Trotz Protesten

Eklat in Tübingen: Palmer debattiert mit AfD-Mann Frohnmaier – hier live zu sehen

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Für viele bedeutet es einen Eklat: Tübingens OB Boris Palmer stellt sich der AfD in einer Debatte. Alle Infos zur Live-Übertragung im Stream und TV.

Update, 19.12 Uhr: Die Live-Debatte zwischen Boris Palmer und Markus Frohnmaier beginnt mit etwas Verzögerung. Während der AfD-Politiker die Bühne betrat, ertönten bereits „Nazis raus“-Rufe aus dem Publikum. Bereits vor der Debatte zwischen Tübingens Oberbürgermeister und dem AfD-Landeschef haben nach Polizeiangaben mehr als Tausend Demonstranten gegen die Veranstaltung protestiert. Zu sehen ist die Debatte im Livestream im YouTube-Kanal der Stadt Tübingen.

Live-Debatte zwischen Palmer und Frohnmaier: Proteste gegen Veranstaltung mit AfD-Landeschef

Update, 9.32 Uhr: Vor der Debatte zwischen Palmer und Frohnmaier verdichten sich immer mehr die Hinweise zum Ausmaß der Proteste. Laut SWR werden bis zu 1500 Teilnehmer erwartet, die Polizei ist jedoch auf deutlich umfangreichere Kundgebungen vorbereitet. Unter anderem wird mit Straßensperren und Busausfällen gerechnet.

Wie aus Informationen der Bild hervorgeht, gelten am Veranstaltungsort strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei und zusätzliche Ordner werden das Gebäude sichern. „So einen Einsatz hatten wir hier noch nicht – dass eine Podiumsdiskussion zwischen Politikern stattfindet, mit so einer Gegendemonstration. Aber wir sind gewappnet und mit genügend Kräften vor Ort“, sagte ein Polizeisprecher.

Palmer gegen Frohnmaier live: Ausnahmezustand wegen Streitgespräch in Tübingen

Erstmeldung: Tübingen – Gegen die Live-Veranstaltung regt sich massiver Widerstand. Trotzdem will Boris Palmer (parteilos) das Streitgespräch mit der AfD durchziehen. Der für seine vielen Eklats bekannte Oberbürgermeister Tübingen plant trotz angekündigter Proteste für Freitag (5. September) seine Diskussionsrunde mit AfD-Landeschef Markus Frohnmaier. Wenn man das Parteiprogramm der Rechtspopulisten lese, dann könne man feststellen, dass die Partei bei vielen Themen komplett inkompetent sei und bei vielen Themen Forderungen stelle, die den Wählern der AfD schadeten, verteidigte Palmer seine umstrittene Debatte in einem offenen Brief. Er wolle die AfD deswegen jetzt inhaltlich stellen.  

