Grünes Machtvakuum und Forderung nach Linksruck: Was folgt auf den Rückzug von Baerbock und Habeck?
VonFelix Durach
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Das Spitzenduo Baerbock und Habeck zieht sich vorerst zurück. Die Grünen stehen vor einem Umbruch. Neue Führungskräfte müssen jetzt Verantwortung übernehmen.
Baerbock und Habeck verzichten auf Führungsrollen: Wer wird die Grünen in Zukunft leiten?
Normalerweise trennen die Grünen strikt zwischen Parteiführung, Fraktionsvorsitz und der Übernahme von Regierungsämtern. Nachdem Baerbock und Habeck infolge der Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien Ministerposten erhalten hatten, schieden sie als Parteivorsitzende aus. Ricarda Lang und Omid Nouripour übernahmen die Führung, traten jedoch im November 2024 nach enttäuschenden Landtagswahlergebnissen im Osten zurück.
Seit Dezember 2024 leiten Franziska Brantner und Felix Banaszak die Partei. Das neue Führungsduo der Grünen kündigte kurz nach der Bundestagswahl 2025 an, ihre Positionen trotz des enttäuschenden Ergebnisses beibehalten zu wollen. „Wir sind im November 2024 gewählt worden“, erklärte Banaszak am Montag nach der Wahl gegenüber t-online. „Und haben vor, das Amt jetzt auch in dieser Situation weiter auszuüben.“ Innerhalb der Partei werden sie also weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Baerbock strebt Fraktionsvorsitz nicht an – Haßelmann und Dröge haben freie Bahn
Für die Fraktionsführung gibt es ebenso zwei klare Favoritinnen: Britta Haßelmann und Katharina Dröge. Beide führten die Grünen-Fraktion bereits in der letzten Legislaturperiode und signalisierten nach der Wahl, dass sie gerne weitermachen würden. In der vergangenen Woche kursierten jedoch erste Überlegungen, wer in der Fraktionsspitze Platz machen könnte, sollte Baberbock ihren Hut in den Ring werfen. Eine mögliche Nominierung von Haßelmann zur Bundestagsvizepräsidentin stand im Raum, um den Posten für die Außenministerin freizumachen. Doch diese Überlegungen können nach Baerbocks Ankündigung vorerst ad acta gelegt werden.
„Mit zwei starken Frauen an ihrer Spitze beginnt jetzt ein neues Kapitel für unsere Fraktion“, betonte Baerbock in einem am Mittwochmorgen veröffentlichten Brief. Dröge und Haßelmann wurden erst kürzlich geschäftsführend im Amt bestätigt und haben — Stand jetzt – gute Chancen, auch in der kommenden Legislaturperiode den Kurs der Grünen-Fraktion zu bestimmen.
Rufe nach einem Linksruck in der Grünen-Fraktion – Ricarda Lang im Fokus
Laut dem Focus gibt es jedoch auch Forderungen aus den linken Kreisen der Fraktion, die Führung neu zu gestalten. „Nach acht Jahren mit einer Realo-Doppelspitze in der Führung brauchen wir personelle Veränderungen“, äußerte ein anonymes Mitglied des linken Flügels im Gespräch mit dem Focus. Der Vorschlag: Die bewährte Kombination aus Parteilinken und Realos soll durch eine linke Doppelspitze ersetzt werden. Ein Name, der in diesem Zusammenhang häufig genannt wird, ist Ricarda Lang.
Grüne suchen nach Baerbocks Rückzug neue Führung: Göring-Eckardt will als Bundestagsvize weitermachen
Die Frage, wer als Stellvertreter des Bundestagspräsidenten – eine weitere hochrangige Position innerhalb der Grünen – nominiert wird, bleibt offen. Katrin Göring-Eckardt, die das Amt bereits in den letzten vier Jahren innehatte, möchte offenbar weitermachen. Ein Vorteil für sie ist, dass sie die einzige Ostdeutsche in der Führungsriege der Grünen ist. Auch Omid Nouripour wird laut Informationen des Handelsblatts für das Amt in Betracht gezogen. Die Chancen für Claudia Roth, die das Amt bereits zwischen 2013 und 2021 innehatte und erneut Interesse bekundet haben soll, stehen eher schlecht.
Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag
Grüne müssen nach Baerbocks Rückzug Weichen für die Opposition stellen
In der Theorie könnten auch die scheidenden Grünen-Minister aus der Ampel-Regierung Führungsverantwortung übernehmen, doch ein Blick ins Kabinett zeigt wenige Optionen. Neben Habeck und Baerbock ist Landwirtschaftsminister Cem Özdemir der prominenteste Vertreter, doch er hat andere Pläne. Der 59-Jährige strebt an, 2026 Winfried Kretschmann als Ministerpräsident in Baden-Württemberg zu beerben. Umweltministerin Steffi Lemke und Familienministerin Lisa Paus bleiben, doch sie wurden bisher nicht mit weiteren Führungspositionen in Verbindung gebracht.
Ein kleiner Parteitag in den kommenden Wochen könnte mehr Klarheit über die Zukunft der Grünen nach Habeck und Baerbock bringen. Spätestens am 25. März muss der neue Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten – dann kann die neue Fraktion der Grünen die Weichen für die kommenden vier Jahre in der Opposition stellen. (fd)