AKK vor Comeback? Merz könnte Ex-CDU-Chefin für Top-Job gut gebrauchen
VonMax Nebel
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CDU-Chef Friedrich Merz sucht eine Nachfolge für Norbert Lammert. Hinter den Kulissen bringt sich Annegret Kramp-Karrenbauer in Stellung.
Berlin – Der bevorstehende Führungswechsel bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) sorgt in der CDU für Bewegung. Der langjährige Vorsitzende Norbert Lammert (76) hat seinen Rückzug angekündigt – und damit eine der begehrtesten Positionen innerhalb der Union freigemacht. Das Amt gilt als eine Art Ehrenkrone für jene, die aus der aktiven Politik ausgeschieden sind, aber weiterhin Einfluss auf die ideelle Ausrichtung der Partei nehmen wollen.
Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) gilt als mögliche Nachfolgerin von Norbert Lammert an der Spitze der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch Kristina Schröder und Hermann Gröhe werden intern gehandelt. Am Ende hat auch Kanzler Friedrich Merz gehörigen Einfluss auf die Entscheidung.
Die CDU-nahe KAS ist mit über 3.800 Stipendiatinnen und Stipendiaten, rund 1.500 Beschäftigten und Büros in mehr als 100 Ländern eine der wichtigsten politischen Denkfabriken Europas. Ihr Vorsitzender prägt nicht nur die konservative Bildungsarbeit, sondern auch die internationale Außenwirkung der CDU. Die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin ist daher mehr als eine reine Personalie – sie ist ein politisches Signal an die Partei und an die Öffentlichkeit.
Merz könnte Ex-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer für Top-Job gut gebrauchen
Nach Informationen aus Parteikreisen könnte es zu einem überraschenden Comeback von Annegret Kramp-Karrenbauer kommen. Die frühere CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin soll wieder Lust auf eine verantwortungsvolle Aufgabe haben, wie Weggefährtinnen und Weggefährten berichten, schreibt die Bild. Nach ihrem Rückzug aus der Berufspolitik war AKK in der Öffentlichkeit nur selten präsent – zuletzt aber wieder vermehrt auf politischen Veranstaltungen zu sehen.
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur hatte sie Anfang 2025 erklärt, sie genieße zwar ihr Privatleben, bleibe aber politisch interessiert und leidenschaftlich engagiert. „Ich schätze den Zugewinn an Lebensqualität: Ich genieße mein Privatleben und bin glücklich“, sagte sie damals, aber Politik bleibe ihre „wirkliche Leidenschaft“. Reisen mit dem Wohnmobil durch Deutschland und Nordeuropa habe sie ebenso genossen wie den Abstand zum täglichen Regierungsbetrieb – dennoch engagierte sie sich stets weiter und auf vielfältige Weise im Ehrenamt.
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Rückkehr von AKK? Merz setzt auf Ausgleich und Signal der Einheit
Für Friedrich Merz wäre eine Rückkehr Kramp-Karrenbauers an eine prominente Position auch ein Symbol der innerparteilichen Versöhnung. Der CDU-Chef bemüht sich seit seinem Amtsantritt darum, alte Gräben innerhalb der Union zuzuschütten. Insbesondere die Spannungen zwischen den Anhängern der Merkel-Ära und den wirtschaftsliberalen Merz-Befürwortern sollen beigelegt werden. Eine Nominierung von AKK könnte als Geste des Ausgleichs verstanden werden.
Merz’ frühere Konkurrenten um den Parteivorsitz, Armin Laschet und Jens Spahn, sind bereits in einflussreichen Ämtern untergebracht. Nur Kramp-Karrenbauer, seine direkte Vorgängerin, blieb bislang ohne prominente Rolle im Machtgefüge der Union. Dass sie Anfang 2025 aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) austrat, nachdem das Gremium die Migrationspolitik der Union kritisiert hatte, wurde in der CDU-Spitze durchaus positiv bewertet. Ihr Rückzug habe „auf Wohlgefallen gestoßen“, berichtete die dpa unter Berufung auf Parteikreise.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)
Sitz: Berlin und Sankt Augustin bei Bonn
Gründung: 1955 als „Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit“, seit 1964 unter dem Namen Konrad-Adenauer-Stiftung
Beschäftigte: Etwa 660 Mitarbeitende in Deutschland sowie über 1.000 Mitarbeitende in mehr als 100 Auslandsbüros – insgesamt rund 1.500 Beschäftigte weltweit
Stipendienprogramm: Mehr als 3.800 Geförderte, davon über 3.300 Studierende und rund 500 Promovierende
Aufgabe: Förderung von Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Sozialer Marktwirtschaft, Bildung und internationalem Dialog
Struktur: Vorstand mit Vorsitzendem, drei Stellvertretungen, Schatzmeister, Generalsekretär und bis zu 16 weiteren Mitgliedern gemäß Satzung
Weitere Namen für Spitzenjob bei der Konrad-Adenauer-Stiftung im Umlauf: Schröder und Gröhe
Neben Kramp-Karrenbauer kursieren zwei weitere Namen für die Lammert-Nachfolge. Zum einen wird die frühere Familienministerin Kristina Schröder (48) aus Wiesbaden genannt. Sie gilt als konservativ, steht Friedrich Merz persönlich nahe und könnte aus Sicht des Parteichefs dabei helfen, den mächtigen Landesverband Hessen zufriedenzustellen. Schröders Berufung wäre zugleich ein Signal an die wirtschaftsnahen Kräfte innerhalb der Partei.
Auch der ehemalige CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (64) wird als Kandidat gehandelt. Der enge Vertraute von Angela Merkel ist bereits stellvertretender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und verfügt über breite Erfahrung im politischen Bildungswesen. Allerdings hat er angekündigt, sich Ende November um das Amt des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes zu bewerben – was eine gleichzeitige Kandidatur bei der Stiftung unwahrscheinlich macht.
Wahl von AKK im Dezember? Merz hat entscheidenden Einfluss
Die Entscheidung über die Nachfolge soll kurz vor Weihnachten fallen. Am 19. Dezember tritt der Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung zu seiner Mitgliederversammlung zusammen. In dem Gremium sitzen neben Friedrich Merz auch Kanzleramtsminister Thorsten Frei, die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg, Auto-Präsidentin Hildegard Müller sowie Historiker Andreas Rödder. Die Abstimmung wird damit zu einem Gradmesser für den innerparteilichen Einfluss des Kanzlers und CDU-Chefs.
Parteiintern gilt Kramp-Karrenbauer als Favoritin – nicht zuletzt, weil sie bereits Mitglied im Vorstand der Stiftung ist. Offiziell äußerte sie sich bislang nicht zu den Spekulationen – sie ließ entsprechende Anfragen der Bild unbeantwortet. Nach Angaben von Regierungs- und Parteimitgliedern, so das Blatt, die ihr nahestehen, strahle sie jedoch „Lust auf eine neue verantwortungsvolle Aufgabe“ aus. Ob sie tatsächlich Lammerts Nachfolge antreten wird, könnte damit auch von der persönlichen Initiative des Kanzlers abhängen. (Quellen: Bild, dpa, Konrad-Adenauer-Stiftung) (chnnn)