Zoff ums Geld: Habeck und Lindner pflegen neue Brief-Feindschaft
VonJens Kiffmeier
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Zwei Rivalen im Dauerclinch: Habeck und Lindner streiten um den Haushalt – per giftigen Briefen. Die Berlin-Wahl gefährdet den Ampel-Frieden.
Berlin – Verkehrspolitik, Klimaschutz und jetzt auch noch der Haushalt: Bei den Grünen und der FDP brechen immer stärker die alten Rivalitäten auf. So streiten beide Koalitionspartner im Bund derzeit heftig um die Verteilung der Gelder. Stellvertretend fechten Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) das Duell aus – per Brief. Beide gelten nicht als beste Freunde. Ob das dem Frieden in der Ampel guttut?
Streit um Haushalt: Robert Habeck und Christian Lindner schicken sich wütend Brief hin und her
Konkret sind Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) bei der Aufstellung aneinandergeraten. So warf der Grüne seinem Kabinettskollegen vor, unabgesprochen die FDP-Wünsche öffentlich zu zementieren. In einem Brief Habecks an den Liberalen heißt es laut einem Bericht von The Pioneer: „Wir bitten Sie, keine weiteren öffentlichen oder internen Vorfestlegungen zu treffen, die einseitig weitere Ausgaben priorisieren.“ Als Beispiele genannt werden die Aktienrente, die Umsatzsteuerermäßigung für die Gastronomie und die Bundeswehr.
Bereits vor einem Jahr waren die Eckwerte für den Haushaltsplan festgelegt worden. Dabei handelt es sich um einen Entwurf des Finanzministeriums, aus dem sich das Budget für die jeweiligen Ministerien ergibt. Derzeit wird über die genaue Ausgestaltung verhandelt. Die FDP pocht dabei auf die Einhaltung der Schuldenbremse, hat aber durchaus ihre eigenen Vorstellungen für konkrete Projekte. Auch die SPD hat schon ihre Wünsche hinterlegt. Bei den Grünen ist die Angst groß, dass man am Ende in den Verhandlungen unter die Räder kommt.
Daher legte Habeck jetzt stellvertretend für die Grünen-Minister ein Veto ein. In dem Brief räumt er ein, dass die Regeln zur Einhaltung der Schuldenbremse vereinbart worden seien und von den Grünen nicht in Frage gestellt werden würden. Aber die bisherigen Eckwerte für den Haushalt 2024 könne man “nicht akzeptieren”. Erst müsse über alle Projekte und über die Steigerung der Einnahmen beraten worden sein.
Brief an Habeck: Lindner lehnt Vorschläge der Grünen ab
Doch davon will Lindner nichts wissen. Süffisant soll er den Einwurf der Grünen in seinem Antwort-Brief zurückgewiesen haben. Die vorgetragene Haltung habe ihn “überrascht”, schreibt Lindner und lehnt das Angebot für weitere Beratungen über Haushaltseinnahmen ab. “Diese Anregung möchte ich nicht aufgreifen”, ließ er Habeck wissen.
Damit verschärft sich der Ton in der Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz weiter. Inhaltlich sind Grüne und FDP seit Wochen in einigen Bereichen auf Konfrontationskurs. Vor allem in der Klima- und Verkehrspolitik gibt es viel Verstimmung. So fordert Verkehrsminister Volker Wissing den Ausbau von Autobahnen und ein entsprechendes Straßenausbaubeschleunigungsgesetz - zum Ärger der Öko-Patei. Dass parallel dazu FDP-Politiker auch noch den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken verlangen, drückt die Stimmung zusätzlich.
Schlappe bei Berlin-Wahl: FDP um Lindner pocht auf harten Kurs gegen Habecks Grüne
Bei der FDP nimmt man den Zoff bewusst in Kauf. In den vergangenen Landtagswahlen hagelte es für die Liberalen Niederlagen in Serie - zuletzt bei der Berlin-Wahl. Führende FDP-Politiker geben dafür dem Sachzwang die Schuld, dem man in der Regierung ausgesetzt sei. Nach der Wahlschlappe in der Hauptstadt kündigte FDP-Chef Lindner deswegen an, dass man die liberalen Themen jetzt noch stärker herausstellen wolle. Es war durchaus als Kampfansage an die Grünen zu verstehen.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Vor diesem Hintergrund steuert die Ampel auf eine schwierige Konstellation zu. Normalerweise gibt es eine Arbeitsteilung: Partei und Fraktion machen Druck auf den Koalitionspartner, die Minister sorgen für vertretbare Kompromisse.
Habeck gegen Lindner: Die Minister pflegen in der Koalition ein Duell
Doch bei Habeck und Lindner wird das schwierig. Seit den Koalitionsverhandlungen beäugen sie sich kritisch. Damals machte Habeck keinen Hehl daraus, dass er sich eigentlich für den besseren Finanzminister hielt. In dem Gerangel um den Posten gab er aber schließlich klein bei. Die Rivalität von Habeck und Lindner hat das Zurückstecken aber nicht beendet. (jkf/dpa)