VonHannah Köllenschließen
Ein Video von Prigoschin auf Telegram sorgt für Verwirrung: Hat der Chef der Wagner-Gruppe Präsident Putin beleidigt? Der Kreml gibt sich betont locker.
Frankfurt – Der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, ist sauer. Grund für seinen Unmut ist, dass der Kreml ihm seiner Meinung nach nicht ausreichend Munition für den Kampf im Ukraine-Krieg liefert.
Seiner Verärgerung machte Prigoschin in einem Video Luft. In der Aufzeichnung, die der Gründner der Söldner-Armee auf Telegram veröffentlichte, beschuldigt er den russischen Staat, das Land nicht ausreichend verteidigen zu können.
„Was, wenn sich herausstellt, dass der Großvater ein A*** ist?“, will Prigoschin wissen, berichtet das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek. Schnell entsteht die Vermutung, dass die Frage von Prigoschin eine Anspielung auf Russlands Präsident Wladimir Putin gewesen ist.
Nach Prigoschins Ankündigung, sich aus der hart umkämpften Stadt Bachmut zurückzuziehen, äußert ein Russland-Experte, dass Prigoschin „verzweifelt“ und seine Söldner-Armee noch ein „Schatten ihrer selbst“ sei.
Wagner-Chef Prigoschin: Hat er Putin beleidigt?
Darauf angesprochen, wen er mit seiner Anspielung gemeint habe, nennt Prigoschin drei Optionen. „Wer könnte der Großvater sein? Option Nummer eins ist Mizintsev, der gefeuert wurde, weil er uns Munition gegeben hat. Jetzt ist er nicht mehr in der Lage, uns noch mehr zu geben“, sagt Prigoschin auf Telegram, wie Newsweek berichtet.
Damit spielt der Wagner-Gründer auf Mikhail Mizintsev an. Der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister von Russland trat nach seiner Entlassung aus dem Amt der Wagner-Gruppe bei.
Als weiteren möglichen „Großvater“ nennt Prigoschin den Chef des Generalstabs der Streitkräfte Russlands, Valery Vasilyevich Gerasimov. Von ihm fordert Prigoschin die Lieferung von Munition.
Prigoschins mutmaßliche Putin-Beschimpfungen: Wagner-Chef lässt Anspielung offen
„Und Option Nummer drei ist Natalya Khim, die uns über Social Media Boxen voller Munition angeboten hat“, sagt Prigoschin in seinem Video. Bei Khim handelt es sich um einen Reality-TV-Star, der im Donbass kämpft, berichtet Newsweek.
Wen genau nun der Großvater sei, lässt Prigoschin offen. „Wähle eine dieser Optionen, wen ich als Großvater bezeichnet habe“, sagt Prigoschin.
Der Kreml gibt sich betont desinteressiert an dem Video von Prigoschin und der Möglichkeit, dass der Wagner-Chef in diesem den russischen Präsidenten beleidigt haben könnte.
Als Reporter den Pressesprecher von Wladimir Putin, Dmitry Peskov, nach dem Video fragen, ist seine Antwort, dass der Kreml zu beschäftigt sei, um sich das Video angesehen zu haben. „Sie wissen, was wir gestern getan haben. Es gab viele Gäste und viele Veranstaltungen“, sagte er Newsweek zufolge am Mittwoch zu Reportern. Damit spielte er auf die Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ am Dienstag (9. Mai) an, die vor allem in Moskau stattfanden.
Doch auch wenn der Kreml sich unbeeindruckt von dem Video zeigt, gibt es starke Anzeichen dafür, dass Putin und die russische Elite die Geduld mit Prigoschin verlieren.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Pool /Wagner Group

