„Geduld mit Hisbollah ist geplatzt“: Mossads Handschrift in Pager-Explosion im Libanon
VonSimon Schröder
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Eine Reihe von Explosionen im Libanon hat die Hisbollah-Miliz unerwartet getroffen. In den Kommunikationspagern der Terrorgruppe war Sprengstoff versteckt.
Tel Aviv/Beirut – Es sind Szenen, die fast aus einem Spionagefilm stammen könnten. Im Libanon explodierten am 17. September im ganzen Land Pager. Die kleinen elektronischen Geräte nutzt die Hisbollah zur Kommunikation, um von westlichen Geheimdiensten und Staaten nicht abgehört werden zu können. Doch wie es scheint, hatte es Israel geschafft, in mehreren hundert bis tausend Geräten Sprengstoff einzubauen. Wodurch die kleinen Geräte alle gleichzeitig explodierten.
Hinter dem Anschlag auf die Terrororganisation der Hisbollah vermuten viele nun den israelischen Geheimdienst Mossad. Bei dem Pager-Angriff auf die Hisbollah sollen insgesamt elf Menschen getötet und mindestens 2700 Menschen verletzt worden sein, wie die New York Times und andere Medien berichten. Um 15.30 Uhr sollen die elektronischen Geräte eine Nachricht bekommen haben – scheinbar von der Hisbollah-Führung. Die Pager piepten wohl einige Momente – und explodierten dann.
Eine libanesische Überwachungskamera zeigt den Moment der explodierenden Pager. Ein mutmaßliches Mitglied der Hisbollah wird von dem explodierenden Pager überrascht. Der Mann im weißen Hemd und der blauen Kappen liegt wenige Momente später am Boden und stöhnt vor Schmerz.
Experte äußert sich über den Angriff auf die Hisbollah: „Großer Schlag gegen die Hisbollah“
Geheimdienstexperte Schlomo Shpiro äußerte sich über den Vorfall auf dem Nachrichtensender Welt. Sollte Israel tatsächlich hinter dem Anschlag stecken, wäre es ein klares Zeichen, dass die Geduld der israelischen Regierung mit der Hisbollah geplatzt sei. „Die täglichen Raketenangriffe aus dem Libanon und das ist ein großer Erfolg, ein großer Schlag gegen die Hisbollah. Zumal, weil diese chiffrierten Pager … nur an relativ hochrangige und aktive Mitglieder der Hisbollah verteilt wurden.“
Die Pager sollen von der taiwanesischen Firma Gold Apollo stammen und in den Libanon importiert worden sein. Die Firma selbst hatte bekanntgegeben, der ungarische Hersteller BAC Consulting sei für die Produktion der Pager verantwortlich gewesen. Gold Apollo habe ihr Produkt an die Firma lizenzieren lassen.
Eins ist sicher, bei den Nachrichtendiensten der Hisbollah und des Irans läuft alles auf Hochtouren, um herauszufinden, wie dieser Angriff gemacht wurde und um welche Geräte es geht und wie es aus der Ferne gezündet wurde
Gold Apollo hatte BAC autorisiert „unser Markenzeichen für den Verkauf von Produkten in bestimmten Regionen zu verwenden, wobei die Entwicklung und Herstellung der Produkte vollständig von BAC übernommen wurde“, wie es in einem Statement der taiwanesischen Firma heißt. Die Website von BAC Consulting ist aktuell nicht erreichbar (Stand: 18. September). Hsu Ching-kuang Chef von Gold Apollo, merkte außerdem an, dass die Überweisungen von BAC Consulting „sehr merkwürdig“ gewesen seien, da die Zahlungen über den Mittleren Osten gekommen waren.
Lage zwischen Israel, dem Libanon und der Hisbollah könnte nun weiter eskalieren
Aufgrund des Anschlags könne die Lage nun auch eskalieren, beurteilt Shipiro. „Eins ist sicher, bei den Nachrichtendiensten der Hisbollah und des Irans läuft alles auf Hochtouren, um herauszufinden, wie dieser Angriff gemacht wurde und um welche Geräte es geht und wie es aus der Ferne gezündet wurde.“ Außerdem betonte der Experte, der Angriff habe auch psychologische Wirkung für die Hisbollah. Israel könne die Organisation überall erreichen, kein Mitglied sei sicher. „Dieses starke Gefühl der Unsicherheit, kann schon starke Folgen in der Hisbollah haben.“
Die libanesischen Sicherheitsbehörden machen den Mossad für den Anschlag verantwortlich. Gegenüber Reuters äußerte sich ein libanesischer Beamter über die Bomben: „Der Mossad hat in das Gerät eine Platine mit explosivem Material eingebaut, die einen Code empfängt. Es ist sehr schwer, ihn mit irgendwelchen Mitteln zu entdecken. Sogar mit jedem Gerät oder Scanner.“ Im Pager sollen so zwischen 30 und 60 Gramm an Sprengstoff verbaut gewesen sein.
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Hisbollah kündigt Vergeltung gegen Israel an – steckt der Mossad hinter dem Anschlag?
Die Hisbollah, die vor allem aus dem Libanon operiert, ist Verbündeter der radikalislamischen Hamas und feuert in Unterstützung immer wieder Raketen auf Israel ab. Sowohl Hisbollah als auch Hamas werden wiederum vom Iran unterstützt. Die Hisbollah hatte eine „Strafe für die offensichtliche Aggression“ gegen Israel angekündigt. Israel selbst hält sich bedeckt, das israelische Militär oder Premierminister Benjamin Netanjahu haben sich zu dem Anschlag bisher nicht geäußert.
Doch wäre ein solcher Angriff nicht der erste des Mossad. Der israelische Geheimdienst wurde kurz nach Gründung des israelischen Staates ins Leben gerufen, um das junge Land vor Angriffen der Umliegenden arabischen Staaten zu schützen. Doch auch auf Nazis wie Klaus Barbie oder Josef Mengele machte der Geheimdienst Jagd.
Am 5. Januar 1996 schaffte es der Mossad den palästinensischen Terroristen Yahya Ayyasch auszuschalten. Als Ayyasch telefonierte, explodierte das Handy, welches mit 15 Gramm Plastiksprengstoff versehen war in einem ähnlichen Vorfall. Ayyash stellte Bomben für die Hamas her, die in zahlreichen Selbstmordangriffen verwendet wurden. (sischr)