Boris Palmer: Der polarisierende Oberbürgermeister der Stadt Tübingen

Blick auf Geradstetten, ein Ortsteil der Gemeinde Remshalden im Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg.
Boris Palmer wurde 1972 in Waiblingen geboren und wuchs in Geradstetten im Remstal auf. © IMAGO/Panthermedia
Helmut Palmer demonstriert am 21.08.2000 lautstark in Asperg bei Ludwigsburg in Häftlingskleidung und mit einem Judenstern versehen gegen die gegen ihn verhängte dreimonatige Freiheitsstrafe wegen angeblicher Beamtenbeleidigung.
Der Vater von Boris Palmer, Helmut Palmer (1930-2004), war als „Remstall-Rebell“ bekannt. (Archivfoto) © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer im Jahr 2004 auf dem Balkon seiner Wohnung in Tübingen.
Nach dem Abitur (mit Note 1,0) studierte Boris Palmer in Tübingen Mathematik und Geschichte auf Lehramt. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht, bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in der Neuen Messe Freiburg.
1996 wurde er Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen und 2001 erstmals in den Landtag gewählt. © Uli Deck/dpa
Joschka Fischer (GER Bündnis 90 Die Grünen Bundesaußenminister) und Boris Palmer (GER Bündnis 90 Die Grünen MdL Spitzenkandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart) anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Stuttgart.
Im Jahr 2004 trat Boris Palmer als Kandidat der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart an. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart, legt den Rollrasen anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart aus.
Im ersten Wahlgang landete Palmer hinter Wolfgang Schuster (CDU) und Ute Kumpf (SPD) auf dem dritten Platz.  © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer telefoniert kurz vor einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart.
Da der Abstand zur Zweitplatzierten Ute Kempf zu groß war, zog Boris Palmer seine Kandidatur für einen zweiten Wahlgang zurück. © IMAGO/Horst Rudel
Brigitte Russ-Scherer (SPD) und Boris Palmer (Grüne) stellen sich in der Hermann-Hepper-Turnhalle Tübingen als Bewerberin und Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl der Öffentlichkeit vor.
Im Jahr 2006 trat Boris Palmer (links) gegen Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (rechts) bei der OB-Wahl in Tübingen an.  © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer, der Gewinner der Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister, gibt am Sonntag (22.10.2006) im Rathaus von Tübingen der Verliererin, der Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (SPD) die Hand.
Er konnte sich bereits im ersten Wahlgang durchsetzen und wurde zum Oberbürgermeister von Tübingen gewählt. © Bernd Weißbrod/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer zeigt am Mittwoch (07.02.2007) auf dem Marktplatz in Tübingen auf seinen neuen Dienstwagen, einen Toyota Prius.
Für Kritik sorgte der frisch gewählte Tübinger OB, weil er sich im Heimatland von Mercedes und Porsche für einen ausländischen Hybridwagen entschied. © Marijan Murat/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen, l) steht am 24.10.2012 mit seinem Elektrorad in Tübingen (Baden-Württemberg) neben seinem Kontrahenten im Auto, Florian Nuxoll.
2012 gewann Boris Palmer mit seinem Elektrofahrrad ein Wettrennen gegen ein Auto. © Jan-Philipp Strobel/dpa
Bürger gratulieren Boris Palmer (M, Grüne) am 19.10.2014 in Tübingen (Baden-Württemberg) zum erneuten Gewinn der Oberbürgermeisterwahl.
Bei der Wahl 2014 wurde Boris Palmer mit einer deutlichen Mehrheit im ersten Wahlgang wiedergewählt. © Thomas Niedermüller/dpa
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, spricht am Samstag (20.11.2010) in Freiburg bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen.
Im Jahr 2021 beantragte der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg ein Parteiausschlussverfahren gegen Boris Palmer. © Rolf Haid/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, gibt in seinem Arbeitszimmer ein Interview.
Nach einem Kompromiss ließ Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende 2023 ruhen. © Sebastian Gollnow/dpa
Boris Palmer, der alte und neue Oberbürgermeister von Tübingen, kommt nach seiner Wiederwahl auf den Marktplatz und empfängt Glückwünsche.
Auch 2022 konnte sich Boris Palmer bei der OB-Wahl erneut durchsetzen, allerdings als parteiloser Kandidat. © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer bei einer Sportlerehrung in Tübingen.
Im Jahr 2023 trat Boris Palmer nach einem Eklat bei einer Konferenz aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus. © IMAGO/ULMER
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sitzt am 04.08.2016 auf einem Sofa im Rathaus von Tübingen
Die deutlichen Wahlgewinne zeigen, dass Boris Palmer in Tübingen durchaus beliebt und für seine Stadt sehr erfolgreich ist. © Christoph Schmidt/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, trägt eine FFP2-Maske bei einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests.
Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte das „Tübinger Modell“ während der Corona-Pandemie. © Marijan Murat/dpa
Lisa Federle, Notärztin, und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, nehmen an einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests teil.
Dieses Modell hatte Boris Palmer zusammen mit der Tübinger Notärztin Lisa Federle (links) entwickelt. © Marijan Murat/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Allerdings steht Palmer immer wieder in der Kritik und gilt deshalb als polarisierender Politiker. © Tom Weller/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Unter anderem wurden ihm mehrfach rassistische Äußerungen vorgeworfen, auch von seiner früheren Partei.  © Tom Weller/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht im Landratsamt bei einer Pressekonerenz.
Durch seine konfrontative Art gilt Boris Palmer als einer der streitbarsten Bürgermeister Deutschlands.  © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer im Oktober 2024 bei der Eröffnung der bundesweit ersten beheizbaren Fahrradbrücke in Tübingen.
Die Kontroversen um ihn, aber auch seine politischen Leistungen machen Palmer zu einem der bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands. © IMAGO/Markus Ulmer
Talkrunde Markus Lanz im ZDF mit Boris Palmer (Bildmitte).
Er ist regelmäßig Gast in großen Talkformaten, wie hier bei Markus Lanz. © IMAGO/teutopress GmbH
Boris Palmer im Oktober 2024 bei Markus Lanz im ZDF.
Dort äußert sich Boris Palmer auch regelmäßig zur Politik auf Bundesebene. © IMAGO/teutopress GmbH

