Parlamentswahl am 4. Juli

Umfragen sehen Labour bei Großbritannien-Wahl vorne – Starmer erteilt EU-Rückkehr Absage

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Die Aussichten für die Tories bei der Großbritannien-Wahl sind schlecht – in Umfragen schlagen sich die Krisen der vergangenen 14 Jahre nieder.

Dieser News-Ticker ist beendet. Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem neuen Ticker zur Großbritannien-Wahl 2024.

Update vom 3. Juli, 22.55 Uhr: Die Parteivorsitzenden haben sich am letzten Tag vor der Großbritannien-Wahl noch einmal auf Stimmenfang begeben. Während Labour-Chef Keir Starmer am Mittwoch durch England, Schottland und Wales tourte, konzentrierte sich der konservative Premierminister Rishi Sunak darauf, in Tory-Hochburgen im Südosten Englands um die Wählerstimmen zu werben. Ein Sieg der oppositionellen Labour-Partei gilt als ausgemacht, Umfragen zufolge steht den Tories eine krachende Niederlage bevor.

„Wenn man sich die Umfragen anschaut, ist es ziemlich klar, dass die Labour-Partei zum jetzigen Zeitpunkt auf einen außerordentlichen Erdrutschsieg zusteuert, wie es ihn in diesem Land wahrscheinlich noch nie gegeben hat“, sagte Arbeitsminister Mel Stride dem Sender GB News.

Probleme um Briefwahl in Großbritannien

Update vom 3. Juli, 20.51 Uhr: Experten und Expertinnen weisen darauf hin, dass knappe Wahlergebnisse in den Wahlkreisen möglicherweise aufgrund verspäteter Briefwahlen vor dem Obersten Gericht angefochten werden könnten. Es wurde von Caroline Morris, einer Rechtsanwältin und Dozentin für öffentliches Recht an der Queen Mary University of London, darauf hingewiesen, dass eine Anhörung möglich sein könnte, wenn vier Wähler beim Obersten Gericht einen Antrag einreichen und darlegen, dass ihre Stimme möglicherweise einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hatte.

Die Möglichkeit rechtlicher Anfechtungen hat sich ergeben, da sich zahlreiche Wähler darüber beklagt haben, ihre Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig erhalten zu haben. In Schottland haben mehrere Gemeinderäte spezielle Abteilungen eingerichtet, um Duplikate der Wahlzettel bereitzustellen.

Starmer will als Premier keinen EU-Beitritt

Update vom 3. Juli, 19.56 Uhr: Es wird berichtet, dass Keir Starmer, der potenzielle nächste Premierminister Großbritanniens, klarstellt, dass das Vereinigte Königreich während seiner Lebenszeit weder der EU, dem Binnenmarkt noch der Zollunion erneut beitreten wird. Dies geht aus einem Bericht des britischen Guardian hervor. Übrigens ist Starmer 61 Jahre alt.

Abschneiden von rechtspopulistischer Reform UK mit Spannung erwartet

Update vom 3. Juli, 19.05 Uhr: Mit Spannung erwartet wird bei der Wahl in Großbritannien das Abschneiden der rechtspopulistischen Partei „Reform UK“. Ihr Chef Nigel Farage, der einst den Brexit maßgeblich vorangetrieben hatte, könnte erstmals in seiner Karriere ins Unterhaus einziehen. Bisher war er siebenmal gescheitert.

Update vom 3. Juli, 18.04 Uhr: Die Forderung nach einem politischen Umschwung bei den Parlamentswahlen wird von immer mehr britischen Medien laut. Die Boulevardzeitung The Sun, die normalerweise konservative Ansichten vertritt, sprach sich am Vorabend der Wahl für die Labour-Partei unter der Führung von Keir Starmer und gegen den Premierminister Rishi Sunak aus.

Die Sozialdemokraten liegen in allen Umfragen weit vorne. Bereits zuvor hatten die Sunday Times, die normalerweise den Konservativen nahesteht, und die Wirtschaftszeitung Financial Times ihre Unterstützung für die Labour-Partei öffentlich gemacht.

