US-Wahlkampf

Wie man politische Diskurse vergiftet: Nach Trump folgt nun Robert F. Kennedys Hass auf die Eliten

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Was darf man sagen und was nicht? Neben Trump und Biden macht sich ein dritter Kandidat für den Wahlkampf warm. Der Kennedy-Nachfahre wartet aber mit besorgniserregenden Ideen auf.

Washington – Im Juni 1978 tritt Newt Gingrich in einem Hotel in Atlanta vor eine Gruppe Republikaner. Der Mann mit den buschigen Koteletten und dichtem Haar spricht in munterer Art und Weise zu den anwesenden Politikern. Das, was der freundlich wirkende Geschichtsprofessor aber fordert, wirkt alles andere als versöhnlich. „Ihr kämpft in einem Krieg. In einem Krieg um die Macht“, sagt er den Anwesenden. Die Zeit der „Pfadfinderworte“, welche in der Politik „lausig“ sind, sei vorbei. Die Republikaner bräuchten keine „unbedeutenden Quasi-Anführer“. Denn für Gingrich ist klar, das Hauptziel von Politik sei einzig und allein „Mehrheiten zu beschaffen“, wie die West Georgia News ihn zitierten.

Der neue Ansatz überforderte 1978 Republikaner genauso wie Demokraten. Politik als Kriegsführung zu begreifen, war schlichtweg zu abwegig für die Mehrheit der Bevölkerung. Politik war für viele ein von Normen und Anstand geprägtes System. Überparteiliche Zusammenarbeit im Sinne des Gemeinwohls war nicht unüblich. Unter Gingrich verbreitete sich dann schnell vollkommen überzogene Rhetorik. Dabei verwendete man „Adjektive wie Felsen“, wie Ronald Brownstein in seinem Buch „The Second Civil War“ schreibt. Den Kongress bezeichnete Gingrich als „korrupt und krank“. Den Demokraten unterstellte er mangelnden Patriotismus, sah in ihnen sogar den italienischen Faschisten Benito Mussolini verkörpert. Sie würden versuchen, das „Land zu zerstören“. Der frühere Führer der Demokraten in Georgia, Steve Anthony, beschrieb Gingrichs Verhalten 2012 im The Atlanta Journal-Constitution als vernichtend: „Gingrich schoss derart über das Ziel hinaus, dass die Schockwirkung die Opposition für einige Jahre außer Gefecht setzte.“

Vom Umweltaktivisten zum Verschwörungstheoretiker. Wie viel Einfluss wird Kennedys Hass auf das System und die Eliten auf die US-Wahlen 2024 haben?

Verzerrter Wahlkampf: Rhetorik als Kriegsführung gegen den politischen Feind

Seitdem hat die Republikanische Partei Amerikas sich in einen Sog begeben, der Gesprächsführung kriegerisch und höchst konfrontativ nutzt. Irgendwann begriffen dann auch die Demokraten, welche Art von Wortgefecht nun die Tagesordnungen dominierte. Spätestens 2008, als in der Präsidentschaftsdebatte um den demokratischen Kandidaten Barack Obama das zu Sagende weiter ins Absurde abdriftete. Der dem rechten Flügel der Republikaner nahestehende Nachrichtensender Fox News beleidigte Obama als Marxist, Antiamerikaner und – in den Nachwehen der Attentate vom 11. September – als verdeckten Muslim. In diesem Zusammenhang versuchte man sogar den zukünftigen ersten schwarzen Präsidenten der USA in die Nähe von Terroristen zu rücken. Mit dem Wahlsieg Obamas hoffte die US-amerikanische Gesellschaft auf Entspannung der inneren Konflikte. Doch 2016 kam es dann anders und Donald Trump erreichte das, was niemand erwartet hatte: Er wurde der 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