Palmer vs. Frohnmaier: Tübingens OB plant Streitgespräch mit AfD – heute live und kostenlos auf YouTube

Doch beide Politiker sind für ihre provokanten Thesen und ihre polarisierenden Auftritte bekannt. Die Debatte verspricht daher nicht nur eine scharfe inhaltliche Auseinandersetzung zu werden, sondern ruft auch eine große Protestwelle im Land hervor. Palmer wird vorgeworfen, dadurch die in Teilen rechtsradikale Partei unnötig zu normalisieren. Palmer „biedere sich den Faschisten an“, schimpfte kürzlich ein Linken-Politiker. Wer sich selbst ein Bild von der Veranstaltung machen will, kann das Ereignis im Livestream verfolgen. Eine Übertragung im TV ist nicht geplant.

Das Live-Streitgespräch ist das Ergebnis einer umstrittenen Absprache: Die AfD verzichtete auf eine Kundgebung in Tübingen, im Gegenzug stimmte Palmer der öffentlichen Debatte zu. Allerdings ist für den Freitag eine Gegendemonstration angekündigt. Bislang geht die Polizei von 1500 Demonstrierenden aus, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Palmer selbst unterstützt die Proteste nach eigenem Bekunden. Er bot an, eine Rede auf der Kundgebung zu halten. Doch das lehnten die Veranstaltenden ab. In seinem offenen Brief begrüßte Palmer aber die Demonstration ausdrücklich und erklärte, dass er in dem Streitgespräch eine „inhaltliche Auseinandersetzung mit dem AfD-Landesvorsitzenden“ führen wolle, um „Rechtsextreme und Verfassungsfeinde aus Tübingen fernzuhalten“.

Liefern sich ein Live-Streitgespräch: AfD-Mann Markus Frohnmaier und Boris Palmer (parteilos).

Palmer gegen Frohnmaier: So sehen Sie das Streitgespräch heute live im TV und Livestream

Die Debatte zwischen Boris Palmer und Markus Frohnmaier wird live aus Tübingen übertragen. Die Veranstaltung soll vor 700 Zuschauerinnen und Zuschauern stattfinden. Wer das Duell der beiden kontroversen Politiker nicht vor Ort verfolgen kann, hat die Möglichkeit, auf einen kostenlosen Livestream zurückzugreifen.

  • Fakten-Box: Das Streitgespräch auf einen Blick
    Ereignis: Streitgespräch Boris Palmer vs. Markus Frohnmaier
    Datum: Freitag, 5. September 2025
    Uhrzeit: 19:00 Uhr
    Sender: Keiner (nur Livestream)
    Livestream: YouTube-Kanal der Stadt Tübingen (kostenlos)

Die Stadt Tübingen beauftragte einen externen Dienstleister, der das Streitgespräch kostenlos bei YouTube übertragen will. Damit ist sichergestellt, dass sich alle Interessierten ein eigenes Bild von der Auseinandersetzung zwischen dem Tübinger OB und dem AfD-Landeschef machen können. Eine Übertragung im TV ist nicht geplant, Sie können die Debatte aber auch in unserem Live-Ticker zum Schlagabtausch von Palmer und Frohnmaier verfolgen.