In einem Leitartikel betonte die Sun: „Es ist Zeit für einen Wechsel.“ Obwohl das Blatt viele politische Vorhaben von Premierminister Sunak unterstützt, wie die geplanten Abschiebungen irregulärer Migranten nach Ruanda, die Abschaffung der Sozialversicherungssteuer und die „Lehre schädlicher Gender-Ideologie an Schulen“, stellte es klar: „Um es klar zu sagen: Die Tories sind erschöpft.“ Die Partei sei zu einer zerrissenen Menge geworden, die mehr daran interessiert sei, interne Kämpfe auszutragen, als das Land zu führen.

Für Starmer könnte die erste Woche als Premier heftig werden

Update vom 3. Juli, 16.33 Uhr: Sollte Keir Starmer am Freitag das Amt des Premierministers übernehmen, stehen ihm unmittelbar internationale Gipfeltreffen bevor. Seine Reisepläne sehen vor, dass er bereits in der kommenden Woche zu einem Nato-Gipfel nach Washington aufbricht. Nur eine Woche später wird er dann als Gastgeber der Konferenz der europäischen Staats- und Regierungschefs der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) im Blenheim Palace in Oxfordshire fungieren.

Laut Sunak steht Entscheidung bei Großbritannien-Wahl noch nicht fest

Update vom 3. Juli, 14.33 Uhr: Der amtierende Premier Sunak hat die Vorstellung zurückgewiesen, dass die Wahl bereits entschieden sei. Er argumentierte, dass die Entscheidung von „nur 130.000 Menschen“ ausreichen könnte, um Labour die Mehrheit zu nehmen. Sunak behauptete, dass eine andere Wahlentscheidung dieser Anzahl von Menschen Labour die Kontrolle entziehen könnte.

In der ITV-Sendung „This Morning“ wurde Sunak mit der Aussage des Tory-Abgeordneten Mel Stride konfrontiert, dass die Wahl bereits entschieden sei. Sunak entgegnete darauf: „Das hat er nicht ganz gesagt. Wissen Sie, Mel warnte eigentlich nur davor, was eine sehr große Labour-Mehrheit ohne Kontrolle für die Menschen bedeuten würde. Ich kämpfe hart um jede Stimme. Folgendes würde ich sagen … Wir haben gerade eine Analyse gesehen, die gezeigt hat, dass nur 130.000 Menschen bei dieser Wahl den Unterschied machen können. Jeder Zuschauer, der denkt: ‚Oh, das ist ja alles eine ausgemachte Sache‘ – das ist es nicht“.

