Das undenkbare Szenario

Was passiert, wenn Donald Trump Grönland angreift? Ein Gedankenspiel

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Donald Trump schließt einen Militäreinsatz in Grönland nicht aus. Der Angriff würde die NATO und die Weltwirtschaft zerstören. Ein Gedankenspiel.

Washington – Die Drohungen klingen absurd, geradezu grotesk. Doch Donald Trump meint es ernst. Der US-Präsident schließt einen Militäreinsatz in Grönland nach wie vor nicht aus. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, der Einsatz des US-Militärs stehe dem Präsidenten „selbstverständlich“ als Option zur Verfügung. 

Gute Nacht, Grönland, gute Nacht, Nato: Wenn Trump angreift, endet die Welt, wie wir sie seit 70 Jahren kennen.

Was nach politischem Theater klingt, könnte dramatische Folgen haben. Grönland gehört zu Dänemark. Dänemark ist NATO-Mitglied. Ein Angriff auf Grönland wäre ein Angriff auf die Allianz selbst. Die westliche Sicherheitsarchitektur, nach 1945 gegründet und nach 1989 erneuert, würde in sich zusammenfallen. Doch die Folgen wären noch viel weitreichender, wie ein Blick auf das schlimmstmögliche Szenario zeigt.

Politischer Zwitter: Grönland gehört zur Nato, aber nicht zur EU

Grönland ist weitgehend autonom, gehört offiziell aber zum Königreich Dänemark. Bis 1953 war die Insel dänische Kolonie. Die Regierung in Kopenhagen entscheidet über die Außen- und Verteidigungspolitik Grönlands. In der Vergangenheit haben auch die USA in mehreren Verträgen anerkannt, dass Grönland zu Dänemark gehört.

Aufgrund der Anbindung an Dänemark ist Grönland Teil der NATO. Zur EU gehört die Insel allerdings nicht – 1982 stimmte die Bevölkerung für einen Austritt aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorläufer der EU.

Ein Abkommen aus dem Jahr 1951, das 2004 erneuert wurde, regelt die Verteidigung Grönlands zwischen den USA und Dänemark. Doch dieses Abkommen ist kein Vertrag, sondern ein Executive Agreement. Trump könnte sich mit einem simplen Federstrich davon lösen. Anders als Verträge benötigen solche Abkommen keine Zustimmung des Senats. Der Präsident kann sie einseitig aufkündigen.

Grönland annektieren: Trump hat 60 Tage Zeit

Sollte Trump tatsächlich militärisch vorgehen, müsste er den Kongress innerhalb von 48 Stunden informieren. Das schreibt der War Powers Act von 1973 vor. Ohne Kriegserklärung oder ausdrückliche Genehmigung des Kongresses dürften US-Truppen maximal 60 Tage im Einsatz bleiben, plus 30 Tage für den Rückzug.

Infografik: So funktioniert der Bündnisfall nach Artikel 5 des Nato-Vertrags

Beide Szenarien – eine Kriegserklärung gegen Grönland oder eine Autorisierung zum Einsatz militärischer Gewalt – sind höchst unwahrscheinlich. Doch 60 Tage könnten ausreichen, um Grönland unter Kontrolle zu bringen. Hinzu kommt: Der War Powers Act wurde in der Vergangenheit mehrfach missachtet. Die Resolution hat Präsidenten bisher kaum aufgehalten, wenn sie militärisch vorgehen wollten.

Trump greift Grönland an: Das Ende der NATO

Völkerrechtlich wäre ein Angriff auf Grönland eindeutig unrechtmäßig. Es wäre ein Angriff auf dänisches Staatsgebiet. Es wäre ein Angriff auf NATO-Territorium. Artikel 5 des NATO-Vertrags besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen ein oder mehrere Mitglieder als Angriff gegen alle gilt. Die Mitgliedstaaten wären verpflichtet, dem angegriffenen Mitglied beizustehen.

