„Große Befürchtung für Ukraine und Israel“: Belarus greift nach Drohnen – dank Putin-Freund Iran
VonFlorian Naumann
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Belarus und Iran könnten einen gefährlichen Pakt anbahnen. Ein Beobachter sieht Gefahren für Ukraine und Israel – und wenig Reaktion in Europa.
Zwei Konflikte halten die westliche Welt in Atem: Der Ukraine-Krieg und die Kriege im Nahen Osten. Eine direkte Verbindung beider Brandherde erkennen aber die wenigsten. Der Politologe Boris Ginzburg beschäftigt sich mit beiden Weltregionen – und sieht die Entwicklungen eng verknüpft. Ginzburg betrachtet insbesondere Bande zwischen dem belarusischen Regime von Alexander Lukaschenko und dem Iran mit Sorge, wie er dem Münchner Merkur von Ippen.Media sagt.
Bekannt ist, dass Teheran zu den Unterstützern Russlands in dessen Feldzug gegen die Ukraine zählt. Der Iran lieferte etwa die Technologie für die Shahed-Drohnen. Nicht zuletzt mit diesen Flugobjekten verbreitet das russische Militär praktisch jede Nacht Terror in der Ukraine. Mittlerweile stellt Russland das Modell als „Geran-2“ unter Lizenz in Eigenregie her. Ginzburg zufolge könnte iranische Drohnentechnologie künftig aber auch in Belarus‘ Diensten auftauchen. Denn der Iran habe großes Interesse an dem Land. Aus einem Kalkül heraus, das wiederum Israel Sorgen bereiten müsse.
Drohnen für Belarus, ein Waffenlager für Iran? Experte sieht Bedrohung für Ukraine und Israel
Belarus nutzt aktuell eher rudimentäre Mittel wie Wetterballons, zuletzt in Litauen. Im August aber war der iranische Präsident Massud Peseschkian in Minsk zu Gast, wie die Staatsagenturen Belta und IRNA meldeten. „Dort wurden mehrere Verträge geschlossen, für die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, aber auch Verteidigung“, sagt Ginzburg. „Man vermutet, dass der Iran derzeit versucht, global an verschiedenen Orten Waffenlager und Waffenfabriken aufzubauen.“ Die israelischen Schläge im Zwölf-Tage-Krieg hätten dem Regime verdeutlicht, dass es Lagerstätten außerhalb der Reichweite Israels aufbauen müsse.
Belarus ist Luftlinie rund 3.000 Kilometer vom Iran entfernt. Zu weit für ein Waffenlager? Ginzburg verneint das. Belarus schmuggle schon seit langer Zeit Waffen ins Ausland – die in der Vergangenheit etwa bei palästinensischen Terrororganisationen oder afrikanischen Rebellengruppen landeten. Auch Russland nutze den Nachbarn gerne als Dreh- und Angelpunkt für seine globalen Waffenexporte.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Für Israel wäre diese Entwicklung ein Problem. „Ein Waffenlager in Belarus ist für Israel ein schwieriges Ziel, weil Aktionen gegen diese die Beziehungen mit Russland verschlechtern könnte“, sagt der Experte der FU Berlin.
Denkbar sei, dass sich der Iran mit Drohnentechnik erkenntlich zeige. „Der Iran ist in der Produktion mit seinen Shahed-Drohnen sehr versiert. Wahrscheinlich wird er sein Know-how mit Belarus teilen.“ Bekannt ist auch, dass Belarus Russlands Krieg in der Ukraine zwar nicht eigenen Soldaten, aber mit Logistik unterstützt – und mit der Produktion militärischer Güter. „Diese mögliche Entwicklung ist deshalb eine große Befürchtung. Für die Ukraine. Aber auch für Israel“, sagt Ginzburg. Die EU müsse dieses Problem eigentlich stärker anerkennen, meint er.
Ukraine- und Iran-Krieg keine isolierten Phänomen: Trump könnte das erkannt haben
Die großen Player außerhalb Europas hätten die Zusammenhänge zwischen Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt bereits erkannt. „Donald Trump hat Steve Witkoff nicht ohne Grund als Sonderbeauftragten für beide Konflikte eingesetzt“, sagt Ginzburg.
Auch China sehe eine Verknüpfung. „Bei einem Besuch Lukaschenkos dieses Jahr soll ihm die chinesische Seite gesagt haben, dass sie Belarus besonders nach dem Krieg zwischen Iran und Israel als wichtig erachten“, erklärt der Politologe. In einer weiteren Rolle sei Belarus als Transitland gefragt: Bei einem erneuten Aufflammen des israelisch-iranischen Krieges könnten die Transitwege durch diese Region gefährdet sein. Dann könnte Belarus einspringen.
Die Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen Wladimir Putins Russland und dessen Verbündeten und dem Iran beunruhigen Beobachter seit Längerem. Das Regime in Teheran fahre eine „antisemitische Politik“, der Kreml finanziere Rechtsextremisten – und sei zugleich ein Verbündeter des Iran, sagte der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, schon Anfang 2024 am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Rechtsextremisten und radikaler Islam stärkten sich gegenseitig, warnte er zugleich. (Quelle: Gespräch mit Boris Ginzburg, Belta, IRNA, eigene Recherchen)