Putin nutzt medizinisches Material aus Kaltem Krieg für Versorgung an der Ukraine-Front
VonLaura May
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Putin schickt alles in den Ukraine-Krieg, was Russland einem Sieg näher bringen könnte. Neben Eseln und Motorrädern nun auch Sowjet-Verbandsmaterial.
Moskau – Immer öfter wird über Schwierigkeiten im russischen Militär berichtet. Die Engpässe betreffen offenbar nicht nur militärische Ausrüstung. Ein Militärblogger veröffentlicht nun Informationen über 50 Jahre alte humanitäre Hilfe. Fotos eines Z-Kanal-Beitrags zeigen laut Moscow Times Kisten mit fast einem halben Jahrhundert alten Bandagen, Watte und Verbänden aus sowjetischer Produktion.
Das russische Militär erhalte „Überbleibsel aus dem letzten Jahrhundert“, heißt es. „Während Sie in Erinnerungen schwelgen, setzt der Feind modernste Waffen ein, und wir müssen ihm mit der Technologie von heute begegnen, nicht mit der von gestern“, wetterte einer der sogenannten „Kriegsberichterstatter“ der Z-Kanäle.
Russische Nationalisten berichten über Mängel der Armee von Wladimir Putin
Die Z-Kanäle auf Telegram werden laut Dekoder von Militärbloggern, Frontberichterstattern, Kadyrow-Anhängern und Propagandisten aus den russischen Staatsmedien betrieben, die alle den Ukraine-Krieg befürworten und sich meist ein noch entschlosseneres Vorgehen des Kreml wünschen.
Laut NTV bieten die Z-Kanäle paradoxerweise oft realistischere Einschätzungen als offizielle russische Quellen. Während das russische Verteidigungsministerium häufig übertriebene Erfolgsmeldungen verbreitet oder Probleme verschweigt, berichten Militärblogger durchaus kritisch über Ausrüstungsmängel, taktische Fehler und Verluste. Durch ihre trotz Befürwortung kritischen Haltung gegenüber Wladimir Putin bieten die Z-Knäle oft realistische Einblicke in Probleme der russischen Streitkräfte.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Russland setzt im Ukraine-Krieg teilweise auf Esel und Kamele zur Fracht von Munition
Neben medizinischem Material treffen die „unkonventionellen Kriegsmethoden“ Moskaus auch viele andere Bereiche – einige russische Soldaten müssen so etwa auf dem Motorrad an die Front. Wie der Z-„Kriegskorrespondent“ Semyon Pegov laut Moscow Times berichtete, haben die russischen Streitkräfte aufgrund von Ausrüstungsmangel mit einer „Wiederbelebung der russischen Kavallerie“ begonnen – Truppen, die ukrainische Stellungen angreifen, setzen nun Pferde ein, um sich auf dem Schlachtfeld fortzubewegen. Es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen Esel und Kamele zum Transport von Fracht, einschließlich Munition, eingesetzt werden.
Verluste im Ukraine-Krieg:
Russland: rund 250.000 Tote und 650.000 verletzte Soldaten (Quelle: NATO)
Ukraine: rund 80.000 Tote und 400.000 verwundete Soldaten (Quelle: Wall Street Journal)
Das Verlustverhältnis zeigt ein dramatisches Bild: Russland verliert etwa 102 Soldaten pro eroberten Quadratkilometer. Territoriale Gewinne sind mit enormen Opferzahlen verbunden – die russischen Truppen rückten teilweise nur 50-135 Meter pro Tag vor, langsamer als im Ersten Weltkrieg.
„Ist Wladimir Putin des Krieges in der Ukraine müde?“, fragte die Junge Welt nach Putins Auftritt auf der Jahrestagung des russischen Waldai-Klubs in Sotschi am Donnerstag (2. Oktober). So offen hat der russische Präsident das zwar nicht formuliert, aber seine Wortwahl war dennoch richtungsweisend. Aus den Worten Putins sprechen hohe Verluste und maue Gewinnchancen für Russland nach mehr als drei Jahren Ukraine-Krieg.
Nichts mehr von „militärischer Spezialoperation“ war in Sotschi zu hören, sondern diesmal sprach Putin von der „ukrainischen Tragödie“. Während er die Hoffnung auf die europäischen „Nachbarn“ offenkundig aufgegeben hat, machte er der Trump-Administration offen Avancen. Seine Wunschvorstellung scheint zu sein, sich mit den USA auf einen „großen Deal“ zu einigen, dem sich die machtlosen Europäer letztlich unterwerfen müssten. (Quellen: Moscow Times, Dekoder, Junge Welt, dpa) (lm)