Er attackierte alle Feinde seiner Politik mit scharfen Worten: Die Medien bezeichnete er als „Feinde des amerikanischen Volkes“, stellte die Legitimität von Richtern infrage und drohte Großstädten – meist Hochburgen der Demokraten – die finanziellen Mittel zu kürzen. Die Politik sah sich mit Trump dann wirklich in einer Art Kriegszustand, wie Guillermo O‘Donnel in Democratization in America schreibt. Gerichten, Gesetzeshütern, Nachrichtendiensten, Ethikkommissionen und Gerichten sagte der neue Präsident den Krieg an. Zudem war es Trumps erklärtes Ziel, von ihm unabhängig handelnde Behörden zu bestrafen. Der bekannteste Fall ist die Entlassung von James Comey. Dieser war der Chef der amerikanischen Bundespolizei und des Inlandsgeheimdienstes FBI. Als Trump ihn aufforderte, seine Regierung gegen Untersuchungen zu schützen, lehnte dieser ab. Daraufhin spürte er den Zorn des Unternehmers und Präsidenten. Bis heute weitet Trump die Grenzen des zu Sagenden weiter aus und beleidigt fortlaufend auch den momentan regierenden Präsidenten Joe Biden.

Wenn der rhetorische Krieg zum echten Krieg gegen das System wird. Ein Demonstrant schwenkt am 6. Januar 2021 die US-Flagge im Inneren des US-Kapitols, nachdem Anhänger von US-Präsident Donald Trump das Gebäude gestürmt hatten.

Trumps Weg der Rhetorik bringt mit Robert F. Kennedy einen neuen Hass-Redner hervor

In diesem von Gingrich bis Trump aufgebrachten Stürmen der Hass- und Kriegsrhetorik fühlen sich immer mehr politisch engagierte Menschen wohl. Und immer findet sich noch jemand, der mehr Hass auf den politischen Gegner und mehr Krieg in der Sprache predigt. In diesem Chaos fühlt sich auch Robert F. Kennedy wohl. „Der Spross der legendären Politikerfamilie scheint wie in einer Fantasiewelt versunken“, beschreibt ihn Richard Shervin, ein ehemaliger Professor der Rechtswissenschaft an der New York Law School. „Ich liebe meinen Bruder Bobby. Aber ich bin gegen ihn, weil seine Kandidatur Donald Trump ins Weiße Haus bringen könnte“, sagte seine Schwester Kerry bei einem Auftritt mit Joe Biden, wie CNN berichtete. „Er ist nicht sein Vater. Er ist ein gefährlicher Rechtsradikaler“, heißt es unter Demokraten. „Seine Anhänger verstehen es nur noch nicht.“ Auch Trump kann ihm nichts abgewinnen: „Er ist ein linksradikaler Irrer. Das dümmste Mitglied des Kennedy-Clans.“ Bemerkenswert ist im Falle von Robert Kennedy, dass niemand des linken oder rechten Spektrums etwas mit ihm zu tun haben will. Doch wie viel Macht hat der Mann, der von sich selbst behauptet, ein Wurm hätte sich in seinen Kopf gefressen?

Neben Biden und Trump hat sich der siebzigjährige Kennedy in die anstehenden Wahlen geworfen. Er will als Kandidat der neu gegründeten Partei „We the People“ antreten, wie CNN berichtet. Viele Beobachter der Wahlen fürchten Kennedy. Denn er könnte Biden wichtige Stimmen aus dem liberalen Teil der Bevölkerung kosten. Laut einer Meinungsumfrage des Siena College würden in den sechs hart umkämpften Staaten Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, Pennsylvania und Wisconsin mehr Demokraten als Republikaner Kennedy statt ihre eigenen Kandidaten unterstützen. Etwa 18 Prozent der Wähler würde Biden in den Bundesstaaten dann an Kennedy verlieren. Für Trump wären es 16 Prozent.

