Leopard-Panzer für die Ukraine: Kiew steht vor neuem Problem
VonFelix Busjaeger
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Die Ukraine soll künftig Hunderte Panzer erreichen. Doch für neue Offensiven und Fortschritte im Ukraine-Krieg braucht es weitere Unterstützung gegen Russland.
Kiew – Im Ukraine-Krieg sollten Panzer aus deutscher Herstellung bereits vor Monaten eine deutliche Wende bei den Kämpfen bringen. Fast schon glorifizierend wurde die Kampfkraft der Leopard-Panzer von den Ukrainern gefeiert, doch immer wieder gibt es Berichte über erfolgreiche Angriffe der russischen Armee auf die gepanzerten Gefährte. So gelang es Putins Drohen-Piloten vermehrt, Leopard-2-Panzer zu zerstören.
Dass die Panzer im Krieg in der Ukraine bisher die Aggressoren nicht deutlich zurückdrängen könnten, lag laut einiger Experten auch an der Tatsache, dass die Truppen von Wolodymyr Selenskyj nicht an allen Fronten des Krieges vollständige Panzerbrigaden einsetzen konnte. Inzwischen sollen aber Hunderte Panzer aus deutscher und polnischer Fertigung den Verteidigern im Ukraine-Krieg zur Verfügung gestellt worden sein. Ihre Anzahl bringt aber neue Probleme: Nun fehlt es an Munition, Pionieren und Technikern, die unter anderem bei der Minensuche helfen. Sollte der Nachschub nicht geregelt werden, droht die Feuerkraft der Ukraine zu verpuffen.
Leopard-Panzer für die Ukraine: Kiew erhält im Ukraine-Krieg deutsche Unterstützung
In der Ukraine sind seit Monaten unterschiedliche Panzer-Typen im Einsatz. Wegen ihrer Zuverlässigkeit und Kampfkraft sind die deutschen Panzer bei den Truppen sehr geschätzt. Erst am 14. November war bekannt geworden, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall, der schon belgische Leopard-Panzer für den Ukraine-Krieg fit macht, einen Auftrag über 32 Leopard-Panzer bekommen hat, mit denen die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützt werden soll. Außerdem wurde berichtet, dass der in Deutschland hergestellte Panzer des Typs Leopard 1A5 in großer Zahl an die Ukraine geliefert wird. Und auch weitere Leopard-Panzer könnten für Front-Nachschub in der Ukraine sorgen.
Dieses Standbild aus einem AFP-Video vom 26. März 2023 zeigt einen ukrainischen Panzer, der inmitten der russischen Invasion in der Ukraine russische Stellungen an der Frontlinie bei Bakhmut beschießt. (Archivfoto)
Die leichten Panzer sind zwar nicht so stark geschützt wie schwere Kampfpanzer, bieten den Truppen im Ukraine-Krieg allerdings eine große Unterstützung. Aktuell sollen sich die Panzer bei der 44. mechanisierten Brigade der ukrainischen Armee im Einsatz befinden. Das berichtet Forbes mit Verweis auf erste Bilder, die von der Front im Krieg in der Ukraine verbreitet wurden.
Winter-Patt im Ukraine-Krieg: Ukraine rüstet sich bereits für das Frühjahr
Nachdem die Ukraine vor einigen Monaten mit einer großen Offensive Russland deutlich zurückdrängen wollte und inzwischen das Vorhaben als gescheitert gilt, könnten die Panzer in den kommenden Monaten neue Dynamik in den Verlauf der Front im Ukraine-Krieg bringen. Vor den Wintermonaten, in denen womöglich erneut eine Patt-Situation droht, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass sie eine Wende im Krieg in der Ukraine bringen werden. Für das kommende Jahr haben bereits weitere Länder neue Waffenlieferungen für die Ukraine angekündigt. Die Zahl der verfügbaren Panzer wird folglich weiter steigen.
Ziel ist es, mit den gelieferten Panzern vom Typ Leopard 1A5 oder dem sogenannten Wolverine-Panzer aus Polen, neue Brigaden für den Kampf gegen Russland auszurüsten. Wegen ihrer leichteren Bewaffnung sind sie zwar nur bedingt für schwere Gefechte an der Front geeignet, durch ihre Mobilität sind sie aber für schnelle Vorstöße geeignet.