Drehtür Downing Street: Großbritannien lässt Tory-Chaos hinter sich

David Cameron
Sechs Jahre lang führte David Cameron als Premierminister das politische Großbritannien. Vom 11. Mai 2010 an stand er zunächst an der Spitze einer Koalitionsregierung mit den Liberaldemokraten, ehe er seit 2015 mit absoluter Mehrheit seiner konservativen Partei im Unterhaus regierte. Doch die eigene Partei machte ihm oft das Leben schwer. Camerons Fraktion im Unterhaus verwehrte ihm mehrfach die Gefolgschaft, etwa bei der Homo-Ehe oder bei der Reform des Oberhauses. Der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson oder Ex-Parteichef Ian Duncan Smith warfen ihm wiederholt Führungsschwäche vor. © Stefan Rousseau/afp
David Cameron
Camerons größtes Problem war aber die Europapolitik. Eine Lösung dieser Frage, die die Tories seit Jahrzehnten spaltet, fand auch er nicht. Zunächst war er noch optimistisch. „Ich war immer der Meinung, dass man große Entscheidung angehen muss und nicht vor ihnen zurückschrecken“, sagte er rückblickend. Doch im Lauf der Zeit machte er dem eurokritischen Flügel seiner Partei immer mehr Zugeständnisse. So ereiferte er sich offen über die Europäische Union und stellte sich in Brüssel demonstrativ quer. Nützlich war das alles aber nicht.  © Stephane de Sakutin/afp
David Cameron
Am Ende sollte Cameron an Europa scheitern. 2016 setzte er mit dem Referendum über den Verbleib des Landes in der EU alles auf eine Karte – und mutierte plötzlich zum Verfechter der europäischen Idee. Seine Landsleute nahmen ihm das allerdings nicht ab. Schlimmer noch: Gegen seinen erklärten Willen entschieden sich die Menschen in Großbritannien für den Austritt aus der EU. Der Brexit wurde zu Camerons größter Niederlage. So blieb ihm nur übrig, seinen Rücktritt zu erklären. Als er an jenem 24. Juni 2016 vor der Downing Street Nummer 10 an der Seite seiner Ehefrau Samantha vor die Kameras trat, war er den Tränen nahe.  © Leon Neal/afp
Theresa May
Nach dem Brexit-Votum benötigte Großbritannien eine neue Führungsspitze. Hier kam Theresa May ins Spiel. Die Tochter eines Pfarrers trat am 13. Juli 2016 als Nachfolgerin von David Cameron ihr Amt an. Oft wurde sie mit der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher oder mit Angela Merkel verglichen. Doch diese Vergleiche hinkten alle. Sie war einfach ein ganz anderer Typ. Bezeichnend sind die drei Worte, die sie einmal wählte, um sich selbst zu beschreiben: Sie sei eine „bloody difficult woman“, eine verdammt schwierige Frau. © Dominic Lipinski/dpa
Theresa May
Als Regierungschefin agierte sie weitgehend glücklos. Nach dem Brexit-Votum hofften viele Menschen in Europa und in Großbritannien, dass sie doch noch einen Weg aus dem Schlamassel finden würde. Immerhin hatte sich May vor dem Referendum noch für den Verbleib in der EU ausgesprochen. Zu Kompromissen war sie anschließend allerdings nicht mehr bereit. Ihr Mantra lautete: „Brexit bedeutet Brexit.“ Und das hieß: Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion. Dabei hatte sich May vor dem Referendum noch für den Verbleib in der EU ausgesprochen.  © Stefan Rousseau/dpa
Theresa May
Da May für ihre Brexit-Pläne im Parlament keine Mehrheit sah, rief sie eine Neuwahl aus. Doch die vorgezogene Unterhauswahl im Juni 2017 wurde zum Desaster. Ihr einstudiertes Auftreten im Wahlkampf ließ sie kalt und steif erscheinen. Das Ergebnis fiel bitter aus: Vom erwarteten Erdrutschsieg gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn war sie weit entfernt, die Tories verloren ihre absolute Mehrheit. Der offizielle Tories-Historiker Alistair Lexden stellte ihr in einem Artikel im Februar 2019 ein überaus schlechtes Zeugnis aus: Für ihn war May die „schlechteste Führerin der Tories“ überhaupt. Im Juli 2019 trat sie von ihrem Amt zurück. © Tolga Akmen/afp
Boris Johnson
Vom 24. Juli 2019 an versuchte Boris Johnson, Großbritannien aus dem Brexit-Schlamassel zu befreien. Hohe Ziele hatte er schon immer. In New York als Sohn eines Beraters für Umweltfragen geboren, wollte er laut Johnsons Schwester Rachel als Kind nichts weniger als der „König der Welt“ werden. Es reichte dann immerhin zum Premierminister. Johnsons Lebensweg war quasi vorgezeichnet. Er besuchte die Eliteschule Eton sowie die Universität Oxford, wo er Mitglied des berüchtigten Bullingdon Clubs war. Dabei handelt es sich um eine legendäre Tischgesellschaft, die für ihr Rowdytum und ihre Trinkgelage bekannt ist.  © Andrew Parsons/Imago
Boris Johnson
Nach seinem Studium arbeitete Johnson bei der Times, wurde aber nach nur einem Jahr wieder gefeuert – weil er Zitate gefälscht hatte. Das tat seiner Karriere aber keinen Abbruch. 1987 heuerte er beim Daily Telegraph an, deren Mitherausgeber er von 1994 bis 1999 war. Anschließend wechselte er zum konservativen Wochenblatt The Spectator, das er bis 2005 als Herausgeber leitete. In seiner Zeit als Bürgermeister von London (2008 bis 2016) veröffentlichte er zudem eine Biografie über sein Vorbild Winston Churchill. Bekannter als „Der Churchill-Faktor“ wurde aber der Verriss des Historikers Richard J. Evans.  © Imago
