Steigende Strompreise

Strompreise explodieren: Gaskrise in Deutschland ist erst der Anfang

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Der Wegfall der EEG-Umlage soll bei den aktuell hohen Strompreisen Entlastung bringen. Doch die Preise für Strom steigen stärker. (Symbolbild)
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Folgt auf die Gaskrise eine Stromkrise? Der Strompreis in Deutschland steigt derzeit stark an und könnte Verbraucher vor finanzielle Schwierigkeiten stellen.

Berlin – Rekordjagd bei den Energiepreisen: Derzeit blicken Verbraucher mit Sorge auf die stark steigenden Preise beim Gas, EWE warnt bereits vor Preisschocks. Wegen des Stopps bei Nord Stream 1 schlittert Deutschland in eine Gaskrise und es könnte noch schlimmer kommen. Denn nicht nur die Gaspreise explodieren, sondern auch die Strompreise. Einen Vorgeschmack, wie dramatisch die Situation für Verbraucher werden könnte, gab es bereits Anfang Juli als auf der Leipziger Energiebörse eine Preissteigerung von knapp 320 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt wurde. Folgt der Gaskrise etwa eine Stromkrise in Deutschland?

Gaskrise in Deutschland: Strompreis in Deutschland geht durch die Decke – Atomkraft als Ausweg

Eigentlich steht die Atomkraft in Deutschland vor ihrem endgültigen Ende. Zum Jahreswechsel sollen die letzten Atommeiler der Bundesrepublik vom Netz gehen – eigentlich. Denn seit Wochen sorgt die Gaskrise in Deutschland sowie der drohende Gasnotstand dafür, dass das Thema Atomkraft wieder zu den strahlenden Aushängeschildern der Politik der FDP gehört. Angestoßen von den Liberalen debattiert die Bundesregierung seitdem, ob längere Atomlaufzeiten nicht doch möglich wären. Wie schlussendlich bei der Frage entschieden wird, ist derzeit noch offen und maßgeblich davon abhängig, wie sich die Energiekrise entwickelt. Aber Atomkraft könnte in der angespannten Lage die Rettung sein.

Am Montag, dem 18. Juli, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin, dass die Frage der Atomkraftwerke für die Bundesregierung von Anfang an keine ideologische, sondern eine rein fachliche Frage gewesen sei und weiterführende Entscheidungen über die Atomkraft in Deutschland auf Grundlage des angekündigten zweiten Stresstests zur Sicherheit der Stromversorgung getroffen werden sollen. Für den Strompreis in Deutschland hätte dies weitreichende Folgen. Schon im vergangenen Jahr waren Gaspreise und Strompreise hoch und haben Existenzen bedroht.

Strompreisentwicklung: Kosten steigen trotz Wegfall der EEG-Umlage weiter

Die Strompreisentwicklung ist derweil so stark, dass sie auch den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli überkompensiert. Heißt im Klartext: Die 3,7 Cent je Kilowattstunde, die die EEG-Umlage zum Schluss ausgemacht hat, entsprechen nicht den knapp neun Cent, die die Kilowattstunde im Vormonatsvergleich mehr kostet. Dass der Strompreis derzeit so durch die Decke steigt, liegt insbesondere an der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Denn Strom wird noch immer zu großen Teilen aus Erdgas und Steinkohle gewonnen.

Beide Rohstoffe haben in den vergangenen Monaten eine starke Preisentwicklung verzeichnen können. Ein weiterer Kostenfaktor sind Emissionsrechte. Durch Robert Habecks (Grüne) Vorschlag, künftig Gaskraftwerke durch Kohlewerke zu ersetzen, um die Gasversorgung in Deutschland zu entlasten, könnte sich die Thematik noch weiter zuspitzen. Denn im Vergleich zur Verstromung von Gas wird bei der Kohle deutlich mehr CO2 ausgestoßen.

Strompreise explodieren: Verbraucher zahlen mehr – doch es gibt auch Gewinner

Angesichts der stark steigenden Strompreise in Deutschland gibt es allerdings nicht nur Verlierer: Während Verbraucher womöglich voller Angst auf die kommende Nebenkostenabrechnung blicken und einen Ausweg aus der Preisspirale suchen, können Stromerzeuger aufgrund der Nachfrage am Markt derzeit große Gewinne einfahren. Die Bundesregierung aus SPD, Grüne und FDP wird seit Wochen zum Handeln gedrängt. Zudem wird von der Politik ein Konzept für den Winter gefordert. Sollte nämlich Nord Stream 1 weiterhin nicht im Betrieb genommen werden, könnte sich die Gaskrise in Deutschland schnell zu einem Gasnotstand entwickeln. Angesichts dieser Situation suchen Verbraucher in der Energiekrise auch Alternativen zur Gasheizung.

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Die Folge wäre ein Strompreis, der notgedrungen ebenfalls steigen würde. Wie inzwischen bekannt wurde, könnte im Falle eines Gasnotstands in Deutschland auch nicht mehr in jedem Bundesland die Versorgung mit Energie garantiert werden. Der jetzt geplante Stresstext für die Stromversorgung wurde daher schon länger von Experten gefordert. In der jetzigen Prüfung sollen nochmal unterschiedliche Szenarien simuliert werden, die anschließend eine Grundlage für weitere Überlegungen bezüglich der Atomkraft in Deutschland sein sollen. Bürger sind derweil angehalten, wegen des drohenden Gasnotstands Energie zu sparen.

Strompreise in Deutschland: Stresstest soll die deutsche Stromversorgung auf Schwachstellen testen

Bei dem Stresstest für die Stromversorgung geht es darum, festzustellen, ob die Versorgungssicherheit im Stromsektor und der sichere Betrieb des Netzes unter verschärften Annahmen gewährleistet seien. Ergebnisse werden in den nächsten Wochen erwartet. Der Weiterbetrieb der restlichen Atomkraftwerke in Deutschland steht bereits länger zur Debatte. Noch im März 2022 war von Wirtschaftsminister Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) geraten worden, die Atomlaufzeit nicht zu verlängern. Einem kleinen Beitrag zur Energieversorgung stünden große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken entgegen, hieß es.

In der laufenden Debatte zur Energiesicherheit in Deutschland hat Bundeskanzler Scholz derweil vor einer „globalen Renaissance der fossilen Energie“ infolge der Gaskrise durch den Ukraine-Krieg gewarnt. Beim Petersberger Klimadialog in Berlin brachte er seinen Unmut über den wachsenden Anteil der Kohleverstromung zum Ausdruck. „Umso wichtiger ist es, dass wir eines ganz klar festhalten: Das ist eine zeitlich eng befristete Notmaßnahme, die nicht zulasten unserer Klimaziele geht“, sagte der SPD-Politiker. Nun bleibt abzuwarten, wie die Regierung angesichts der Herausforderungen beim Strompreis und der Gaskrise in Deutschland irgendwann den Wechsel zum Klimaschutz findet.

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