Neue Lieferungen für die Luftabwehr

Gepard, Skynex, Skyranger: Die Ukraine ist die Laborsituation deutscher Waffenschmieden

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Unkaputtbar – ukrainische Soldaten bringen einen Gepard zur Flugabwehr in Stellung; wegen der Zunahme an Drohnen, erlebt der deutsche Flugabwehr-Oldtimer aktuell eine Renaissance und wird wieder zukunftsfähig.
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Die Gefahr zieht künftig in Schwärmen herauf: Drohnen werden kleiner und günstiger, ihre Zahl wird steigen. Der deutsche Gepard hält effektiv dagegen.

Kiew – Der alte Gepard macht seine Sache hervorragend. Um den Himmel auch in Zukunft freizuhalten, rollen in der Ukraine im Kampf gegen die Invasionstruppen Wladimir Putins jetzt neue Flugabwehrkanonenpanzer aus deutscher Fertigung; daneben schützt das hoch entwickelte Skynex System die Verteidiger gegen die Aggression Russlands. Auch für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sind diese Systeme überlebenswichtig – der Gepard könnte im Ukraine-Krieg sein endgültiges Comeback erleben.

Für die deutschen Reservisten war das Thema bereits lange vor dem Ukraine-Krieg klar, wie deren Autor Björn Müller in deren Magazin loyal schreibt: „Im Kalten Krieg war die mobile Flugabwehr der Bundeswehr ein Glanzstück innerhalb der Nato. Optimiert für ihren Hauptauftrag – Verzögerung eines Großangriffes der Sowjets – war die Bundeswehr vor allem eine Panzerarmee. Für deren Schutz gegen Luftangriffe wurde eine leistungsstarke Flugabwehr der Bodentruppen aufgebaut. Ausgerüstet waren diese Einheiten mit dem ,Gepard‘-Flugabwehrkanonenpanzer und mit dem Raketensystem ,Roland‘. Doch das ist lange her.“ Heute ist nichts mehr davon übrig, die Bundeswehr steht gegenüber einer Bedrohung aus dem Osten blank dar.

Auch der deutsche Politikwissenschaftler Carlo Masala hält den Gepard für immer noch existentiell wichtig, wie er in seinem neuen Buch „Bedingt abwehrbereit“ schreibt. Masala kritisiert massiv den deutschen High-Tech-Hype: „Der Schützenpanzer Puma zum Beispiel ist ein gepanzerter Computer, der – genauso wie alle anderen Computer auch – eine hohe technisch bedingte Störanfälligkeit aufweist. Wir brauchen beides, also das Hochkomplexe und das Robuste.“

Der Gepard ist ein Konstrukt der 1960er-Jahre und seit 2012 ausgemustert, weil ihm schlicht der Gegner gefehlt hat. Inzwischen ist die Bedrohung, für die er gebaut wurde, allerdings real: Drohnen und Marschflugkörper in massenhaften Zahl, die über die damals schlimmsten Befürchtungen weit hinaus geht. Seit 20 Jahren ist der Gepard in der Bundeswehr Geschichte, und er hat Platz gemacht für eine mobilere Version der Flugabwehr: den Manpads – Man Portable Air Defense Systems –, beispielsweise den Stinger-Raketen, die von der Schulter aus gestartet werden.

Gepard: Gerüstet für die Bedrohungen dieses Jahrhunderts

Aber der Gepard lehrt Wladimir Putin in der Ukraine aktuell das Fürchten, und sein Hersteller, Krauss-Maffai Wegmann (KMW), schickt sich auf seiner Website an, den Gepard als weiterhin zukunftsfähig zu verkaufen: „Die aktuelle Version des Gepards ist allen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zur Abwehr moderner Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, ferngelenkter Flugkörper und Raketen gewachsen. Auch Drohnen werden zuverlässig bekämpft. Die ballistischen Geschosse können nicht durch elektronische Abwehrmaßnahmen gestört werden, ihre Splitterwolken führen zuverlässig zur Zerstörung des Ziels“, wie KMW schreibt.

KMW hat nach eigenen Angaben bis heute 570 Systeme dieses Typs als Generalunternehmer in Serie gefertigt und ist seit Beginn der Nutzung auch Hauptauftragnehmer für die technisch-logistische Betreuung des Systems. Geliefert wurden Geparden an Deutschland, die Niederlande, Belgien und Rumänien, wo diese bis heute aktiv Dienst tut. Die technische Entwicklung hatte den Geparden in den 1970er-Jahren abgehängt – die Lenkwaffen machten ihm zu schaffen, ließen das wartungsintensive 15-Tonnen-Monster wirtschaftlich alt aussehen, weil die schultergestützten Systeme viel flexibler und günstiger wurden. Seit die Drohnen im Ukraine-Krieg kleiner und wendiger daherkommen und deshalb in Schwärmen auftauchen konnten, waren die beiden Schnellfeuer-Maschinenkanonen des Gepards mit ihrer Feuergeschwindigkeit von zusammen 1.100 Schuss pro Minute urplötzlich wieder zeitgemäß. Die Notlösung für die ukrainische Luftabwehr wurde plötzlich deren Korsettstange.