Boris Johnson
Bei Johnson ging es stets hoch her. Da baumelte er schon mal an einer Seilrutsche abwärts, versuchte sich im Tauziehen und walzte einen Jungen beim Rugby nieder. Nicht zu vergessen, dass er sich einmal in einem begehbaren Kühlschrank versteckte, um einem Interview zu entgehen. Seit seinem Amtsantritt jagte dann aber ein Skandal den nächsten. Johnson überstand zunächst alles, auch die „Partygate“-Affäre um illegale Lockdown-Feiern in der Downing Street. Eine Affäre um Johnsons Parteikollegen Chris Pincher brachte das Fass aber zum Überlaufen. Der Druck aus der Partei wurde zu groß, Johnson trat im Sommer 2022 zurück. © Andrew Parsons/Imago
Liz Truss
Am 6. September 2022 übernahm Liz Truss das Ruder in Großbritannien. 1975 in Oxford geboren, wuchs Truss im schottischen Paisley und im englischen Leeds auf. Ihr Vater war Mathematikprofessor, die Mutter Krankenschwester, beide beschrieb sie einst als „linksgerichtet“. Ihre Mutter nahm sie sogar auf Demonstrationen gegen Atomwaffen mit. Doch Truss begehrte auf gegen die politische Prägung ihres Elternhauses und schloss sich zunächst den Liberaldemokraten an, bevor sie zu den Konservativen wechselte. Das war nur konsequent, gilt doch Ex-Premierministerin Margaret Thatcher als ihr großes Vorbild.  © Victoria Jones/dpa
Liz Truss
Truss gilt als äußerst sprunghaft. Das zeigte sich auch beim Brexit-Referendum. Nachdem sie vorher noch für den Verbleib in der EU getrommelt hatte, galt sie hinterher als Bekehrte („born again Brexiteer“). Diesem Sinneswandel verdankte sie auch ihren Aufstieg bei den Tories bis hin zur Premierministerin. Wie keine andere Regierungschefin vor ihr versuchte Truss, die Brexit-Ideologie in die Tat umzusetzen. Sobald die Fesseln der EU abgeworfen und Steuern gesenkt seien, sollte ein beinahe märchenhaftes Wirtschaftswachstum ausgelöst werden, so die Theorie.  © Kristy O`Connor/afp
Liz Truss
Doch grau ist alle Theorie. Als die Regierung ein Mega-Paket an Steuererleichterungen ankündigte, rasselte der Kurs des Pfunds in den Keller. Die Renditen für Staatsanleihen schossen nach oben. Die Notenbank musste intervenieren, um Rentenfonds vor dem Kollaps zu bewahren. Zu diesem Zeitpunkt war Truss erst 17 Tage im Amt. Das Magazin Economist bescheinigte Truss daher die Haltbarkeitsdauer eines Salats. Die Boulevardzeitung Daily Star macht sich einen Spaß daraus und platzierte in einer Live-Übertragung einen Salatkopf neben dem Porträt der Premierministerin, um zu sehen, wer länger hält. Der Salat gewann. © Imago
Rishi Sunak
Nur 45 Tage lang blieb Liz Truss im Amt. Danach war Rishi Sunak an der Reihe. Seine Ernennung zum Premierminister galt aufgrund seiner Herkunft als Beweis für Toleranz im Vereinigten Königreich. Sunaks Großeltern stammen aus Indien und wanderten in den 1960er Jahren aus Ostafrika nach Großbritannien aus. Tatsächlich gab es 1980, als Sunak in Southampton zur Welt kam, keine einzige „Person of Colour“ im Parlament. Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra zeigte sich im Guardian dennoch kritisch: „Seine übereilte Beförderung in die Downing Street 10 ermutigt jetzt unverschämte Rassisten, sich als Vertreter von ethnischer Vielfalt zu gerieren.“ © Geoff Caddick/afp
Rishi Sunak
In der Tat zeigt sich die britische Regierung ausgerechnet Minderheiten gegenüber wenig sensibel. Bestes Beispiel ist das Asylgesetz, das sie auf den Weg bringen will. Der Entwurf sieht vor, dass alle Personen, die irregulär nach Großbritannien kommen, ungeachtet ihrer Herkunft nach Ruanda abgeschoben werden. Der Ruanda-Plan war ein Steckenpferd der früheren Innenministerin Suella Braverman. Die Vertreterin des rechten Parteiflügels, die ebenfalls indische Wurzeln hat, erzählte im Herbst 2022 einmal sogar lächelnd, es sei ihr „Traum“, dass London vor Weihnachten Asylsuchende per Flugzeug nach Ruanda abschiebe.  © Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS)/afp
Rishi Sunak
Für Misstrauen sorgt aber auch Sunaks persönlicher Hintergrund als ehemaliger Investmentbanker, dessen Ehefrau die Tochter eines der reichsten Menschen in Indien ist. Die Guardian-Kolumnistin Nesrine Malik twitterte sarkastisch, Sunaks Amtsantritt sende eine starke Botschaft an People of Colour: „Wenn Sie auf eine Privatschule gehen, ein Vermögen anhäufen, der reichste Abgeordnete im Parlament werden und mit Ihrer Frau ein gemeinsames Vermögen haben, das größer ist als das des Königs, können auch Sie Premierminister werden.“ © James Manning/afp
Rishi Sunak steht im Regen.
Nach 14 Jahren Tory-Regierung herrscht in Großbritannien vor allem Chaos. Monatelang drängte die Opposition den Premierminister, einen Termin für die nächste Parlamentswahl festzulegen. Am 22. Mai war es dann so weit: Sunak rief vor dem Regierungssitz 10 Downing Street die Wahl für den 4. Juli aus. Er tat dies im strömenden Regen – und wurde patschnass. Der Auftritt des bedröppelt wirkenden Premiers war symbolträchtig. Die Tories kassierten eine verheerende Niederlage. 14 Jahre Chaos sind damit zu Ende gegangen. © Henry Nicholls/afp