Trumd und Kennedy: Beide wollen, dass die Amerikaner Angst haben vor dem, was kommt

Kennedy verfehlte knapp die Qualifikation für die TV-Debatte am kommenden Donnerstag auf CNN. Denn er kam nur in drei der relevanten Umfragen auf mehr als 15 Prozent, bräuchte aber vier. „Die Präsidenten Biden und Trump wollen nicht mit mir debattieren und CNN hat ihren Bedingungen illegal zugestimmt. Das ist unamerikanisch und feige.“ Das stößt nicht auf taube Ohren bei vielen US-Amerikanern. Denn es gibt eine wachsende Gruppe, die weder Trump noch Biden etwas abgewinnen kann.

Doch was Robert Kennedy wirklich gefährlich macht, ist seine Art der Rhetorik, die Trumps eingeschlagenen Weg ins absolut Paranoide ausweitet.

Trump zeichnet ein düsteres Bild der Industrie und warnt vor dem nun als Rust-Belt bekannten nordöstlichen Teil Amerikas mit den „verrosteten, wie Grabsteine verstreuten Fabriken“ als Zeichen des wirtschaftlichen Untergangs. Der Unternehmer spricht vom Vermögen der amerikanischen Mittelschicht, welches „aus ihren Häusern gerissen und über die ganze Welt verstreut“ worden sei. Während es den Eliten in Washington gut gehe, leide der kleine Mann. Deswegen müsse Amerika „an erster Stelle stehen“.

Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“

Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, zehn Enkelkinder: Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor.
Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, elf Enkelkinder … © Imago
Von links: Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Donald Trump, Melania Trump und Barron Trump im Weißen Haus im August 2020
… Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor. © Imago
Donald Trump, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten.
Er ist wohl der kontroverseste Amtsinhaber der Vereinigten Staaten: Donald Trump. Von 2017 bis 2021 residierte der Multimilliardär aus New York das erste Mal im Weißen Haus in Washington, DC. Bei der US-Wahl 2024 wurde er dann erneut zum US-Präsidenten gewählt. © Angela Piazza/Imago
Ivana Trump, ehemalige Ehefrau von Donald Trump und Mutter von Ivanka, Eric und Don, starb in diesem Jahr.
Von 1977 bis 1990 war Donald Trump mit seiner ersten Ehefrau Ivana Trump verheiratet. Die Scheidung von Ivana und Donald Trump zählt bis heute zu den berühmtesten Trennungen der USA. © Kristin Callahan/Imago
Ivana Trump auf dem roten Teppich zu einer Feier der Grammy-Gala im Januar 2018 in New York
Ivana behauptete, Donald Trump habe sie während ihrer Ehe 1989 vergewaltigt. Später gab sie zu, diese Anschuldigungen auf Anraten ihrer Anwälte erfunden zu haben. © John Angelillo/Imago
Ivana Trump bei der Vorstellung ihres Buches „Raising Trump“ in einem Hotel in Zagreb in Kroatien im April 2018.
Ivana Trump starb am 14. Juli 2022 im Alter von 73 Jahren in ihrer Wohnung in New York an den Folgen eines Treppensturzes. © Marko Lukunic/Imago
Donald Trump Jr. bei einer Pressekonferenz zum Gerichtsverfahren gegen seinen Vater im Mai 2024 in New York
Donald Trump Jr. ist das älteste der drei Kinder von Donald Trump und dessen erster Ehefrau Ivana. Er ist als lautstarker Unterstützer der Politik seines Vaters bekannt und nimmt teilweise noch extremere Positionen als dieser ein. © Carlos Chiossone/Imago
Donald Trump Jr. und seine Ex-Ehefrau Vanessa Trump.
Im Jahr 2003 lernte Trump Jr. Vanessa Haydon kennen. Sie heirateten 2005. Zusammen haben sie fünf Kinder, die zwischen 2007 und 2014 geboren wurden.  © John Angelillo/dpa
Parteitag der Republikaner in Milwaukee: Donald Trump Jr. und seine Tochter Kai Madison Trump
Das älteste Kind von Vanessa Haydon und Donald Trump Jr. ist Kai Madison Trump (im Bild), die im Mai 2007 geboren wurde. Haydon und Trump ließen sich Ende 2018 scheiden. © Jasper Colt/Imago
Donald Trump Jr. und seine neue Freundin Kimberly Guilfoyle.
Von 2018 bis 2024 stand diese Frau an der Seite von Donald Trump Jr.: Kimberly Guilfoyle, Juristin und ehemalige Moderatorin des US-Nachrichtensender Fox News. Sie ist neun Jahre älter als er und war vor der Beziehung zu Trump Jr. bereits zweimal verheiratet.  © Peter Foley/Imago
Ivanka Trump und Jared Kushner mit ihren drei Kindern.
Auch Donald Trumps älteste Tochter Ivanka Trump hat ihre eigene Familie gegründet: Verheiratet ist sie mit dem Unternehmer Jared Kushner.  © Imago
Ivanka Trump bei einem Spiel der New York Mets im August 2023 in New York
Ivanka gilt als heimliches Lieblingskind Trumps. Der nahm seine Tochter und ihren Ehemann mit nach Washington, DC. Im Weißen Haus waren beide in Trumps erster Amtszeit als Beraterin und Berater des US-Präsidenten tätig. Das Ehepaar nahm so Schlüsselrollen im Stab des US-Präsidenten ein.  © Imago
Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner bei einer Zeremomnie in Prag am 28. Oktober 2022
