Frankfurter Rundschau vor Ort

Geflüchtete „können kurzfristig nicht zurückkehren“ – Wadephul besucht Syrien

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Außenminister Wadephul zeigt sich erschüttert über die Zerstörung in Syrien. Die Rückkehr der Geflüchteten bleibt ungewiss. Deutschland plant weitere Hilfe.

Damaskus – Neugierig bleiben die Kinder stehen und beobachten die Menschentraube auf ihrem Schulweg. Neben zerstörten Häusern, Schutt und rot-weißem Flatterband, das vor Minen warnt, stehen Männer in Anzügen. Jetzt ruft man die vier Schulkinder zu der Gruppe. „Ich bin Johann“, sagt der deutsche Außenminister Wadephul (CDU). Die vier Jungen kichern aufgeregt. Ein unbeschwerter Moment mitten im Chaos aus Häusergerippen und Staub. 

Die syrischen Schulkinder unterhalten sich kurz mit dem deutschen Außenminister

Der deutsche Außenminister besucht in Syrien Harasta, einen Vorort von Damaskus. „Ein dermaßen großes Ausmaß an Zerstörung habe ich noch nicht gesehen, ich bin tief betroffen.“ Es sei wie „Deutschland 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg“. Und weiter: „Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben.“ Die Geflüchteten aus Deutschland „können kurzfristig nicht zurückkehren“. 

Geflüchtete „können kurzfristig nicht zurückkehren“ – Wadephul besucht Syrien

Diktator Assad bombardierte in den Vororten seine eigenen Bürger und hinterließ eine kilometerlange Wüste aus Häusergerippen und Schutt. Bisher wurden 80 Massengräber gefunden, täglich kommen drei dazu. Von ehemals 350.000 Menschen leben hier nur noch 40.000. Mehr als zwei Drittel der Häuser sind zerstört. So wie hier vor den Toren Damaskus sieht es auch in vielen anderen Orten in Syrien aus. Deutschland ist der wichtigste europäische Unterstützer Syriens und hat das Land und syrische Flüchtlinge mit 13 Milliarden Euro unterstützt. Auch jetzt kündigt Außenminister Wadephul Hilfe beim Wiederaufbau an.

In dem Vorort von Damaskus, wie in vielen Orten im ganzen Land, fehlt es an Strom, Wasser und sanitären Anlagen. Gut sieben Millionen Syrer flohen in Regionen im Inland, sechs Millionen ins Ausland – eine Million von ihnen nahm Deutschland auf. Seit dem Sturz von Diktator Assad im Dezember 2024, gibt es eine brüchige Ruhe. Parallel dazu diskutiert man in Deutschland über die Rückkehr der Geflüchteten. Bisher reisten laut Bundesinnenministerium nur knapp 2000 Syrer aus. Straftäter schiebt man in kleiner Zahl ab. Aber die Lage ist nach 14 Jahren Bürgerkrieg instabil. Nicht nur die Heimat, sondern auch das Vertrauen ist zerstört. Erst im August wurden in der Provinz Suwaida hunderte Menschen bei Kämpfen getötet. Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa deeskalierte, aber die Angst der Minderheiten bleibt. 

Außenminister Johann Wadephul besuchte den völlig zerstörten Vorort Harasta. Anne Merholz (weißes Hemd), Mitglied der Chefredaktion von Ippen.Media, begleitet den Minister

Aber auch in Syrien ist Alltag möglich. Mitten in der Hauptstadt, nur zehn Kilometer von Harasta entfernt, schlendern die Menschen vorbei an intakten Häusern, blühenden Parks und Springbrunnen. Syrien braucht seine Exil-Bürger, besonders die aus Deutschland mit einer guten Ausbildung. Experten schätzen, dass 140 Milliarden Dollar nötig sind, um das Land wieder aufzubauen. Das geht aber nur mit Syrern, die zurückkehren und die Wirtschaft ankurbeln. Gleichzeitig sieht Wadephul sie auch als wichtige Stützen in Deutschland: Viele von ihnen hätten bei uns „eine neue Heimat“ gefunden, seien gut ausgebildet. Die, „die nach Syrien zurückkehren wollen, werden von uns mit einer Träne verabschiedet.“ Jeder, der sich in Deutschland einbringe und integriere, sei „herzlich willkommen.“

Rubriklistenbild: © imago/ Photothek / Dominik Butzmann

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