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird

NATO-Vertrag, Artikel 5

Doch was passiert, wenn der Angreifer selbst NATO-Mitglied ist? Darauf hat die Allianz keine Antwort. Der Fall wurde nie vorgesehen. Die NATO wurde gegründet, um Europa vor der Sowjetunion zu schützen. Nicht, um Europa vor den USA zu schützen. Es entstünde ein unauflösbares Paradoxon. Alle NATO-Staaten müssten dem angegriffenen Staat gegen den Aggressor helfen – und damit wiederum selbst ein NATO-Mitglied angreifen.

Dementsprechend würde ein solcher Angriff der USA unweigerlich das Kollabieren der NATO nach sich ziehen – und damit auch das der bekannten Weltordnung. Plötzlich gäbe es nicht mehr den einen großen, westlichen Interessens- und Verteidigungsblock. Stattdessen gäbe es die USA, die EU und jene Länder, die der NATO angehörten, aber kein EU-Mitglied sind. Zum Beispiel Großbritannien oder die Türkei. Zersplitterung statt Einheit. Russland und China könnten ihr Glück vermutlich kaum fassen.

[…] sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen […] Beistand leistet, […] um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Nato-Vertrag, Artikel 5

Ohne die NATO gäbe es auch keine NATO‑Stützpunkte der US-Streitkräfte in Europa. Europa würde wohl die Schließung sämtlicher US-Stützpunkte und den Abzug aller amerikanischen Truppen auf dem Kontinent fordern. Ramstein in Deutschland, Aviano in Italien, Lakenheath in Großbritannien und mehr als 120 weitere amerikanische oder von den Amerikanern mitgenutzte Stützpunkte. Die Fähigkeit der USA, Macht im Nahen Osten oder in Afrika auszuüben, verschwände über Nacht. Israel verlöre seine Schutzmacht. Das politische und militärische Gleichgewicht in der arabischen Welt würde dramatisch ins Wanken geraten.

Krieg um Grönland: Wirtschaftlicher Kollaps in Europa und den USA

Dann käme die ökonomische Atombombe. Die Europäische Union ist der größte Binnenmarkt der Welt. Sie würde ihn vermutlich als Waffe gegen die USA einsetzen. Europa könnte US-Staatsanleihen abstoßen und Dollarreserven auf den Markt werfen. Der Wert der amerikanischen Währung würde dadurch dramatisch abstürzen. 

US-Konzerne stünden in Europa vor dem Aus. Apple, Google, Microsoft, McDonald‘s, Tesla – sie alle haben die Nähe zur Trump-Regierung gesucht und würden dann vermutlich aus dem europäischen Markt gedrängt. Das Worst-Case-Szenario für die Wirtschaft: Vermögen würden beschlagnahmt, Geschäfte verboten. 

