Greta Thunberg setzt sich auf Demos eigentlich fürs Klima ein. Doch jetzt sorgte sie mit einer Solidaritätsbekundung für Palästinenser für Empörung.
Update vom 13. November, 21.17 Uhr: Erst Fridays for Future, dann die Grünen-Spitze: Die Parteivorsitzende Ricarda Lang hat sich der massiven Kritik an Klimaaktivistin Greta Thunberg angeschlossen. „Ich muss sagen, ich finde diese Äußerungen absolut nicht nur bedrückend, sondern absolut unanständig“, sagte die Politikerin am Montag in Berlin. „Greta Thunberg missbraucht an dieser Stelle das absolut notwendige und richtige Anliegen des Klimaschutzes für eine einseitige Position zum Israel-Palästina-Konflikt.“
Lang warf Thunberg vor, die Täter nicht zu benennen und die Gräueltaten der Hamas nicht zu verurteilen. Man könne beinahe sagen, dass sie „am Ende Täter und Opfer vertauscht“ und dass Thunberg „das Existenzrechts Israels zur Seite wischt“. Zuvor hatten auch schon andere Polit-Promis der Grünen die Haltung von Thunberg zum Israel-Krieg verurteilt.
Greta Thunberg: Klimaaktivistin irritiert mit Haltung zum Israel-Krieg
Erstmeldung vom 13. November, 12.17 Uhr: Amsterdam - Wegen des Kriegs in Israel und Gaza gibt es überall auf der Welt Kundgebungen - sowohl pro-israelische als auch solche, die sich für die Palästinenser einsetzen. Auch in Amsterdam fand eine Demonstration statt, allerdings sollte es dort um das Klima gehen. Die Aktivistin Greta Thunberg nutzte sie für eine Solidaritätsbekundung für die Menschen im Gazastreifen.
In den Niederlanden trat Thunberg am Sonntag (12. November) mit einem traditionellen schwarz-weißen Palästinensertuch um den Hals auf und sagte bei einer per Livestream übertragenen Kundgebung: „Als eine Bewegung für Klimagerechtigkeit müssen wir die Stimmen derjenigen hören, die unterdrückt werden und die für Freiheit und volle Gerechtigkeit kämpfen.“
Greta Thunberg solidarisiert sich in Amsterdam mit Palästinensern - Demonstrant stürmt auf Bühne
Nachdem die Schwedin das Mikrofon an eine Frau ebenfalls mit Palästinensertuch weitergereicht, und diese gesagt hatte, dass Israel „in meinem Land einen Völkermord“ begehe und gezielt Krankenhäuser und Zivilisten angreife, eskalierte die Situation.
Die Aussagen und Anschuldigungen riefen bei vielen Teilnehmern der Klimademonstration Empörung hervor. Plötzlich sprang ein Mann aus der Menge auf die Bühne, versuchte, den Rednerinnen das Mikrofon zu entreißen, und rief: „Ich bin für eine Klimademonstration hierhergekommen, nicht, um politische Ansichten zu hören.“ Zwei Personen brachten ihn wieder von der Bühne.
Thunberg zieht scharfe Kritik von Israelis auf sich
Thunberg rief die Menge daraufhin auf, Ruhe zu bewahren und stimmte in einen Sprechchor von Demonstrierenden ein, als sich der Tumult beruhigt hatte. „Keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Land“, riefen sie gemeinsam in Amsterdam, offenbar mit Blick auf von Israel besetzte palästinensische Gebiete.
Kritik hagelte es daraufhin von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Präsident Volker Beck bezeichnete die Äußerungen als das „Ende von Greta Thunberg als Klimaaktivistin“. „Ab jetzt hauptberuflich Israelhasserin“, fügte er am Montag in seiner Kritik im Onlinedienst X hinzu. Dies bedeute das „Ende“ der von Thunberg begründeten globalen Klimaschutzbewegung Fridays For Future „als Label für Ökologie“, urteilte Beck.
Fridays for Future Deutschland distanziert sich von Thunbergs Aussagen
Nach den pro-palästinensischen Aussagen Thunbergs gehen die deutschen Aktivisten von Fridays for Future auf Distanz. „Durch die neuen Äußerungen von Greta Thunberg fühlen wir uns in unserem Kurs der letzten Wochen bestätigt“, erklärte die Bewegung am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
So habe man die Prozesse auf internationaler Ebene ausgesetzt. „Fridays for Future in Deutschland agiert als eigenständige Organisation und ist schon lange über Greta als Person herausgewachsen.“
Man habe den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober mehrfach scharf verurteilt. Für Antisemitismus sei in der Bewegung kein Platz; dem werde man sich weiter entschlossen entgegenstellen.
Thunberg ergreift wiederholt auf Klimademonstration erneut Partei für Palästinenser
Die israelische Botschaft in Berlin kommentierte auf X, es sei „traurig, wie Greta Thunberg mal wieder die Klima-Bühne für eigene Zwecke missbraucht“. Auf Englisch ergänzte die Botschaft den Aufruf „Keine Bühne für Antisemiten“.
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