Ivanka Trump und Jared Kushner haben zusammen drei Kinder: Arabella Rose, Joseph Frederick und Theodore James. © Imago
Mittlerer Sohn von Donald Trump: Eric Trump mit seiner Frau Lara.
Und dann wäre da noch Eric Trump: Seit 2014 ist der zweite Sohn von Donald Trump mit seiner Frau Lara verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. © Mark Hertzberg/Imago
Eric Trump und Donald Trump beim Parteitag der Republikaner im Juli 2024 in Milwaukee, Wisconsin
Wie seine älteren Geschwister stieg auch Eric in die Familienfirma ein. Im Februar 2024 wurde er – ebenso wie sein Bruder Donald Jr. – in einem Betrugsprozess in New York dazu verurteilt, rund vier Millionen Dollar Strafe zu zahlen. Zudem darf er zwei Jahre lang kein Unternehmen im Bundesstaat New York leiten. © Imago
CPAC-Konferenz in Washington: Lara Trump
Eric Trumps Ehefrau Lara Trump wiederum soll Gerüchten zufolge den Fußstapfen ihres Schwiegervaters folgen wollen und eine politische Karriere anstreben. © Niyi Fote/dpa
Donald Trump und Marla Maples im Jahr 1991
Auf Ivana folgte an der Seite Donald Trumps Marla Maples. Die US-amerikanische Schauspielerin war von 1993 bis 1999 mit Trump verheiratet.  © Adam Scull/Imago
Marla Maples, Tiffany Trump und Donald Trump (v.l.) am 29. März 1994 in New York
1993 kam Tiffany, die Tochter von Marla Maples und Donald Trump, zur Welt.  © Imago
Ex-Frau von Donald Trump und Mutter von Tiffany Trump Marla Maples.
Berichten zufolge könnte die Trennung von Trump im Zusammenhang mit einer Affäre von Maples stehen. Ein Polizist griff Maples und einen Bodyguard Trumps im April 1996 auf. Nachdem Trump den Bodyguard gefeuert hatte, plauderte dieser von einer Liaison. © Vincenzo Landi/Imago
Tiffany Trump, Tochter von Donald Trump und Marla Maples.
Tiffany Trump wurde nach dem Unternehmen Tiffany & Co. benannt, dessen Hauptgeschäft neben dem Trump Tower in New York lag. Nach der Scheidung der Eltern 1999 wurde Tiffany von ihrer Mutter in Kalifornien großgezogen, wo sie bis zu ihrem Highschool-Abschluss lebte. Sie galt lange als schwarzes Schaf der Dynastie.  © Andrew Dolph/Imago
Tiffany Trump (l.) streichelt an Thanksgiving 2017 im Rosengarten des Weißen Hauses einen Truthahn, nehmen ihr Ivanka Trump mit ihrer Tochter Arabella
Anders als Ivanka, Eric und Don Jr. erhielt sie bisher keine wichtige Funktion im millionenschweren Familienunternehmen. Auch im Wahlkampf war sie selten zu sehen. Im November heiratete sie in Mar-a-Lago den libanesisch-amerikanischen Geschäftsmann Michael Boulos. © Imago
Tiffany Trump Boulos
Am 15. Mai 2025 gab Tiffany Trump (hier mit ihrem Ehemann bei der Amtseinführung ihres Vaters) auf Instagram die Geburt ihres ersten Kindes bekannt, eines Sohnes namens Alexander Trump Boulos. © Jack Gruber/Imago
Donald Trump mit seiner aktuellen Ehefrau Melania Trump.
Melania Trump ist die aktuelle Ehefrau Donald Trumps. Das Model ist seit 2005 mit dem ehemaligen Präsidenten verheiratet. Die beliebteste First Lady ist Melania Trump nicht.  © Imago
Melania Trump am Rednerpult einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner im Oktober 2024 in New York
Die First Lady wurde als Melanija Knavs in Slowenien geboren. Damiot ist sie nach Louisa Adams in den Jahren 1825 bis 1829 erst die zweite Präsidentengattin, die nicht in den USA zur Welt kam. © Imago
Trump and Vance Swearing-In at the US Capitol
2006 bekamen Melanie und Donald Trump einen Sohn. Barron Trumps öffentliche Auftritte sind allerdings rar. Hier ist er während der Amtseinführung seines Vaters am 20. Januar 2025 zu sehen. Zum Erstaunen der Öffentlichkeit: Der jüngste Sohn von Donald Trump ist mittlerweile über zwei Meter groß. © Kevin Lamarque/Imago

