NATO-Admiral aus den USA würde bei Eskalation Grönland vor Trump verteidigen
VonKatja Thorwarth
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US-Präsident Trump sieht Grönland als natürlichen Teil der USA. Die Rolle Dänemarks scheint ihn trotz NATO kaum zu interessieren. Eine Personalie rückt in den Fokus.
Nuuk/Brüssel – Die US-Regierung um Präsident Donald Trump bekräftigt ihre Ansprüche auf Grönland und schließt selbst eine militärische Eskalation nicht aus. Nun gehört Grönland zum Königreich Dänemark und das ist Teil der NATO. Daher rückt in der aufgeheizten Debatte die Rolle von Alexus G. Grynkewich in den Fokus: Er ist US-amerikanischer General der United States Air Force und seit 1. Juli 2025 in Personalunion auch Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa.
Eigentlich würde Trump Grönland lieber kaufen, doch dessen Premier Jens-Frederik Nielsen dürfte auf ein diesbezügliches Angebot negativ reagieren: „Die USA bekommen Grönland nicht. Wir gehören niemand anderem. Wir bestimmen selbst über unsere Zukunft“, sagte er bereits Ende März vergangenen Jahres. Auch kürzlich kommentierte er das US-amerikanische Säbelrasseln auf Facebook: „Das reicht jetzt. Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexionsfantasien.“ Doch was passiert, wenn Trump tatsächlich mit einem militärischen Schlag reagiert?
US-Admiral würde Grönland vor Trump verteidigen
Dann würde der NATO-Bündnisfall eintreten – und Grönland von einem US-Admiral gegen die USA verteidigt. Wie die Zeitung Die Welt recherchierte, hat Oberbefehlshaber Grynkewich die Zuständigkeit für die Verteidigung der nordischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark zum 5. Dezember 2025 geändert: und zwar vom operativen Streitkräfte-Kommando („Joint Force Command“, JFC) Brunssum in den Niederlanden zum JFC Norfolk in Virginia, USA.
Die Welt berichtet weiter, dass die Nordländer selbst um den Wechsel nach Norfolk gebeten hätten. Ihnen sei aufgrund ihrer Rolle als große Seestreitkräfte „eine stärkere Anbindung an die USA“ wichtig gewesen. Demnach habe dies mit der eskalierenden Situation in Grönland nichts zu tun gehabt, auch wenn Trump bereits mehrfach diesbezügliche Ansprüche erhob. Der direkte Bezug ergibt sich aber dadurch, dass das JFC Norfolk seit Januar 2024 vom US-amerikanischen Vizeadmiral Douglas G. Perry geleitet wird. Er ist auch Kommandeur der 2. US-Flotte und daher für den Nordatlantik und die US-Ostküste zuständig, wie die Welt erklärt. Und damit für Grönland. Perry würde also die NATO zur Grönland-Verteidigung befehlen – gegen seinen eigenen Oberbefehlshaber Trump.
Invasion Grönlands durch die USA „raketenmäßig dumm“
Ob der US-Präsident bereits über dieses Szenario nachdenkt, ist nicht überliefert. Derweil hagelt es Kritik an seinen Ambitionen – selbst aus den eigenen Reihen. So schrieb Senator John Curtis auf X, es sei wichtig, die Partnerschaft mit Dänemark und Grönland zu verstärken, aber „der Einsatz des Militärs ist nicht angemessen, nicht nötig und nichts, was ich unterstützen werde“. Senator John Kennedy ging etwas weiter und sagte nach einer Unterrichtung im Kongress durch Außenminister Marco Rubio, dass sogar ein „mäßig intelligenter Neuntklässler“ wisse, dass eine Invasion Grönlands „raketenmäßig dumm“ wäre.
Kennedys Parteikollege Thom Tillis bezog sich auf Trumps einflussreichen Vizestabschef Stephen Miller, der mit besonders scharfen Äußerungen zu Grönland für Aufsehen gesorgt hatte. Miller sollte entweder wissen, worüber er spreche, oder sich einen neuen Job suchen, forderte der Republikaner. Als „dumm“ bezeichnete auch Don Bacon, ein Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Trumps Vorhaben. Die Gedankenspiele der Regierung zu Grönland seien schädlich und sorgten nur für Ärger bei den NATO-Verbündeten. Dem Sender CNN erklärte er, das Ansinnen, sich Grönland einzuverleiben, sei eine der „dümmsten“ Sachen, die er seit einem Jahr aus dem Weißen Haus gehört habe. (Quellen: Welt, dpa, eigene Recherche) (ktho)