Nahostkonflikt

Wirklich, Greta? Fridays for Future braucht ein neues Vorbild

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„Ich bin für eine Klimademonstration hierher gekommen. Nicht für politische Ansichten.“ Ein Mann entreißt Greta Thunberg bei ihrer Rede in Amsterdam das Mikrofon.
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Greta Thunberg hat erneut einseitig Partei für Palästina ergriffen, ohne auf Israel einzugehen. Das ist verantwortungslos – und war jetzt einmal zu viel. An der Spitze der globalen Klimabewegung ist sie untragbar geworden. Der Kommentar.

Wer Greta Thunberg reden hört, kann den Niedergang einer globalen Ikone bezeugen. Verbissen und verbohrt, wie sie im schwarz-weißen Palästinensertuch für die Rechte Gazas auftritt, ohne die Attacke der Hamas auf Israel zu erwähnen. Verantwortungslos, wie sie das Mikro an eine Frau auf der Bühne weitergibt, die vom „Völkermord“ auf die Palästinenser:innen spricht. Blind für Opfer auf beiden Seiten skandiert Thunberg Sätze wie „Es gibt keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Boden“. Am Wochenende in Amsterdam vor 85.000 Menschen.

Als Gallionsfigur der weltweiten Klimabewegung Fridays for Future ist Thunberg untragbar geworden. Bereits nach dem Teilen eines Pro-Palästina-Beitrags im Netz – deren Verfasser:innen mit Fug und Recht als antisemitisch bezeichnet werden können – hätte sie sich von einseitiger Parteinahme distanzieren müssen. Stattdessen legte Thunberg nach, postete mehrere „Stand with Gaza“-Beiträge auf ihrem eigenen Instagram-Kanal. Mit dem beschämenden Auftritt am Sonntag hat sie ihre Glaubwürdigkeit in Klimafragen endgültig verspielt.

Wie taugt sie als Vorbild von Menschen, die auf die Wissenschaft hören wollen, wenn sie zugleich mit Aussagen wie jener des „besetzten Bodens“ antiisraelische Propaganda und Verschwörung verbreitet?

Israel hilft bei umweltfreundlicher Versorgung

Das Existenzrecht Israels hat Thunberg nie erwähnt. Bezeichnend auch, dass ihr eigentliches Thema – Klimagerechtigkeit – ausgerechnet für Israel nicht zu gelten scheint. Seit seiner Staatsgründung 1948 kommen besonders viele Erfindungen aus dem Land, die zum Wohle der (Um-)Welt beitragen: etwa die Tröpfchenbewässerung, Meerwasserentsalzung und schwarze Sonnenkollektoren.

Ihr das Mikro zu entreißen, wie es ein Mann auf der Bühne in Amsterdam versucht hat, wird natürlich nicht funktionieren. Gut auch, dass es in Demokratien das Recht auf freie Meinungsäußerung gibt. Aber wer den Israel-Hass und damit Antisemitismus befeuert, hat an der Spitze der internationalen Klimabewegung nichts verloren.

Thunberg treibt einen Keil in die „Fridays“-Bewegung

Verantwortungslos ist ihr Verhalten auch gegenüber ihren Mitstreiter:innen. Thunberg verstärkt die Spaltung von Fridays for Future. Ihre Ansichten stoßen nicht nur unter den Demo-Teilnehmenden in Amsterdam auf ein geteiltes Echo. Längst hat sich die deutsche Sektion abgesetzt, klar den Hamas-Terror und jeden Antisemitismus verurteilt. Der internationale Account aber dreht frei, schwadroniert in einem Post vom „Genozid“ Israels an den Palästinenser:innen. Dabei lag die Stärke der „Fridays“ mal in ihrer Einigkeit.

Luisa Neubauer als Nachfolgerin? Unklar, wer Greta beerben könnte

Die Klimabewegung braucht eine neue internationale Führungsfigur. Unklar ist aber, wer in Thunbergs Fußstapfen treten könnte. Personal mit Strahlkraft gibt es durchaus: Luisa Neubauer etwa ist eloquent, erprobt im internationalen Auftritt und frei von Fehlpässen – spricht aber nicht für die vom Klimawandel meistbetroffene globale Community.

Oder Vanessa Nakate aus Uganda? Für keine der beiden Klimaaktivistinnen gilt, was Greta von sich behaupten kann: sich als Schülerin mit einem Schild vor ein Parlament gesetzt und damit eine Weltbewegung losgetreten zu haben. Diesen Gründungsmythos hat Thunberg selbst zerstört.

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