Die Tories haben mehrfach darauf hingewiesen, dass bereits 130.000 Stimmen das Wahlergebnis in über 100 Wahlkreisen beeinflussen könnten. Sie behaupten, dass dies den „Unterschied zwischen einer Supermehrheit und keiner Mehrheit“ darstellen würde.

Update vom 3. Juli, 12.31 Uhr: Während Premier Sunak vor der Großbritannien-Wahl noch Hoffnung simuliert, steht Labour-Chef Starmer in den Startlöchern. Was plant er? Mehr dazu in Was Starmers Pläne auch für Deutschland bedeuten würden.

Wie DIY-Zahnersatz und die Großbritannien-Wahl zusammenhängen

Update vom 3. Juli, 11.01 Uhr: Eine Britin zog sich fünf ihrer Zähne selbst, nachdem sie keinen Termin bei einem Zahnarzt des National Health Service bekommen hatte. Zahnbehandlungen im Vereinigten Königreich sind teuer, einen Termin beim Kassenarzt zu bekommen kaum möglich. Labour und Tories versprechen Änderung. Mehr in Wie DIY-Zahnersatz und die Großbritannien-Wahl zusammenhängen.

Update vom 3. Juli, 10.06 Uhr: Nicht jeder hält Sunaks Regierungsbilanz für „katastrophal“: So schreibt die Londoner Times heute in einem Kommentar, dass sie „zwar kein Erfolg, aber auch keine Blamage“ sei und zieht das Fazit, dass Sunak sich bemühte, „den Lebensstandard der Briten vor den Launen der internationalen Ereignisse zu schützen“ und ein „sichereres Gespür für praktische Politik“ bewiesen habe.

Keir Starmer (l.) und Rishi Sunak während einer TV-Debatte zur Großbritannien-Wahl.

Umfrage vor Großbritannien-Wahl sieht Labour deutlich vor Tories

Update vom 2. Juli, 20.52 Uhr: Eine Umfrage von Redfield and Wilton Strategies, die zwei Tage vor den Parlamentswahlen am 4. Juli unter 20.000 Wählern durchgeführt wurde, hat ergeben, dass die Labour-Partei bei 41 Prozent (-1) und die Konservativen bei 22 Prozent (+3) liegen. Die Reform UK-Partei liegt laut der Umfrage bei 16 Prozent (-2) und die Liberaldemokraten bei 10 Prozent (-1). In der Analyse der Ergebnisse durch das strategische Beratungsunternehmen wurde festgestellt, dass der nationale Vorsprung von Labour in dieser Umfrage zum ersten Mal seit dem 10. März unter 20 Prozent liegt. Die Umfrage fand vom 28. Juni bis 2. Juli statt.

