Soldat meldet sich freiwillig

„Hätte sofortigen Tod bedeutet“: Ukrainischer Soldat berichtet über seinen Einsatz im Kamikaze-Panzer 

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Die Ukraine beweist in der Verteidigung ihrer Heimat immer wieder enormen Einfallsreichtum. Nun kam erstmals ein erbeuteter Panzer in einer Kamikaze-Aktion zum Einsatz.

Kiew – Kamikaze-Drohnen spielen eine große Rolle in der Abwehr der russischen Invasion. Nun wandte die ukrainische Armee die Kamikaze-Taktik erstmals auch mit einem von Russland erbeuteten Kampfpanzer an. Im Gegensatz zur unbemannten Drohne kam das Fahrzeug aber nicht ohne menschliche Steuerung aus. Ein Freiwilliger musste daher sein Leben aufs Spiel setzen und fuhr in dem bis zum Anschlag mit Sprengstoff gefüllten Panzer auf russische Stellungen zu, wie die Kyiv Post am Dienstag (11. September) berichtete.

Ukraine-Krieg: Soldat meldet sich offenbar freiwillig für Kamikaze-Aktion

Beschädigte Kampfpanzer Russlands, ausgestellt im Zentrum von Kiew. Die ukrainische Armee setzte einen erbeuteten russischen Panzer mit einer Kamikaze-Taktik gegen die Truppen Moskaus ein.

Der 128. Gebirgsjägerbrigade der Ukraine gelang eigenen Angaben zufolge im Ukraine-Krieg ein schwerer Treffer gegen die russischen Linien. Wie das Brigademitglied Yaroslav Halas am Sonntag in einem Facebook-Post berichtete, erzielte seine Einheit in der Region Saporischschja einen militärischen Erfolg – mithilfe einer neuen Taktik und dank des Mutes eines Soldaten. Vasyl Dudynets, der als Fahrzeugmechaniker bei der 128. Brigade dient, hatte sich dem Bericht zufolge freiwillig für die Kamikaze-Aktion gemeldet.

Ziel war es, einen mit Sprengstoff und Granaten gefüllten erbeuteten russischen Panzer bis knapp vor die russischen Verteidigungslinien zu fahren und dann zur Explosion zu bringen. Ihm sei bewusst gewesen, dass er es vielleicht nicht zurückschaffen würde, so der Soldat. „Es hätte den sofortigen Tod bedeutet, wenn der Panzer getroffen worden wäre und der Sprengstoff explodiert wäre“, zitiert Halas den Freiwilligen. „[...] Es war klar - danach würde ich entweder leben oder tot sein“, so Dudynets weiter.

Im normalen Kampf sei dies nicht der Fall, „wenn dir Arme und Beine abgerissen werden können und deine Frau oder deine Kinder dir dann im Rollstuhl helfen.“ Für ihn gebe es nur zwei Optionen: Unversehrt aus dem Krieg zurückkommen oder sofort sterben. „Deshalb habe ich mich sofort gemeldet, als die Kommandeure diesen speziellen Kampfeinsatz vorschlugen“, so der Soldat weiter.

Kamikaze-Panzer gegen russische Linien: So lief der Einsatz des Freiwilligen ab

Um nicht zu viel über die eigene Taktik zu verraten, bleibt der Bericht der Gebirgsjägereinheit vage. Der genaue Ort und Zeitpunkt der Aktion sind daher unklar. Berichtet wird jedoch, dass der Freiwillige den Panzer so nah wie möglich an die Linien der Truppen Russlands heranfuhr. Im Anschluss sprang er ab, lief in Richtung der ukrainischen Stellungen zurück und zündete den Sprengstoff im Panzer aus der Ferne. Laut Halas soll der Soldat Dudynets von seinen Kameraden den Spitznamen „Kamikaze“ erhalten haben.

Über den Begriff Kamikaze

Der Begriff Kamikaze kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „göttlicher Wind“. Im Zweiten Weltkrieg verwendeten japanische Piloten diese Taktik im Einsatz gegen Schiffe der Alliierten. Die Angriffe auf militärische Ziele wurden als „Selbstmordkommandos“ durchgeführt und nahmen daher den Tod des Piloten in Kauf. Im Zusammenhang mit Kamikaze-Drohnen bezeichnet der Begriff ein unbemanntes Fluggerät, das nur einmal verwendet werden kann, da es beim Einsatz zerstört wird.

Beim Einsatz des Kamikaze-Panzers war dem Bericht zufolge entscheidend, dass die russischen Waffen in Reichweite der Detonation lagen. „Die Explosion der Sprengung war so wirksam, dass unsere Infanterie seither nicht mehr aus diesen Stellungen gestört wurde“, hieß es vonseiten des Pressedienstes der Brigade über die erfolgreiche Militär-Aktion. Die Angaben ließen sich wie viele andere Berichte aus dem Krieg zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Chuzavkov / ZUMA Wire

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