Streitgespräch mit AfD: Palmer und Frohnmaier diskutieren heute live sechs Themenblöcke

Das Streitgespräch ist für zwei Stunden angesetzt. Die Diskutanten sollen sich im Vorfeld auf sechs Themenblöcke geeinigt haben, wie die Welt vorab berichtete. Geplant ist: Meinungsfreiheit, Klimaschutz, Innere Sicherheit und Migration, Wohnungsbau und Soziales, Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und Demokratie und Rechtsstaat. Die Redezeit von Palmer und Frohnmaier soll genau gestoppt werden. Moderiert wird das Streitgespräch von Joachim Knape, der an der Universität Tübingen als Professor für Rhetorik lehrt.

Umstrittene Diskutanten – das sind Palmer und Frohnmaier

Boris Palmer: Seit 2007 ist Boris Palmer (parteilos) Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen. Er wurde zuletzt am 23. Oktober 2022 im ersten Wahlgang wiedergewählt. Palmer ist für seine oft provokanten und polarisierenden Äußerungen bekannt, die ihm regelmäßig überregionale Aufmerksamkeit und auch Kritik aus der eigenen ehemaligen Partei einbrachten. Zuletzt sorgte er mit Äußerungen zur Corona-Pandemie und mit einem als rassistisch kritisierten Social-Media-Post für Schlagzeilen, was zu einem Parteiausschlussverfahren der Grünen führte, dem er mit seinem Austritt 2023 zuvorkam.

Markus Frohnmaier: Er ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages für die AfD und seit 2022 zudem Co-Vorsitzender des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg. Frohnmaier gilt als Gründer der umstrittenen Jungen Alternative in Baden-Württemberg und war deren Landesvorsitzender. Er war zudem Pressesprecher der ehemaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und der heutigen Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel. Frohnmaier wird dem rechten Flügel der AfD zugeordnet und ist für seine scharfe Rhetorik bekannt. Im Januar 2025 geriet die AfD Karlsruhe in die Schlagzeilen, weil sie gefälschte „Abschiebetickets“ an Bürger mit nicht-deutsch klingenden Nachnamen verteilt hatte.

Erinnerungen werden wach: Musk interviewte Weidel im Wahlkampf

Im Bundestagswahlkampf 2025 hatte bereits ein anderes Live-Gespräch der AfD für erhebliches Aufsehen gesorgt. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und Tech-Milliardär Elon Musk hatten sich zu einem Talk verabredet. Musk, der die AfD bereits zuvor auf seiner Plattform X (ehemals Twitter) offen unterstützt und als „einzige Rettung für Deutschland“ bezeichnet hatte, lud Weidel zu einem etwa 75-minütigen Audio-Talk ein. Das Gespräch, das von bis zu 210.000 Menschen live verfolgt wurde, verschaffte der AfD eine enorme Reichweite und wurde als massive Wahlkampfhilfe gewertet.

Proteste gegen Live-Debatte heute von Palmer mit AfD angekündigt

Bemängelt wurde, dass das Gespräch ohne kritische Nachfragen stattfand und Weidel zahlreiche Falschbehauptungen und geschichtsrevisionistische Thesen, wie die Behauptung, Hitler sei Kommunist gewesen, unwidersprochen verbreiten konnte. Experten sahen darin einen strategischen Versuch der AfD, sich zu normalisieren und ihre mediale Sichtbarkeit durch die prominente Unterstützung Musks zu erhöhen.

Auch vor diesem Hintergrund sorgt das jetzt geplante Gesprächsformat von Palmer und Frohnmaier für Sorge. Zu den angekündigten Protesten haben laut der Nachrichtenagentur AFP Fridays for Future, das Bündnis gemeinsam und solidarisch gegen Rechts Reutlingen-Tübingen und Omas gegen Rechts aufgerufen. Die Polizei werde mit starker Präsenz vor der Veranstaltungshalle vor Ort sein, teilte die Stadt mit. Palmer selbst rief zu friedlichen Demonstrationen auf. (jek)

Rubriklistenbild: © Jan-Philipp Strobel/Bernd Weißbrod/dpa/Montage

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