Wegen Gaslieferungen

Bis zu 5000 Euro: Die Gaskrise in Deutschland könnte noch richtig teuer werden

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Wegen der Gaskrise könnte es für Verbraucher teuer werden. Mehrkosten von 5000 Euro drohen. (Symbolbild)
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Die Gaskrise hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Nun die neue Hiobsbotschaft: Die Kosten für Verbraucher könnten explodieren. Existenzen sind bedroht.

Berlin – Für wenige Tage gab es Hoffnung, dass die Gaskrise in Deutschland wegen der Wiederaufnahme des Betriebs von Nord Stream 1 nicht ganz so dramatisch wird. Doch inzwischen zeigt sich: Wladimir Putin hat Deutschland in der Hand und kann die Gaslieferungen in die Bundesrepublik einfach nach Belieben drosseln. Für die kommenden Monate könnte das gravierende Folgen für Verbraucher haben, die an das Ersparte gehen könnten. Denn Gas wird immer teurer und die Gasrechnung im Winter könnte sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfachen. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus könnten die Mehrkosten bis zu 5000 Euro betragen.

Gaskrise in Deutschland: Inflation und Gaspreis treiben Verbraucher in Zahlungsnot

Das Leben wurde in den vergangenen Monaten immer teurer. Ausgelöst durch den Ukraine-Krieg und die stockenden Gaslieferungen aus Russland ist die Inflation hierzulande so hoch wie noch nie und der Gaspreis steigt durch die Decke. Immer wieder ist von einem drohenden Gasnotstand die Rede, der die bundesweite Versorgungssicherheit gefährdet – die Gaskrise hat Deutschland fest im Griff. Zwar müssen Verbraucher auch in anderen Lebensbereichen deutliche Mehrkosten tragen, doch beim Gaspreis steht das teure Erwachen noch bevor. Verbraucher suchen derweil Alternativen zur Gasheizung.

Nachdem am 21. Juli zunächst der Betrieb von Nord Stream 1 nach planungsmäßigen Wartungsarbeiten wieder angelaufen war, ließ der russische Präsident Wladimir Putin inzwischen die Lieferungen auf knapp 20 Prozent drosseln. Die Folge: Gas bleibt ein knappes Gut und Verbraucher könnten im Winter frieren. Wie der Business Insider schreibt, treibt das den Preis weiter nach oben. Hinzu kommt die 15 Milliarden Euro teure Rettung des Gaskonzerns Uniper durch die Bundesregierung. Laut einer Vereinbarung der Ampel sollen 90 Prozent der Kosten für neue Gasankäufe auf die deutschen Verbraucher umgelegt werden. Die Rettung von Uniper wird also dem Verbraucher am Ende hohe Mehrkosten bescheren.

Heftige Nachzahlung wegen Gaskrise in Deutschland erwartet: Mehrkosten könnten mehrere Tausend Euro ausmachen

Bereits ohne die Uniper-Umlage stehen Verbraucher in Deutschland wegen der Gaskrise vor deutlichen Mehrkosten: Im Vorjahr kostete die Kilowattstunde noch durchschnittlich 6,5 Cent. Wie der Business Insider schreibt, könnten demnächst bis zu 25 Cent pro Kilowattstunde fällig werden. Dies ist eine Kostensteigerung, die womöglich viele Haushalte in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte. Bei einem Zwei-Personen-Haushalt mit etwa 10.000 kWh Verbrauch wären es knapp 1850 Euro und Singles, die knapp 6000 kWh verbrauchen, müssen sich auf zusätzliche Kosten von 800 Euro einstellen. Hinzu kommt die Uniper-Umlage, die mutmaßlich zwischen 1,46 bis 3,06 Cent pro Kilowattstunde Gas liegen könnte.

Die Gaskrise in Deutschland wird also erst im kommenden Winter ihre volle Wucht entfalten. Dass Verbraucher deswegen vor großen Herausforderungen stehen werden, ist der Regierung wohl bewusst. Doch klar ist auch: Alle Kosten kann die Ampel nicht über Entlastungspakete abfangen. Wegen der stark steigenden Preise hatten Olaf Scholz (SPD) und seine Minister bereits vor einigen Wochen das Entlastungspaket 2022 verabschiedet, das eben einem 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn, einem Tankrabatt, einem Kinderbonus auch einen Zuschuss für Hartz IV und eine Energiepreispauschale von 300 Euro beinhaltet.

