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Rheinmetall will 30 Panzer des Typs Leopard 1 an die Ukraine liefern. Die Wirksamkeit dieses älteren Modells halten Militärexperten für begrenzt, doch jede Lieferung zählt.
Düsseldorf – Der Rüstungskonzern Rheinmetall bereitet eine weitere Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an Kiew vor. 50 Panzer des älteren Typs Leopard 1 kaufte das Unternehmen hierzu auf Kosten der Bundesregierung aus Belgien an. Die Fahrzeuge sind allerdings in so schlechtem Zustand, dass wohl nur 30 einsatzbereit gemacht werden können. Der Rest dient im Ukraine-Krieg als Ersatzteillager, wie das Handelsblatt am Dienstag berichtete.
Ersatzteillager für Ukraine-Krieg: Instandsetzung der Leopard-Panzer könnte sechs Monate dauern
Umgerüstet werden die Modelle im Firmensitz in Düsseldorf und sollen von dort an die Ukraine gehen. Allerdings sind die angekauften Panzer offenbar in so schlechtem Zustand, dass wohl lediglich 30 wirklich im Ukraine-Krieg in den Einsatz kommen, die restlichen 20 dienen als Ersatzteillager. Verwendung dafür gibt es: Kürzlich war etwa bekannt geworden, dass die westlichen Verbündeten Reparaturzentren für Leopard-Panzer in Polen, Rumänien und direkt in der Ukraine aufbauen wollen.
Das belgische Unternehmen OIP Land Systems hatte die 50 Panzer an Rheinmetall verkauft. OIP-Chef Freddy Versluys sagte der britischen Zeitung Guardian, dass es bis zu einem halben Jahr dauern könne, bis die Panzer wirklich in der Ukraine auf dem Schlachtfeld seien. Zu welchem Preis die Leopard den Besitzer wechselten, wollte Versluys aufgrund einer Vertraulichkeitsklausel nicht mitteilen.
Wirksamkeit der alten Leopard 1 laut Militärexperten begrenzt - Lieferung im Ukraine-Krieg dennoch hilfreich
Der Leopard 1 wurde vor zwei Jahrzehnten bei der Bundeswehr ausgemustert und ist der Vorläufer des Leopard 2. Der Militärexperte Christian Wehrschütz äußerte Zweifel an der Wirksamkeit dieses betagten Modells in Bezug auf die Einsaztfähigkeit im Ukraine-Krieg. Zwar käme es auf die Art und Weise der Modernisierung an, die Panzer bräuchten beispielsweise neue Feuerleitsysteme.
„Wenn man aber vom Typ dieses Panzers ausgeht, ist die Panzerung schwach und die Einsatzschussreichweite liegt bei 1500 Metern“, sagte der Experte zur Deutschen Welle. „Das heißt, einen T-72-Panzer auf der russischen Seite kann man damit nicht durchschlagen.“ Dennoch brauche die Ukraine jede Waffe im Kampf gegen Russland, die sie bekommen kann, betonte Wehrschütz.
Leopard-Panzer im Ukraine-Krieg: Warum sie jetzt so wichtig für die Ukraine sind – selbst als Ersatzteillager
Auch wenn die Ukraine zuhauf russische Haubitzen, Munition und Panzer erbeutet, zählt für Kiew jede Lieferung, umm sich gegen Russlands Angriffskrieg zu verteidigen. Insbesondere Panzer sind spielen dabei eine große Bedeutung. Der Westen ließ sich lange Zeit mit Waffenlieferungen – etwa von schweren Kampfpanzern – weshalb Russland mehrere Monate lang ein schweres Bollwerk aus Panzersperren und Minenfeldern errichten konnte.
Bei Durchbruchversuchen im Zuge der Gegenoffensive hatte die Ukraine neben menschlichen Verlusten auch die Zerstörung vieler westlicher Panzer zu beklagen. Allein bei der Katastrophe im Minenfeld von Saporischschja waren es 25 Fahrzeuge und Panzer innerhalb nur weniger Minuten.
Änderung der Taktik im Ukraine-Krieg auch wegen hoher Verluste von Leopard-Panzern in der Offensive
Das zwang die ukrainischen Truppen Berichten zufolge zu einer Änderung ihrer Taktik. Demnach setze man nun darauf, die russischen Truppen hinter der Frontlinie mit Artillerie zu beschießen und dann mühsam zu Fuß nachzusetzen, anstatt mit Panzern vorzurücken.
Ein klarer Widerspruch zum Gefecht der verbundenen Waffen, das auch Inhalt des Nato-Trainings ukrainischer Soldaten war. Entsprechend wichtig ist die angekündigte Lieferung der 30 Leopard-Panzer. Für die Gegenoffensive bleibt den ukrainischen Truppen nicht mehr viel Zeit. Bis Oktober könne noch aktiv gekämpft werden, glaubt der Militärexperte Wehrschütz, dann werde wieder die Schlammperiode einsetzen.
An anderer Stelle wurde Rheinmetall neuerlich durch einen erstarkten Widersacher aus Korea ausgestochen.
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