Grönland-Plan von Trump: Abgeordneter warnt vor „internationaler Isolation“
Der Republikaner Mitch McConnell kritisiert im Senat Trumps Grönland-Politik. Die USA brauchten die NATO-Staaten als Verbündete.
Washington, D.C. – Mitch McConnell spricht langsam und tief. Der langjährige Anführer der republikanischen Partei mit dem weißen Haar und den tiefen Falten im Gesicht steht aufrecht hinter dem hölzernen Redepult. „Die größte Frage, die sich heute in Bezug auf das erfolgreichste Militärbündnis der Welt stellt, betrifft uns, die Vereinigten Staaten von Amerika“, sagt er. Am Mittwoch, 14. Januar, nutzte McConnell seine Redezeit im Senat, um ein Plädoyer für die NATO zu halten. Dabei kritisierte er deutlich die Grönland-Politik von Donald Trump. Er warnte: Die USA brauchen Verbündete.
Mitch McConnell repräsentiert im Senat den US-Bundesstaat Kentucky. Er ist 83 Jahre alt und hat dort seine Partei, die Republikaner, 18 Jahre lang angeführt. Er ist damit der am längsten amtierende Anführer einer Partei in der Geschichte des US-Senats. Bevor Donald Trump 2025 Präsident wurde, war er in der Partei nicht als Querschläger bekannt.
McConnell verteidigt NATO-Bündnis: Sicherheit Europas ist im Interesse Trumps
McConnell begann seine Rede mit einer Nacherzählung der westlichen Politikgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals hätten die Amerikaner erkannt, dass Instabilität in Europa auch Unsicherheit für Amerika bedeutete. „Die Sicherheit und Stabilität Amerikas hing von der Sicherheit und Stabilität Europas ab“, bilanzierte McConnell. Diese Erkenntnis führte zum Marshallplan, zur NATO und zu Artikel 5 – Verpflichtungen, die trotz innenpolitischer Opposition und isolationistischer Tendenzen lange Bestand gehabt hätten.
Umfragen aus den späten 1940er Jahren und der Anfangszeit des Kalten Krieges zeigten laut McConnell, dass die Amerikaner bereit waren, die Verpflichtung einzugehen, einem anderen Land im Falle eines Angriffs beizustehen. Diese Verpflichtung sei zwar nie billig gewesen, aber weitaus günstiger als ein Krieg. Als 1989 die Sowjetunion zusammenbrach, sprachen sich laut McConnell noch immer drei Viertel der Bevölkerung für die Beibehaltung der NATO aus. Und im Jahr 2019, vor der vollständigen Invasion Russlands in der Ukraine, sei die Unterstützung sogar noch größer gewesen.
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Republikaner schießt gegen Trump: Alte NATO-Kritik stimmt nicht mehr
McConnell räumte ein, dass er und andere Europa seit Jahren unzureichende Verteidigungsausgaben vorwerfen. Doch angesichts der aktuellen Gegebenheiten sei diese Kritik nicht mehr angemessen. Polen plane, fast 5 Prozent seines BIP für Verteidigung auszugeben, während die baltischen Staaten dieses Niveau erreichen oder übertreffen würden. Finnland und Schweden näherten sich den NATO-Zielen schneller als geplant. Deutschland habe seine Verfassung geändert, um Defizitausgaben für die Verteidigung zu ermöglichen. „Mit anderen Worten“, erklärte McConnell, „ist Europas langer Urlaub von der Geschichte vorbei.“
Was sich jedoch nicht geändert habe, sei die Selbstzufriedenheit Washingtons. Die US-Verteidigungsbudgets stagnierten, hielten nicht mit der Inflation Schritt und ließen industrielle Kapazitäten ungenutzt, obwohl in der Ukraine und im Nahen Osten Kriege toben. Die Ironie ist laut McConnell offensichtlich: Während die Verbündeten sich engagieren, ziehe sich Amerika zurück.
Grönland-Frage: Will Trump gegen seine Feinde alleine dastehen?
McConnell kritisierte die jüngsten Drohungen und Äußerungen gegenüber Grönland scharf. Die Arktis sei sehr wichtig und Dänemark und andere nordische Verbündete würden die strategische Bedeutung erkennen. Sie investierten massiv in die regionale Sicherheit. Die USA hätten seit langem tiefen Zugang zu Grönland, der ihnen von willigen Partnern gewährt werde.
Was die Regierung nicht gezeigt habe, sei, was Amerika davon hätte, dieses Vertrauen zu zerstören. „Ich habe noch nichts gehört, was wir von Grönland brauchen, das dieses souveräne Volk uns nicht bereits gewähren würde“, sagte er. Auf dem Spiel stehe nicht nur Grönland, sondern auch die Frage, ob die USA beabsichtigten, China, Russland, Iran und Nordkorea mit Verbündeten oder allein entgegenzutreten.
Unter Trump könnten die USA die NATO aufgeben, der Preis wäre internationale Isolation
McConnell schloss mit einem Blick auf die Stimmung in den USA. Umfragen zeigten, dass nur 17 % die Übernahme der Kontrolle über Grönland unterstützen. Unterdessen bliebe die Unterstützung für die NATO und Artikel 5 stark und wachse weiter. Fast jeder fünfte Amerikaner, der ursprünglich für einen Austritt aus der NATO war, habe seine Meinung geändert, als er erfuhr, wie stark die europäischen Verbündeten ihre Verteidigungsausgaben erhöhten. Das, so McConnell, sei die eigentliche politische Lehre, die Washington übersehe. Die Amerikaner hätten nichts gegen Allianzen, sondern gegen Schmarozer – und zunehmend träfe dieser Vorwurf auf Europa nicht mehr zu.
Die Gefahr, so warnte McConnell, bestehe nicht darin, dass die NATO Amerika im Stich lassen wird. Die Gefahr bestehe darin, dass Amerika die NATO im Stich lassen werde – und zu spät entdecke, was es aufgegeben hat. McConnell erwähnte Trump in seinem Plädoyer nicht. Und dennoch lässt sich aus der Rede die eindeutige Kritik an Trumps MAGA-Regierung heraushören. Und die eindeutige Warnung: Die USA drohen, sich international zu isolieren. Und bei aller militärischer Stärke könnte der Preis zu hoch sein. (Quellen: YouTube, Kyiv Post) (cdz)