Abstimmung über „Ultragift“

Zoff um Glyphosat auf den Äckern: Umwelthilfe mahnt Özdemir – und droht mit Klage

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Die Umwelthilfe fordert Agrarminister Özdemir auf, die Verlängerung von Glyphosat zu stoppen. Schon am Donnerstag steht ein entscheidender Termin an.

Brüssel - Am Donnerstag (16. November) stimmt der EU-Berufungsausschuss erneut über eine verlängerte Genehmigung für Glyphosat ab. Das Pflanzenschutzmittel steht besonders in der Kritik, weil es nach Ansicht von Experten die Biodiversität auf und neben den Ackerflächen schädigt. Das weitere Vorgehen von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) und der Ampel-Koalition wird teils argwöhnisch verfolgt: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) drohte am Mittwoch bereits mit einer Klage.

Glyphosat: Schädlich, aber nicht krebserregend

Im Zusammenhang mit Glyphosat wurde oft vor einer krebserregenden Wirkung gewarnt. Das geht auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2015 zurück. Damals kam die WHO zum Ergebnis, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei.

Diese Annahme haben die Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zurückgewiesen. Bei richtiger Anwendung sei Glyphosat für den Menschen ungefährlich. Die EFSA wies in diesem Zusammenhang aber auf unzureichende Daten hin. Die Sorge vor einer Gefahr für Menschen könne somit nicht vollständig ausgeräumt werden. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden im Jahr 2021 in Deutschland 4097 Tonnen Glyphosat eingesetzt.

Landwirtschaftsministerium um Cem Özdemir will Glyphosat verbieten

Das von den Grünen geführte Landwirtschaftsministerium (BMEL) setzt sich nach eigenen Angaben für einen europäischen Glyphosat-Ausstieg ein – vor allem wegen der Schädlichkeit des Pflanzenschutzmittels für die Biodiversität rund um die betroffenen Ackerflächen.

Rote Liste: 10 Tierarten sind in Deutschland bedroht

Auch wenn es für so manchen Hobbygärtner komisch klingt: Die Gartenspitzmaus (lebt am liebsten in der Nähe von menschlicher Siedlungen) wird in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet geführt.
Auch wenn es für so manchen Hobbygärtner komisch klingt: Die Gartenspitzmaus (lebt am liebsten in der Nähe von menschlichen Siedlungen) wird in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet geführt. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Das Birkhuhn steht sowohl in Deutschland, als auch in Bayern auf der Rote Liste und ist fast überall verschwunden. Nur in der Rhön gibt es noch ein paar Exemplare. Förster und Naturschützer haben mit Wacholdersträuchen und Heidelbeeren kleine Biotope geschaffen.
Das Birkhuhn steht sowohl in Deutschland, als auch in Bayern auf der Rote Liste und ist fast überall verschwunden. Nur in der Rhön gibt es noch ein paar Exemplare. Förster und Naturschützer haben mit Wacholdersträuchern und Heidelbeeren kleine Biotope geschaffen. (Symbolbild) © Nature Picture Library/Imago
Libellen sind nicht nur wunderschöne Insekten, sie leisten uns Menschen auch tolle Dienste, indem sie Mücken oder Bremsen fern halten. Doch die Helm Azurjungfer Libelle ist vom Aussterben bedroht und gehört geschützt.
Libellen sind nicht nur wunderschöne Insekten, sie sind auch recht nützlich und leisten uns Menschen gute Dienste, indem sie Mücken oder Bremsen fern halten. Doch die Helm Azurjungfer Libelle ist vor allem durch den Verlust ihres Lebensraums vom Aussterben bedroht und gehört geschützt. (Symbolbild) © GFC Collection/Imago
Fliege ist gleich Fliege? Von wegen. Laut Bfn zählt die Steinfliege zu 46,4 Prozent zu den bestandsgefährdeten Arten.
Fliege ist gleich Fliege? Von wegen. Laut Bfn zählt die Steinfliege zu 46,4 Prozent zu den bestandsgefährdeten Arten.  © blickwinkel/Imago
Eine Fledermaus mag für manchen unheimlich wirken. Jedoch sind Fledermäuse extrem nützliche, unglaublich faszinierende und streng geschützte Tiere.
Eine Fledermaus mag für manchen unheimlich wirken. Auch weil darauf hingewiesen wird, dass die Insektenfresser Tollwut übertragen können. Jedoch sind Fledermäuse extrem nützliche, unglaublich faszinierende und streng geschützte Tiere. Die winzigen Geschöpfe benötigen unseren Schutz – auch die Mopsfledermaus. (Symbolbild) © Steffen Schellhorn/Imago
Für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Trotzdem: Der Iltis zählt zur Familie der Marder und wird in der Roten Riste als gefährdet eingestuft. Grund dafür sind intensive Landnutzung und ein Verlust des Lebensraums.
Für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Trotzdem: Der Iltis zählt zur Familie der Marder und wird in der Roten Riste als gefährdet eingestuft. Grund dafür sind intensive Landnutzung und ein Verlust des Lebensraums. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Man glaub es kaum, aber gefährdet ist auch der Feldhase.
Man glaub es kaum, aber gefährdet ist auch der Feldhase. Neben natürlicher Feinde, hat auch der Mensch damit zu tun. (Symbolbild) © imagebroker/Imago
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So manchen Hobby-Gärtner erschreckt eine Schlange, die sich genüsslich in der Sonne badet. Meistens handelt es sich dabei um die ungefährliche Ringelnatter. Doch auch wenn die Kreuzotter zu den giftigen Schlangen zählt – steht sie auf der Rote Liste der stark gefährdeten Reptilien-Arten. (Symbolbild) © imagebroker/Imago
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Unter den Reptilien gilt die Europäische Sumpfschildkröte als vom Aussterben bedroht. (Symbolbild) © Shotshop/Imago
Der Feldhamster taucht in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht auf und zählt zu einer der am stärksten, bedrohten Säugetierarten Deutschlands. Ein Grund: Die stetige Intensivierung der Landwirtschaft.
Die Nagetiere kennt man eigentlich nur noch aus dem Kinderzimmer, wo sie liebevoll umsorgt und gepflegt werden. Doch was ist mit dem Feldhamster? Er taucht in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht auf und zählt zu einer der am stärksten, bedrohten Säugetierarten Deutschlands. Ein Grund: Die stetige Intensivierung der Landwirtschaft. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago

Glyphosat lasse alle Pflanzen auf den behandelten Flächen absterben. Das führe zu einem Futtermangel für Insekten und Feldvögel, was die Biodiversität stark beeinträchtige. Auch die im Boden enthaltenen Mikroorganismen würden so geschädigt, was sich auf die Bodenfruchtbarkeit auswirke, schreibt das BMEL auf seiner Website.

Abstimmung um Glyphosat-Verbot: Enthaltung entgegen Koalitionsvertrag

Trotz dieser Grundhaltung hat sich die Ampel-Regierung bei einer Abstimmung des zuständigen EU-Ausschusses über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat am 13. Oktober aber enthalten. Eine für die Glyphosat-Verlängerung notwendige Mehrheit von 55 Prozent kam in dem Gremium aber nicht zusammen.

Kritiker rügen, die Bundesregierung habe mit der Enthaltung gegen den eigenen Koalitionsvertrag verstoßen. Ausschlaggebend für die Enthaltung war wohl das Drängen des kleinsten Koalitionspartners FDP. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte eine vertane Chance, ein wirkungsmächtiges Zeichen für den Glyphosat-Ausstieg zu setzen.

Deutsche Umwelthilfe droht Ampel-Regierung mit Klage

Die Deutsche Umwelthilfe fordert von Özdemir nun ein klares Nein zur Zulassungsverlängerung für Glyphosat.

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat steht in der Kritik, schädlich für Pflanzen, Tiere und Menschen zu sein. Die Deutsche Umwelthilfe verlangt von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir Einsatz für ein Verbot der Zulassung.

Sollte von der Ampel-Koalition bei der Abstimmung am Donnerstag kein klares Zeichen für ein Verbot des Pflanzengifts kommen, droht die DUH, Glyphosat als „Ultragift“ auf dem Rechtsweg verbieten zu lassen. Sie befürchtet ein erfolgreiches Manöver aus der Chemie-Lobby: „Wenn sich hingegen der frühere Grüne Landwirtschafts-Staatssekretär und heutige Glyphosat Oberlobbyist Berninger von Bayer durchsetzt, werden wir in zusätzlichen Klagen gegen die Bundesregierung glyphosathaltige Pestizide verbieten lassen“, sagte ihr Geschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch.

Die DUH geht nach eigenen Angaben mit Unterstützung der NGO Foodwatch bereits gegen die Zulassung von sechs als besonders schädlich eingestuften Pestizid-Produkten vor. Darunter auch gegen das glyphosathaltige Mittel „Round up PowerFlex“.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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