Gaskrise in Deutschland bereitet Verbrauchern Sorgen: Auch der Ölpreis schießt in die Höhe

Alle Maßnahmen aus den bisherigen Entlastungen werden allerdings nicht reichen, ob die Mehrkosten für die Verbraucher in Deutschland vollständig abzufangen. Während die Gaskrise in Deutschland Politik und Bürger weiter Sorgen bereitet, leidet auch der Ölpreis unter den steigenden Gaspreisen. Seit Tagen steigt der Preis für ein Barrel Öl. Hintergrund war hier die Verunsicherung wegen der Ankündigung aus Russland, die Erdgaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 von Mittwoch an erneut zu reduzieren. Wegen des drohenden Gasnotstands wird Atomkraft in Deutschland immer mehr als Alternative gehandelt.

Derweil suchen immer mehr Verbraucher wegen der Gaskrise in Deutschland einen Ausweg aus der Preisspirale. Russland ist nicht nur ein wichtiger Exporteur für Erdgas, das Land gilt auch als einer der größten Erdölproduzenten der Welt. Wegen des Ukraine-Kriegs liegen die Preise für Erdöl derzeit knapp 35 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Derweil wurde das Verbot von Gasheizungen ab 2024 wieder aufgehoben.

Bis zu zwei Mieten extra: LEG rechnet mit hohen Mehrkosten wegen der Gaskrise in Deutschland

Davor, dass der kommende Winter wegen der Gaskrise in Deutschland für Verbraucher teuer werden könnte, warnt auch Lars von Lackum, Vorstandsvorsitzender von Deutschlands zweitgrößtem Immobilienkonzern LEG. „Ich glaube, dass in der derzeitigen Kriegssituation der Bevölkerung in Deutschland klargemacht werden muss, dass jetzt Verzicht angesagt ist“, sagte er dem Handelsblatt. Dieser Verzicht müsste sich auch auf die Wärme beziehen. Von Lackum fordert deshalb auch eine Antwort der Politik, damit Vermieter in den kalten Monaten die Möglichkeit haben, die Temperaturen stärker als bisher absenken zu dürfen. Doch der Gaspreis ist erst der Anfang: Auch der Strompreis könnte deutlich zulegen. 

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Auch der Vorstandschef von LEG rechnet damit, dass die Verbraucher mit der kommenden Nebenkostenabrechnung hohe Nachzahlungen zu erwarten haben. Auf Mieter könnten Mehrkosten von bis zu zwei Monatsmieten zukommen. „Das wird viele finanziell überfordern. Wir werden ähnlich dem Vorgehen in der Coronakrise Ratenzahlungen oder Ähnliches anbieten, aber das funktioniert nur auf Zeit“, erklärte von Lackum. Dennoch ist eine Prognose düster: Bis zu 20 Prozent der Mieter könnten das Problem mit den Energiepreisen künftig wohl nicht mehr alleine in den Griff bekommen. Die Lage sei schon jetzt sehr ernst.

Gaskrise in Deutschland: EU beschließt Sparplan – Mitglieder sollen 15 Prozent Gas sparen

Auch die internationale Politik beschäftigt die Gaskrise in Deutschland weiterhin. „Dies ist ein offener Gas-Krieg, den Russland entfacht gegen das vereinte Europa“, sagte der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, in Kiew. Um in ganz Europa einen Notstand abzuwenden, einigten sich die EU-Staaten am Dienstag, dem 26. Juli, darauf, im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 den nationalen Konsum von Erdgas freiwillig um 15 Prozent zu senken. Die Einigung sei ein „starkes Zeichen gegen alle Spötter und gegen alle Verächter“ der EU, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Doch der EU-Sparplan bietet eine Reihe von Ausnahmeregelungen.

Wegen des drohenden Gasnotstands als Folge der Gaskrise hat die Linke nun auch schnelle Energiesparvorgaben für die Industrie gefordert. Es müsse jetzt darum gehen, dass nicht die Verbraucher die Zeche zahlten, sagte der Co-Vorsitzende Martin Schirdewan der Deutschen Presse-Agentur. Schirdewan bekräftigte zudem die Forderung seiner Partei nach einer Deckelung der Gaspreise für den Grundverbrauch der Haushalte. Angesichts der Gaskrise in Deutschland bleibt nun abzuwarten, wie es der Politik gelingt, sich in den kommenden Wochen aus dem Griff von Putin zu lösen und noch schlimmere Kostenexplosionen von den Verbrauchern abzuwenden.

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