Energiekrise

Kein Strom aus Gas mehr: Wegen Gaskrise fordert Lindner drastische Maßnahme

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Die Gaskrise in Deutschland ist für Christian Lindner Anlass, über ein Stopp der Stromproduktion mit Gas nachzudenken. Atomkraft sei eine sichere Alternative.

Berlin – Seit Wochen spitzt sich die Gaskrise in Deutschland weiter zu und fordert kreative Ideen der Politik, um die schlimmsten Auswirkungen auf die Verbraucher abzufangen. Mit Sorge blicken Experten derzeit auf den kommenden Winter, denn wegen der Füllstände in Gasspeichern ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht garantiert. Derweil ist die Gefahr groß, dass die Gaskrise auch zu einer Stromkrise werden könnte. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) fordert deshalb drastische Maßnahmen und spricht sich für ein Ende der Stromproduktion mithilfe von Gas aus. Zuvor hat Lindner schon wegen der Gaskreise vor einer Stromlücke im Winter gewarnt.

Wegen Gaskrise in Deutschland: Lindner warnt vor Stromkrise und will Stromproduktion mit Gas stoppen

„Wir müssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise kommt“, sagte der FDP-Vorsitzende der Bild am Sonntag. „Deshalb darf mit Gas nicht länger Strom produziert werden, wie das immer noch passiert.“ Der Vorstoß des Liberalen kommt wohl für viele Experten nicht überraschend: Seit die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 nicht mehr garantiert werden können, werden in der Politik Alternativen diskutiert. Auch Atomkraft in Deutschland nach 2022 steht dabei zur Debatte.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) spricht sich für den Stopp der Stromproduktion mit Gas aus und befürwortet Atomkraft.

Die FDP zeigte sich von der Idee zuletzt nicht abgeneigt und einzelne Vertreter der Partei sprachen für eine Debatte losgelöst von Idealen über verlängerte Laufzeiten der AKWs in Deutschland aus. Eigentlich sollen die verbleibenden Meiler in der Bundesrepublik bis zum Jahresende vom Netz genommen werden. Seit Wochen wird aber erwogen, wegen der Gaskrise in Deutschland vorübergehend weiter auf Atomkraft zu setzen. Widerspruch gab es besonders von den Grünen. Derweil bringt Bayern Fracking in Norddeutschland ins Spiel.

Renaissance von Atomkraft: Gaskrise in Deutschland bringt Politik zum Umdenken

Dass er nun wegen der Gaskrise in Deutschland, die auch zunehmend Lebensmittel bedroht, ein Stopp der Stromproduktion mithilfe von Gas fordert, verbindet Lindner gleichzeitig mit einem Appell an den Bundeswirtschaftsminister: „Robert Habeck hätte die gesetzliche Ermächtigung, das zu unterbinden“, sagte Christian Lindner. Seiner Einschätzung nach würde vieles dafür sprechen, die „sicheren und klimafreundlichen“ Atomkraftwerke nicht vom Netz zu nehmen, „sondern nötigenfalls bis 2024 zu nutzen“.

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Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und der damit zusammenhängenden Gaskrise in Deutschland scheint es fast so, als würde die Atomkraft in der Bundesrepublik vor einer Renaissance stehen – zumindest in den Augen einiger Politiker. Während die CDU bei dem Thema schon weiter ist und die Bestellung neuer Brennstäbe vorschlägt, weisen Gegner der nuklearen Stromgewinnung immer wieder auf die Risiken hin. Denn Deutschlands Suche nach einem neuen Endlager ist noch nicht abgeschlossen. Das zuständige Bundesamt verwies zuletzt darauf, dass wohl der Zeitplan nicht eingehalten werden kann.

Bau von neuen Atomkraftwerken zur Stromgewinnung: Arbeitgeber halten auch längere Laufzeiten für notwendig

Während die Gaskrise Deutschland weiter fest im Griff hat, seien ein Weiterbetrieb der drei in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke und eine Debatte über den Bau neuer Reaktoren laut Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, unumgänglich. „Ich halte eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke für absolut notwendig“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Derweil wird eine Übergewinnsteuer für Unternehmen gefordert, die in der gegenwärtigen Krise besonders große Gewinne einfahren.

Die Politik befasst sich derzeit vorrangig mit längeren Laufzeiten für die AKWs in Deutschland, Wolf ist an diesem Punkt schon weiter und spricht sich für eine Debatte über neue Atommeiler aus. „Weltweit werden derzeit 50 neue Atomkraftwerke gebaut, die Technik hat sich weiterentwickelt. Die EU hat die Atomenergie gerade erst als grüne Energie gekennzeichnet“, sagte er. Investitionen in bestimmte Gas- und Atomkraftwerke können in der EU ab Januar 2023 als klimafreundlich eingestuft werden. Das hatte das EU-Parlament im Juli entschieden.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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