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Gaskrise: Poltergeist Söder quält Deutschland mit wirren Ideen

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Atomkraft und Fracking: Markus Söder quält die Deutschen in der Gaskrise mit unsinnigen Ideen. Warum? Um von seinen Fehlern abzulenken. Ein Kommentar.

München – Atomkraft? Nur, wenn es nicht anders geht. Fracking? Auf keinen Fall. Bislang kam Markus Söder (CSU) mit seinen Ideen in der Bundesregierung nur so mäßig an. Doch der Ministerpräsident wittert bereits Stimmungsmache und wirft der Ampel-Koalition ein gezieltes „Bayern-Bashing“ vor. Doch zu Unrecht. Denn seine Vorschläge sind einfach unbrauchbar, um die Gaskrise in Deutschland wirklich effektiv zu lösen. Das Ideen-Feuerwerk dient eigentlich nur einem Zweck: das eigene politische Überleben zu sichern. Doch das sollte man dem CSU-Mann nicht so einfach durchgehen lassen.

Gaskrise in Deutschland: Markus Söder (CSU) und Bayern haben besonders großes Problem

Tatsächlich hängt die Gaskrise sehr bedrohlich über Deutschland und Europa. Am Montag machte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) noch einmal eindringlich auf den Ernst der Lage aufmerksam und warnte vor „schlimmen Konsequenzen“ für Verbraucher und Betriebe, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin dauerhaft die Lieferung durch die Pipelines drosselt. Klar, am Ende ist der Engpass ein gesamtdeutsches Problem. Doch gerade Bayern, wo auch viele Industriekonzerne angesiedelt sind, hängt enorm vom Gas ab.

Ärgert mit seinen Vorschlägen zur Gaskrise in Deutschland die Bundesregierung: Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Die Sorgen sind also in den vergangenen Tagen nicht kleiner geworden. Doch ob durch Fracking und Atomkraft das Problem gelöst werden kann, darf gerne bezweifelt werden. Selbst bei allen Tricksereien, mit denen die Laufzeiten der verbliebenen Atomkraftwerke wie von Söder gefordert auf ein bis zwei Jahre verlängert werden könnten, würde man fünf bis sechs Prozent bei der Stromerzeugung gewinnen können. Und die Kapazitäten des Schiefergas-Vorkommens in Niedersachsen sind auch nur begrenzt – mal davon abgesehen, dass sich die umstrittene Fracking-Methode nicht von heute auf morgen umsetzen lässt.

Gaskrise in Deutschland: Atomkraft und Fracking sind für Söder die Lösung – zu Unrecht

Die Vorschläge, an die sich Söder so wortgewaltig seit Tagen klammert, taugen teilweise nur zur Überbrückung eines kurzfristigen Engpasses. Das weiß auch Söder selber. Doch die kurzfristigen Lösungen wie die Verlängerung der Atomkraft oder das Vorgauckeln von Fracking als energiepolitischer Alternative reichen ihm durchaus aus. Denn im kommenden Jahr 2023 sind in Bayern wieder Landtagswahlen. Und dann muss der Landesvater darlegen können, was er gegen die hohen Energiepreise getan hat.

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Die Bilanz sieht für den Söder-Markus derzeit eigentlich nicht rosig aus. Dass Bayern im Vergleich zu anderen Ländern weitaus abhängiger vom Erdgas ist, ist auch dessen Verdienst. 2010 verkündete er als Landesumweltminister den massiven Ausbau von Windkraft. Passiert ist diesbezüglich nichts. Bis heute sind nur 0,7 Prozent der Landesfläche für Windkraft ausgeschrieben. Zusammen mit seinem Vorgänger im Ministerpräsidentenamt, Horst Seehofer, verschärfte Söder die Regularien, torpedierte den Trassenausbau von Nord nach Süd, stimmte dem Atomausstieg zu und setzte voll auf das Erdgas aus Russland. Das rächt sich nun.

Gasknappheit: Engpass in Deutschland könnte Söders Wiederwahl bei Landtagswahl gefährden

Doch statt eigene Fehler einzugestehen, umzusteuern und endlich die versprochene Energiewende einzuleiten, klammert Söder sich weiterhin an die Atomkraft und poltert gegen andere als Fortschrittsverhinderer drauflos. Warum sollte er sich das Büßerhemd überziehen, wenn er stattdessen auch den Grünen ideologische Herumeierei und „Tiki-Taka-Politik“ vorwerfen kann, um sich selber als Macher mit alternativen Ideen zu inszenieren? Ist doch viel einfacher.

Doch das ist zu billig. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler das Spielchen durchschauen und Söder die Quittung für sein Missmanagement ausstellen.

Rubriklistenbild: © Daniel Vogl/dpa

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