Trump-Rhetorik hoch zwei: Kennedy verfällt den Verschwörungstheorien

Kennedy sieht auch eine verheerte Landschaft Amerikas. Als ehemaliger Umwelt-Anwalt spricht er von chronischen Krankheiten des Volkes. Depressionen und weitere psychische Probleme sowie Einsamkeit würden das Land zerfressen. Wie Trump beklagt er ein Sterben der Mittelschicht. Und auch wie Trump findet er einen Schuldigen in der Elite. Im Superlativ der Kriegsrhetorik sieht er die USA „als kränkstes Land der Erde“. Deswegen sei es an der Zeit, „Amerika wieder gesundzumachen“ – „Make America healthy again“. Kennedys Schwerpunkt auf der Heilung Amerikas lässt sich auch in seiner eigenen Biografie finden. Er kämpfte mit dem Trauma, Vater und Onkel durch Attentate verloren zu haben. Genauso überwand er die eigene Heroinabhängigkeit.

Unklar ist, wie Kennedy so tief in paranoide Verschwörungstheorien über die USA fallen konnte. Er behauptet unter anderem, Covid-19 sei eine gentechnische Biowaffe und „ethnisch gezielt“ eingesetzt worden: Weiße und Schwarze seien besonders empfänglich für den Virus, aschkenasische Juden (mittel-, nord- und osteuropäische Juden) und Chinesen dagegen eher immun. Gleichzeitig seien die Corona-Schutzmaßnahmen mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich zu vergleichen. Kritiker dieser Darstellung behaupten hingegen, dass Kennedy lediglich darauf hingewiesen hat, dass nach Statistiken und Studien Covid-19 bei unterschiedlichen Ethnien durchaus unterschiedlich gravierend wirkt. Wenn das bei Viren grundsätzlich vorkommen könnte, könnte es auch bei künstlich erzeugten Viren gezielt eingesetzt werden – das wäre somit eine Warnung vor entsprechenden Biowaffen, keine antisemitische Äußerung gewesen. Wie „er und auch mit ihm vertraute jüdische Persönlichkeiten im Nachhinein“ nochmals bekräftigt hätten. Auch wenn man einige seiner Aussagen als ins „falsche Licht“ gerückte Aussagen verstehen könnte, ist die Liste der Verschwörungstheorien, der Kennedy nachhängt, nicht grade kurz.

Liste weiterer Verschwörungstheorien, an die Robert F. Kennedy glaubt:

  • Pestizide im Trinkwasser verändern die Sexualität von Jungen (Verschwörungsmythos der Rechten)
  • die CIA habe alle Medien in den USA übernommen, wie ABC News über Kennedy berichtet. „Die Operation Mockingbird ist nach wie vor im Gange“, sagte Kennedy in den letzten Monaten wiederholt. (Nach Untersuchungen von 1975 und 1976 wurde öffentlich bekannt, dass die CIA unter dem Namen Operation Mockingbird Aktionen in Kooperation mit großen Nachrichtenmedien und Medienhäusern ausführte, um die öffentliche Meinung über nationale und internationale Ereignisse zu manipulieren)
  • Amokläufe in Amerika, zum Beispiel an Schulen, seien durch verschreibungspflichtige Medikamente ausgelöst worden
  • Er glaubt laut Forbes, die CIA habe seinen Vater umgebracht
  • Der ehemalige medizinische Berater des Weißen Hauses Dr. Anthony Fauci und Microsoft-Mitbegründer Bill Gates hätten versucht, die Pandemie teilweise zu übertreiben, um Impfstoffe zu fördern
  • Impfstoffe würden Autismus auslösen (ein lange widerlegter Aberglaube, der auf einem gefälschten Forschungsbericht basiert)

Silicon-Valey Prominente mit Social-Media Erfahrung schließt sich Kennedy an

Ausgestattet mit vielen kruden dieser Verschwörungstheorien über Amerikas Ende nimmt Kennedy immer weiter Einfluss. Wie weit er gehen wird, ist unklar. Die nächste Wahl könnte er mit seinem Einfluss in Richtung Trump steuern. Einen Mann, den sein Vater und Onkel vermutlich als brandgefährlich wahrgenommen hätten. „Je ernster er genommen wird, desto mehr kann er das Ergebnis beeinflussen“, sagt Hans Noel, Politikprofessor an der Georgetown Universität in Washington gegenüber der Tagesschau. Seine Schwester Kerry spricht von „bedauerlichen und unwahren Bemerkungen“ ihres Bruders. Der ehemalige Abgeordnete Joe Kennedy III aus Massachusetts schrieb ebenfalls auf X, dass die Kommentare seines Onkels „schädlich und falsch“ seien.

Rückendeckung erhält Kennedy indes aus dem Silicon Valley. Die Ex-Frau von Google-Gründer Sergey Brin Nicole Shanahan soll Vizepräsidentin werden, wenn es nach Kennedy geht. „Ich möchte jemanden, der sich um junge Menschen kümmert und sie nicht behandelt, als wären sie unsichtbar“, sagte Kennedy gegenüber Newsweek zu seiner Entscheidung, Shanahan als seine Kandidatin zu wählen. „Sie ist erst 38 Jahre alt, kommt aus der Technologiebranche und kennt sich mit sozialen Medien aus.“ Inwieweit das auch der Verbreitung von Kennedys herausfordernden Ansichten hilft, wird sich in der Wahl 2024 zeigen. (ske)

Rubriklistenbild: © Virginia Mayo/dpa

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