Skynex: Gebaut für die Bedrohungen dieses Jahrtausends

Auch die neuen Entwicklungen in der Luftabwehr setzen wieder verstärkt auf Maschinenkanonen. „Was die Luftverteidigung angeht, so haben wir zum jetzigen Zeitpunkt geliefert, was möglich ist, und wir prüfen immer wieder die Bestände“, zitiert der Spiegel den Regierungssprecher Steffen Hebestreit. „Da ist der limitierende Faktor im Augenblick die Produktion, also was hergestellt werden kann.“ Geprüft werde derzeit auch, ob einige ausländische Staaten ihre Waffenbestellungen zugunsten der Ukraine zurückstellen können und dann später beliefert werden, so Hebestreit auf der Bundespressekonferenz.

Laut der Aufstellung des Bundesverteidigungsministeriums über die bisherigen Lieferungen hat die Ukraine auch erstmals ein von der deutschen Waffenschmiede Rheinmetall gebautes Skynex-System bekommen – was das Magazin Europäische Sicherheit und Technik schon Anfang des Jahres angekündigt hatte: Skynex sei laut Beschreibung von Rheinmetall eine offene Architektur, die auf die kanonenbasierte Flugabwehr setzt und sich daher besonders eigne für den Nahbereich, in dem Lenkwaffen nicht effektiv wirken könnten. Die von dem Unternehmen entwickelte, programmierbare 35mm-Munition sei wesentlich günstiger als vergleichbare lenkwaffenbasierte Systeme. Das Skynex-System besteht aus Luftraumüberwachung, Waffeneinsatzzentrum und Waffe – die Schnellfeuerkanone kann mit einer Kadenz von 1.000 Schuss pro Minute bis auf 4.000 Meter wirken und entweder stationär oder auf einem Radfahrzeug montiert eingesetzt werden.

Skyranger: Topmodern und für die Praktiker dennoch unausgegoren

Skynex gilt als Antwort auf den Krieg der Zukunft – wie den das Reservistenmagazin loyal voraussieht: „Als State-of-the-Art-Kriegstaktik der nahen Zukunft gilt den Militärplanern weltweit das Ausschalten von Waffensystemen wie Panzern, indem deren Sensoren durch Drohnen-Schwärme übersättigt werden.“ loyal zufolge soll der Auftakt zu einer zeitgemäßen mobilen Flugabwehr der Bundeswehr das Projekt „Qualifizierte Fliegerabwehr‘“ sein. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die Bekämpfung von kleinen Drohnen bis zu 150 Kilogramm.

Die Reservisten sehen die Zukunft der deutschen Luftabwehr allerdings unausgegoren geplant und üben Kritik am Gepard-Nachfolger Skyranger – ebenfalls ein Produkt von Rheinmetall, das darauf ausgelegt ist, mit einer 35mm-Maschinenkanone Splittermunition mit hoher Feuergeschwindigkeit rund fünf Kilometer gen Himmel zu schießen. Das System kombiniert den Geschützturm Mantis und den Radpanzer Boxer – für die loyal-Beobachter deshalb ein instabiles System, das kaum mit dem Gepard zu vergleichen wäre. Auch im Mantis-Turm sehen die Experten eher eine stationäre Lösung – beispielsweise für den Schutz von Gebäuden. loyal: „Es ist nicht für die Begleitung von Truppen ausgelegt. Somit ist die Skyranger-Lösung zuvorderst eine Schutzkuppel, die mit den Truppen verschoben wird. Mobiler Konvoischutz, also aus der Fahrt heraus Artillerie- und Mörserbeschuss zu bekämpfen, würde schwierig.“

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Deutsche Oldtimer im Ukraine-Krieg – Gepard-Panzer machen Jagd auf Kamikaze-Drohnen

Seit Anfang des Jahres lässt Rheinmetall den Skyranger in der Ukraine einsetzen – zwei Einheiten sind vor Ort, also zu wenige, um einen Unterschied zu machen. Im Gegenteil. Nach dem Jahreswechsel hatte Russland seine Luftangriffe intensiviert. Die Prognosen für die ukrainischen Verteidiger ist düster: Momentan schieße die Ukraine rund 85 Prozent der russischen Raketen und Drohnen ab, sagte unlängst der Befehlshaber der ukrainische Luftwaffe, Mykola Oleschtschuk gegenüber der Deutschen Welle. Für mobile Gruppen sei gerade genug Munition da, „um den nächsten heftigen Angriffen standzuhalten“, sagte der ukrainische General Serhij Najew gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Aber das Rückgrat der Luftverteidigung bleibe der deutsche Oldtimer, wie die Deutsche Welle weiter berichtet: Die Ukraine muss sowohl ihre Truppen an der mehr als 1.000 Kilometer langen Front als auch militärische und zivile Objekte im Landesinneren schützen – Sparsamkeit sei daher das oberste Gebot: Die teureren westlichen raketengestützten Systeme wie das Patriot-System werden meist nur gegen russische Raketen im Landesinneren eingesetzt. Jagd auf die billigen iranischen Drohnen vom Typ Shahed 136 machen vor allem die von Deutschland gelieferten Gepard-Flakpanzer.

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