- VonAdelheid Wölflschließen
Völlig überraschend ist in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Rumänien der rechtsradikale und russlandfreundliche Kandidat Calin Georgescu auf dem ersten Platz gelandet – was macht in aus?
Mit weit ausgebreiteten Armen und im Trachten-Hemd reitet er über die rumänischen Felder: Die Videos, mit denen Calin Georgescu vor der Wahl TikTok flutete, bestärken mystische Vorstellungen von einem Gott-gesandten Führer für Nation und Land. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in dem südosteuropäischen Land verfing das, Georgescu landete auf Platz eins und in der Stichwahl.
Der heute 62-jährige studierte Landwirtschaft und besuchte eine Verteidigungsakademie. Er arbeitete für die Vereinten Nationen und für die rumänische Regierung als Berater in Umwelt- und Ernährungsfragen. In seiner Zeit in Wien, wo seine Frau im Bankensektor arbeitete, engagierte sich der Freimaurer im Club of Rome, einer Organisation für Nachhaltigkeit. Er war überzeugt, für seine Ideen um die weltweite Nahrungsmittelerzeugung zu revolutionieren, den Nobelpreis zu bekommen.
Calin Georgescu: Schon vor 15 Jahren suchte er eine Schattenregierung
Und er dachte an eine politische Karriere. Vor 15 Jahren bereits suchte er eine Schattenregierung zusammen. Georgescu war damals konservativ, aber nicht reaktionär. Vor ein paar Jahren stieg er auf ein anderes Weltbild um. Der einstige Weltbürger wurde zum Anti-System-Politiker und Revisionisten.
Er schloss sich 2020 der ultrarechte Partei AUR an, machte sich zum Anführer einer nativistischen Bewegung und erklärte den ehemaligen Diktator Ion Antonescu und den Chef der antisemitischen, klerikalfaschistischen „Eisernen Garde“ Corneliu Zelea Codreanu zu seinen Helden, durch die „er die nationale Geschichte erlebe“ – im Gegensatz zu den „globalistischen Lakaien“.
Calin Georgescu behauptet, dass Rumänen durch böse Ausländer ausgebeutet würden
Georgescu bedient sich faschistischer Symbole der 1930er Jahre und unterstützt aggressiv-nationalistische Elemente der Orthodoxen Kirche. Er behauptet, dass Rumänen durch böse Ausländer ausgebeutet würden. Sie sollten aufstehen und sich nichts mehr gefallen lassen.
Die Botschaft wirkt. Insbesondere bei Rumän:innen in Frankreich und Italien, die oft schlecht bezahlte Jobs machen und eine imaginäre Version der Heimat idealisieren. 43 Prozent von ihnen wählten den Rechten.
Trump-Kompagnon Robert F. Kennedy Jr. will Georgescu besuchen
Andere betrachten ihn als Agenten des Kremls, der einen angeblichen „Frieden“, also eine Übernahme der Ukraine durch Russland, unterstützt. Das Amt, das Georgescu anstrebt, ist mächtig: Präsidenten in Rumänien haben eine halbexekutive Funktion und entscheiden etwa über nationale Sicherheit, Außenpolitik und richterliche Ernennungen.
Georgescus Einfluss in der Landbevölkerung wurde jedenfalls massiv unterschätzt. In Umfragen lag er nie über zehn Prozent. Doch am Sonntag erhielt er mit knapp 23 Prozent die meisten Stimmen. Unterstützung kommt bereits von der Trump-Administration. Der designierte Gesundheitsminister und Verschwörungstheoretiker Robert F. Kennedy Jr. will Georgescu, den er seit Jahren kennt, bald besuchen. Am 8. Dezember muss sich Rumänien in der Stichwahl zwischen Georgescu und der Liberalen Elena Lasconi (20 Prozent im ersten Wahlgang) entscheiden.