Sunak will Vorgängern vor Großbritannien-Wahl keine Vorwürfe machen

Update vom 2. Juli, 19.20 Uhr: Es scheint, als würde Rishi Sunak seinen Vorgängern keine Schuld zuschieben, sollte er die Wahl nicht gewinnen. Laut Politico äußerte er gegenüber Journalisten: „Du musst einfach die Karten ausspielen, die dir ausgeteilt werden … Es hat keinen Sinn, da herumzusitzen und zu sagen: Ich wünschte, jemand hätte mir vier Asse gegeben.“

Labour-Chef Starmer will nach Großbritannien-Wahl ständige Kabinettsumbildungen vermeiden

Update vom 2. Juli, 18.13 Uhr: Labour-Chef Keir Starmer hat sein Versprechen bekräftigt, ständige Kabinettsumbildungen zu vermeiden, sollte er zum Premierminister gewählt werden. Er betonte, dass er bei der Ernennung von Ministern auf „Stabilität“ setzen werde. Starmer deutete an, dass er beabsichtigt, einmal ernannte Kabinettsmitglieder für eine angemessene Amtszeit zu behalten.

In einer früheren Unterhaltung mit Journalisten äußerte Starmer: „Wir hatten fünf Premierminister, ich weiß nicht, wie viele [Schatz-]Kanzler. Gehen Sie zum Wohnungswesen, ich glaube, Sie hatten zehn oder elf Minister, die Justiz zehn oder elf Minister. Das sind tolle politische Cartoons, aber es ist wirklich schlecht für die Führung des Landes, weil es zu einem Mangel an strategischem Denken führt.“

NGO deckt Manipulation während Wahlkampf in Großbritannien auf

Update vom 2. Juli, 16.01 Uhr: Laut einer Nichtregierungsorganisation (NGO) haben vor den Parlamentswahlen in Großbritannien gefälschte Konten auf dem Online-Dienst X in großem Umfang „Desinformation und Hass“ gestreut. Global Witness gab am Dienstag bekannt, dass die Beiträge, die von zehn vermeintlichen Bot-Profilen auf dem Kurznachrichtendienst X veröffentlicht wurden, während des Wahlkampfes schätzungsweise 150 Millionen Mal aufgerufen wurden.

In einem Zeitraum von sechs Wochen haben diese Konten über 60.000 Nachrichten veröffentlicht. Diese Nachrichten enthielten Verschwörungstheorien sowie Botschaften, die gegen Muslime, Juden, Homosexuelle und Transgender gerichtet waren. Bots sind Computerprogramme, die durch Algorithmen mit Benutzern interagieren und dabei vortäuschen, echte Menschen zu sein.

Die Beiträge, die auch Unterstützung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck brachten, könnten laut Global Witness einen „übermäßigen Einfluss“ auf den Wahlkampf ausgeübt haben.

Labour-Chef zieht Bilanz nach Frankreich-Wahl

Update vom 2. Juli, 12.56 Uhr: Die Tories stehen bei der Großbritannien-Wahl unter Druck von Rechtsaußen. Wie sieht vor diesem Hintergrund der oppositionelle Labour-Chef das erste Ergebnis der Frankreich-Wahl? „Die Lektion, die ich daraus ziehe ist, dass wir uns um die alltäglichen Sorgen so vieler Menschen kümmern müssen“, sagte Keir Starmer laut der Nachrichtenagentur AFP. Seine Partei müsse bei der Wahl nun zeigen, „dass nur die Progressiven die Antworten auf die Herausforderungen haben, denen wir in diesem Land und in ganz Europa gegenüberstehen“.

Sunak postet vor Großbritannien-Wahl lieber Fußball als Umfragen

Update vom 2. Juli, 12.02 Uhr: Den Konservativen droht bei der britischen Parlamentswahl eine historische Niederlage. Die letzte Hoffnung bringt Rishi Sunak offenbar der Fußball. „It‘s not over until it‘s over“, schrieb er bei X. Dazu veröffentlichte ein Bild, wie er über den Ausgleich der englischen Nationalmannschaft in letzter Minute im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei jubelt. 