Die 16 absurdesten Donald-Trump-Momente 2025

Trumps Gaza Video auf Großleinwänden bei einem Konzert der Band „Massive Attack“ auf dem Unaltrofestival in Italien
Im Februar postete Donald Trump ein KI-generiertes Video, das seine Zukunftsvision für den Gaza-Streifen zeigte. Darin zu sehen waren goldene Trump-Statuen und riesige Hoteltürme. Nach eigener Aussage wollte er das Gebiet zur „Riviera des Nahen Ostens“ machen. Auch eine Vertreibung der lokalen Bevölkerung stand im Raum. Im Hintergrund lief ein KI-generierter Song mit dem Text „Trump-Gaza, Number one“. Auf dem Foto sieht man ein Konzert der Trump-kritischen Band „Massive Attack“, die das Video im Bühnenbild nutzte. © IMAGO / Alessandro Bremec
Flagge Grönlands im Wind
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit sprach Donald Trump immer wieder davon, Grönland zu US-Staatsgebiet zu machen. Im März sagte er über Dänemark: „Sie sagen, sie hätten Anrechte [auf Grönland]. Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Aber ich denke nicht.“ Dass Grönland völkerrechtlich tatsächlich zu Dänemark gehört, schien dem US-Präsidenten egal zu sein. © IMAGO / Kristian Tuxen Ladegaard Berg
US-Präsident Trump sitzt an seinem Schreibtisch im Oval Office, neben ihm steht der 4-jährige Sohn von Elon Musk
Während einer Pressekonferenz im Oval Office flüsterte Elon Musks Sohn X Æ A-Xii dem US-Präsidenten Beleidigungen zu. In den Aufnahmen zu hören sind Sätze wie „Du bist nicht der Präsident. Du musst weggehen.“ oder „Ich möchte, dass du den Mund hältst.“ © IMAGO / CNP / AdMedia
Demonstrantin hält ein gelbes Schild mit einem Pinguin und dem Schriftzug „Don‘t tariff on me“
Am 02.04.2025 veröffentlichte Donald Trump seine Zollliste, die die Weltwirtschaft ins Chaos stürzte. Auf der Liste der sanktionierten Länder standen auch die Heard- und McDonald-Inseln. Erstens gehören sie zu Australien, bräuchten also gar keine eigene Zollregelung und zweitens leben auf ihnen quasi ausschließlich Pinguine. Daraufhin kam die Vermutung auf, Trump habe die Liste von ChatGPT erstellen lassen. Online machten Witze über sanktionierte Pinguine die Runde. © IMAGO / Carl Seibert
McMahon im Weißen Haus
So sehr Trump KI, bzw. AI auch liebt, so wenig Ahnung scheint seine Bildungsministerin Linda McMahon von der Technologie zu haben. Im April freute sie sich darüber, dass Kinder in der Schule zukünftig den Umgang mit „A.1.“ lernen sollen. Die Abkürzung AI schien ihr fremd zu sein. Vor ihrer Politik-Karriere managte McMahon bis 2009 zusammen mit ihrem Ehemann die Show-Wrestling-Liga WWE. © IMAGO / Bonnie Cash - Pool via CNP
Zwei Soldaten winken bei Trumps Militärparade aus einem Panzer, darüber ein gigantischer Monitor mit dem Logo der UFC
Zum 250-jährigen Bestehen der US Army ließ Trump eine Militärparade veranstalten. Zufälligerweise fiel sie exakt auf seinen Geburtstag am 14. Juni. Über den Panzern thronten riesige Werbeanzeigen der Hauptsponsoren – darunter die Kampfsport-Liga UFC und Coinbase, eine Handelsplattform für Kryptowährungen. © IMAGO / Tom Williams
US-Präsident Trump auf dem Dach des West Wings des Weißen Hauses
Große Verwirrung herrschte im August, als Trump einen Spaziergang auf dem Dach des Weißen Hauses machte. Mit Reportern unterhielt er sich über seine Pläne, das Gebäude umzubauen. Auf die Frage, was er noch alles bauen wolle, antwortete er scherzhaft „Atomraketen“. © IMAGO / Pool / ABACA
Hufeisenmagnet zieht mehrere Metallkugeln an, 3D-Illustration
In mehreren Reden stellte Donald Trump absurde Thesen über Magnete auf. Glaubt man dem US-Präsidenten, wisse niemand, was Magnete überhaupt seien. Außerdem würden sie ihre Funktion verlieren, wenn man Wasser auf sie schüttet. © IMAGO / Zoonar.com / Cigdem Simsek
Logo des neuen „Department of War“
