Damals hatte die AfD eine Demonstration in der Tübinger Innenstadt geplant, was bei lokalen Einzelhändlern Befürchtungen über mögliche Umsatzeinbußen auslöste. Die AfD bot an, auf die geplante Demonstration zu verzichten – unter der Bedingung, dass Palmer sich zu einer öffentlichen Diskussion mit AfD-Abgeordneten bereit erkläre. Der Oberbürgermeister nahm dieses Angebot an.

Boris Palmer, seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen, ist bekannt für seine streitbare Art und pointierten Äußerungen. Der 53-Jährige verließ 2023 nach mehreren Kontroversen die Grünen. Ihm gegenüber steht Markus Frohnmaier, seit 2017 Bundestagsabgeordneter der AfD und seit 2022 Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbands seiner Partei ist. Frohnmaier, der als enger Vertrauter von AfD-Parteichefin Alice Weidel gilt, wird dem rechten Flügel der AfD zugerechnet. Bei der kommenden Landtagswahl am 8. März 2026 tritt er als Ministerpräsidentenkandidat an.

EreignisÖffentliches Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier
DatumFreitag, 5. September 2025
Uhrzeit19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
OrtHermann-Hepper-Halle (Tübingen)
TeilnehmerBoris Palmer, Markus Frohnmaier
ModerationJoachim Knape

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr beginnt und ist auf gut zwei Stunden angesetzt. In dieser Zeit werden sich Palmer und Frohnmaier sechs verschiedenen Themenblöcken widmen: Meinungsfreiheit, Klimaschutz, Innere Sicherheit und Migration, Wohnungsbau und Soziales, Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg sowie Demokratie und Rechtsstaat. Die Redezeit der Diskutanten wird genau überwacht. Die Moderation liegt in den Händen von Joachim Knape, Professor für Rhetorik an der Universität Tübingen.

Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (parteilos) tritt gegen den AfD-Landeschef von Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier in einem Streitgespräch an.

Das öffentliche Interesse an der Diskussion ist groß. Die Veranstaltung, die vor rund 700 Menschen in einer Halle stattfindet, ist bereits restlos ausverkauft. Auch dem Publikum soll die Möglichkeit gegeben werden, sich in die Debatte einzubringen. Darüber hinaus wird das Event live im Stream übertragen.

Die Ankündigung der Veranstaltung hat in Tübingen nicht nur Interesse, sondern auch Kontroversen ausgelöst. Die Polizei bereitet sich auf mehrere Gegendemonstrationen vor. Unabhängig vom Ausgang der Debatte dürfte die Veranstaltung noch lange für Gesprächsstoff in Tübingen und darüber hinaus sorgen. (sischr/dpa)

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