Fehlende Munition droht im Ukraine-Krieg: Angriffe gegen Russland könnten an Problemen scheitern
Während die Ukraine die kommenden Wintermonate dafür nutzen könnte, die eigenen Truppen verstärkt im Umgang mit den Panzern auszubilden, könnten sich im Frühjahr mehrere Probleme zeigen, die Offensivaktionen verhindern könnten. Laut Forbes sind diese: Munition, Minenaufklärung und Führung auf dem Schlachtfeld. „Die Grundvoraussetzung für jede Offensivaktion ist die Dominanz der Feuer“, schrieben Jack Watling und Nick Reynolds in einer Studie für das Royal United Services Institute in London.
Gegenwärtig soll die ukrainische Artillerie an mehreren Frontabschnitten gegenüber der Armee von Wladimir Putin die Oberhand haben, doch dieser Vorteil ist maßgeblich vom Munitionsnachschub abhängig. Der Artillerie wird generell eine wesentliche Rolle des Feuerkampfes beigemessen. Am effektivsten ist sie allerdings im Verbund mit anderen Truppengattungen. Während eine Haubitze beispielsweise zwar über hohe Feuerkraft verfügt, ist sie nur eingeschränkt mobil. Der Panzer hingegen vereint Feuerkraft, Beweglichkeit und Panzerung.
Waffenlieferungen für den Ukraine-Krieg entscheidend: Ukraine benötigt Unterstützung gegen Russland
Die Versorgung mit Munition hängt maßgeblich von der Unterstützung der westlichen Länder ab. Ob die weiter garantiert werden kann, ist in manchen Fällen ungewiss. Nach dem Wahlsieg des Rechtspopulisten Geert Wilders in der Niederlande machen sich beispielsweise westliche Verbündete nach Angaben der Regierung in Den Haag Sorgen über die Fortsetzung der Militärhilfe an die Ukraine. In anderen Ländern gibt es vermehrt pro-russische Stimmen, die Munitionsspenden erschweren könnten.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Abseits der Munitionsfrage gibt es gegenwärtig im Ukraine-Krieg weiter Hindernisse: Schlammwüsten, durch die sich deutsche Leopard-Panzer schutzlos quälen, sowie Minenfelder könnten die Einsatzfähigkeit der ukrainischen Panzer limitieren. „Es ist notwendig, vor jedem größeren Vorstoß eine gründliche Minenaufklärung durchzuführen, damit der Verlust der Ausrüstung nicht dramatisch wird“, zitiert Forbes Experten. Das effektive Vorgehen gegen Minen könnte in den kommenden Monaten entscheidend sein. Wie es in dem Forbes-Beitrag weiter heißt, sind für die Planung der Panzer-Einsätze an der Front in der Ukraine zudem fähige Offiziere erforderlich.
Selenskyj entlässt Soldaten im Ukraine-Krieg: kommende Monate könnten entscheidend sein
Offenbar sind im Ukraine-Krieg auf der Seite der Verteidiger fähige Köpfe nicht in ausreichender Zahl vorhanden, um nachhaltig den Frontverlauf nach vorne zu treiben. Jüngst kündigte Selenskyj zudem an, trotz des anhaltenden russischen Angriffskriegs Soldaten am Ende ihrer Pflichtwehrdienstzeit aus den Streitkräften zu entlassen. Die Militärführung ist angehalten, diese Soldaten zu demobilisieren. Die Versprechungen gelten als Zugeständnis an die Soldaten, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs an der Front kämpfen.
Inwieweit die Ukraine die westlichen Waffenlieferungen in den kommenden Monaten zu nutzen weiß, ist somit von mehreren Faktoren abhängig. Damit es im Ukraine-Krieg gelingen wird, mit den Panzern die russischen Aggressoren zurückzudrängen, müssen über die Wintermonate hinweg die richtigen Entscheidungen in der Militärführung getroffen werden.