Von einigen wird Trump als Friedenspräsident gefeiert. Immerhin habe er in der ersten Amtszeit keinen neuen Krieg angefangen. Doch ein Dekret des Präsidenten vom 5. September will nicht so recht in dieses Bild passen. Trump benannte das „Department of Defense“ (Verteidigungsministerium) kurzerhand in „Department of War“ (Kriegsministerium) um. Damit ist der ehemalige Fox News-Moderator Pete Hegseth nun offiziell „Kriegsminister“. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump spricht vor Kameras
Am 10. September wurde der Rechtsextreme und Trump-Vertraute Charlie Kirk ermordet. Donald Trump drückte sein Entsetzen aus, doch als er nur drei Tage nach dem Vorfall gefragt wurde, wie er mit dem Verlust umgehe, war von Trauer oder Empathie wenig zu spüren. Der US-Präsident beteuerte, dass es ihm „sehr gut“ gehe. Statt über Kirk zu sprechen, wechselte er abrupt das Thema und redete lieber darüber, wie großartig sein neuer Ballsaal werden würde. © IMAGO / ZUMA Press Wire
Armenische und albanische Flagge im Wind, Illustration
Bei einer Pressekonferenz im September redete Trump davon, zwischen „Aberbaidschan“ und Albanien vermittelt zu haben. Eigentlich meinte er Aserbaidschan und Armenien. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Fehler passierte. Insgesamt gibt es mindestens drei dokumentierte Fälle. Beim Gipfel der „Europäischen Politischen Gemeinschaft“ machte Albaniens Premier Edi Rama daraufhin Witze über die großartige Streitschlichtung zwischen seinem Land und Aserbaidschan. © iunewind / IMAGO
Bild eines weitgehend zerstörten Teils des East Wings am Weißen Haus während der Abrissarbeiten
Im Oktober rollten Bagger an und zerstörten den historischen East Wing des Weißen Hauses vollständig. Hier soll Trumps neuer Ballsaal entstehen. Weder wurde die Öffentlichkeit im Vorhinein über den Abriss informiert, noch gibt es für das Projekt eine Genehmigung der zuständigen Planungskommission. Finanziert wird es durch private Spenden, unter anderem von Amazon, Apple, Microsoft, Google und Meta. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump
Ebenfalls im Oktober präsentierte Trump im Weißen Haus Modelle eines Triumphbogens für Washington. Er soll zum 250-jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit errichtet werden. Das größte Exemplar gefalle ihm natürlich am besten. Schnell gaben Internet und Presse dem Projekt den Namen „Arc de Trump“. Kritiker sehen Parallelen zu den Machtbauten historischer Diktatoren, beispielsweise zu Napoleon oder zu Plänen für Hitlers „Welthauptstadt Germania“. So bezeichnet etwa „Der Standard“ Trump als „Möchtegern-Cäsar“. © Jim Lo Scalzo/Imago
Bild einer auf Papier gezeichneten Uhr
Donald Trump prahlte mit seinem guten Abschneiden bei einem IQ-Test. Der sei teilweise „wirklich schwierig“ gewesen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelte es sich jedoch um den Montreal-Cognitive-Assessment-Test – ein Demenztest, der im Rahmen einer Routineuntersuchung durchgeführt wurde. Aufgaben bestehen unter anderem darin, eine bestimmte Uhrzeit mit gezeichneten Uhrzeigern darzustellen oder ein Nashorn zu erkennen. © AndreyPopov / IMAGO
Links: Musiker Kenny Loggins während eines Auftritts. Rechts: US-Präsident Donald Trump inszeniert sich in einem KI generierten Video als Kampfjet-Pilot, der eine Krone trägt.
Als Reaktion auf die „No Kings“-Proteste postete Donald Trump ein KI-generiertes Video (rechts), das ihn mit einer Königskrone zeigt. In einem Kampfjet fliegt das KI-Abbild des Präsidenten über die Protestierenden und wirft Fäkalien auf diese ab. Im Hintergrund läuft der Song „Danger Zone“, den man aus dem Film „Top Gun“ kennt. Sänger Kenny Loggins (links) protestierte gegen die Nutzung seines Liedes. © Dave Alloca/imago/Truth Social (Screenshot)
US-Präsident Trump in Japan
Bei einem Besuch in Japan wirkte Donald Trump verwirrt. Geistesabwesend läuft er am Begrüßungskomitee vorbei. Premierministerin Sanae Takaichi muss den US-Präsidenten immer wieder auf den richtigen Weg führen. Am Ende kommen beide wieder bei ihrem Startpunkt an  © Mark Schiefelbein/dpa