Mit seiner demonstrativen Zuversicht stehe Sunak allerdings zunehmend allein, berichtete ein dpa-Korrespondent, der eine Einschätzung des Politologen Tim Bale einholte. „Sie sind schon zu lange im Amt und können kaum oder gar keine nennenswerten politischen Erfolge vorweisen“, sagte Bale über die Tories, denen er eine „katastrophale“ Regierungszeit bescheinigte.

Experte vor Großbritannien-Wahl: Britische Konservative rücken weiter nach rechts

Update vom 2. Juli, 10.36 Uhr: Den Tories von Rishi Sunak droht bei der Parlamentswahl ein Debakel – das dürfte Folgen haben für den künftigen Kurs der Partei. Die Konservativen würden einen rechtsgerichteten und populistischeren Kurs einschlagen, sagte der Politikwissenschaftler Mark Garnett jetzt der Nachrichtenagentur dpa. Er schließt sogar einen Zusammenschluss mit der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage nicht aus.

Update vom 1. Juli, 18.56 Uhr: Eine mögliche Labour-Regierung in Großbritannien wird am Termin für den Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) am 18. Juli festhalten. Das sagte Schatten-Außenminister David Lammy, der im Fall eines Siegs seiner Partei bei der britischen Parlamentswahl neuer Außenminister werden soll.

Der anstehende Gipfel in Blenheim Palace nahe Oxford ist das vierte Treffen im Rahmen der EPG, einer Initiative, die der französische Präsident Emmanuel Macron ins Leben gerufen hatte. Daran nehmen neben Vertretern der Europäischen Union und den Staats- und Regierungschefs ihrer Mitgliedstaaten auch die Vertreter vieler weiterer europäischer Länder teil. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen EU und den Nicht-EU-Staaten in Europa zu verbessern. 

Erstmeldung: London – Der Wahlkampf in Großbritannien befindet sich im Endspurt. Während seines weitgehend blassen Wahlkampfes war es Sunak nicht gelungen, den klaffenden 20-Punkte-Vorsprung der Labour-Partei unter deren Chef Keir Starmer zu verringern. Brexit, Corona, Wirtschaftskrise und jede Menge Skandale haben die 14 Jahre konservativer Regierungen in Großbritannien geprägt.

Vielen Briten geht es jetzt schlechter als 2010, noch mehr sind desillusioniert. Ein erneuter Sieg der Tories bei der Parlamentswahl am 4. Juli gilt als ausgeschlossen, die oppositionelle Labour-Partei geht als ausgemachter Gewinner ins Rennen. Die Briten erlebten in den 14 Jahren fünf konservative Premiers, 2022 waren es drei binnen vier Monaten. Premierminister Nummer 5 und Tory-Chef Rishi Sunak scheint sich mit der erwarteten Niederlage bereits abgefunden zu haben.

Derzeit hat Labour in den Umfragen einen Vorsprung von etwa 20 Prozentpunkten, Oppositionsführer Keir Starmer ist das Amt des Premiers so gut wie sicher. Die Konservativen flehen die Wähler an, zumindest eine „Supermehrheit“ der sozialdemokratischen Partei zu verhindern.

Unter Sunak kam es über Monate immer wieder zu Protesten. Pfleger, Lehrer, Briefträger und viele andere demonstrierten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Die jährliche Inflation ist inzwischen von elf auf 2,3 Prozent gesunken, doch die Löhne und Gehälter verharren auf dem Niveau von 2010. Wachstum und Produktivität stagnieren, und die Steuerlast ist so hoch wie seit 70 Jahren nicht mehr.

Nicht alles laufe schlecht, versucht Sunak die Wähler zu beruhigen. Er verweist auf die niedrige Arbeitslosigkeit, den Rückgang der Kriminalität und das gute Abschneiden der britischen Schüler bei der Pisa-Studie. Andere loben die 2014 eingeführte Homo-Ehe und die Vorreiterrolle Großbritanniens bei Offshore-Windkraftanlagen. (Redaktion mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © dpa/Phil Noble

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