Selbstverständlich würden die USA genauso reagieren und europäische Firmen aus ihrem Markt ausschließen. Von deutschen Autobauern bis zu spezialisierten mittelständischen Unternehmen – sie alle würden plötzlich den oftmals überlebenswichtigen Absatzmarkt USA verlieren.

Es wäre der Beginn einer neuen Weltwirtschaftskrise. Möglicherweise der schwersten aller Zeiten.

Flugverbot und kollabierende Logistikketten

Am Himmel würde es innerhalb kürzester Zeit still. Nicht nur, dass Flüge von den USA nach Europa oder umgekehrt wohl eingestellt würden, da sich die Nationen de facto im Krieg befinden würden. Es würde vermutlich auch zum großen Flugzeug-Boykott kommen: Europa setzt keine Boeing-Maschinen mehr ein, die USA nicht mehr die von Airbus. Denn die Beschaffung von Ersatzteilen und Wartungsmaterial würde unmöglich werden. Ein Szenario, das Russland derzeit infolge des Ukraine-Kriegs durchlebt.

Die Folgen wären individuell und global gigantisch. Wer sich gerade in Paris oder New York aufhält, ist dort gestrandet. Die gesamte Warenlogistik würde zusammenbrechen. Von Unterhaltungselektronik über Maschinenteile bis hin zu Medikamenten – nichts wäre mehr frei verfügbar. Ein unaufhaltsamer Brandbeschleuniger für den globalen Flächenbrand Wirtschaftskrise.

Kulturelle Isolation und das Ende allen Vertrauens

Auch kulturell würde die Isolation schmerzhaft. Das Internationale Olympische Komitee und die FIFA hätten keine andere Wahl, als die USA als Aggressor von Wettbewerben auszuschließen – so wie derzeit Russland. Amerikanische Künstler würden genauso wenig in Europa auftreten können wie europäische Orchester in den USA. Gemeinsame Kinoproduktionen von europäischen und amerikanischen Studios, Welt-Tourneen von Superstars, internationale Preisverleihungen – alles würde von den Konfliktparteien gegenseitig boykottiert werden.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Für einzelne US-Bürgerinnen und ‑Bürger würden die Konsequenzen persönlich und schmerzhaft. Visafreies Reisen nach Europa würde sofort enden. Amerikaner, die derzeit in Europa leben oder arbeiten, verlören ihren rechtlichen Schutz und Aufenthaltsstatus. Sie würden zu unerwünschten Personen, möglicherweise drohten sogar Abschiebung oder Internierung. Angesichts des aktuellen Vorgehens von ICE ist es naheliegend, dass die USA im Gegenzug genauso mit Europäern verfahren würden.

Es wäre darüber hinaus und vor allem das Ende allen Vertrauens. Und das ließe sich nicht zurückdrehen. Man kann nicht einfach einen demokratischen Verbündeten überfallen und nach der nächsten Präsidentschaftswahl sagen: „War alles nicht so gemeint.“

Der psychologische Bruch wäre dauerhaft. Europa würde die Vereinigten Staaten nicht mehr als Partner wahrnehmen, sondern als ein unberechenbares Raubtier. Es würde eigene Verteidigungsstrukturen aufbauen, eigene Finanzsysteme, eigene Allianzen – die gezielt die USA ausschlössen. Das Erbe Trumps wäre nicht ein starkes, sondern ein isoliertes Amerika. Und vermutlich der wirtschaftliche Ruin zweier Kontinente. (cel)

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